https://www.faz.net/-gqe-30r5

Automobile : Fiat zieht die Notbremse

  • Aktualisiert am

Vollbremsung bei Fiat Bild: Dieter Klein / STOCK4B

Nach zuletzt dramatischen Verlusten beschloss Fiat eine umfassende Restrukturierung. Erste Folge: Autochef Testore verliert seinen Job.

          2 Min.

          Nach dramatischen Verlusten vor allem in der Autosparte zieht Fiat die Notbremse: Rund um den Globus will der größte italienische Industriekonzern 18 Fabriken schließen und in den kommenden drei Jahren rund 6.000 Stellen streichen. Zugleich verliert Autochef Roberto Testore seinen Job.

          Die drastischen Einschnitte wurden vom Aufsichtsrat am Montagabend in Turin beschlossen. Das hohe Verluste schreibende Unternehmen sitzt derzeit auf einem Schuldenberg von sieben Milliarden Euro (13,7 Milliarden Mark). In diesem Jahr wird der Konzern zudem einen Verlust einfahren.

          Kapitalerhöhung und Anteilsverkäufe

          Die Kehrtwende soll nun durch die drastischen Sparmaßnahmen und eine deutliche Kapitalerhöhung eingeleitet werden. Unter anderem sollen im kommenden Jahr knapp 66 Millionen neue Aktien zum Preis von 15,50 Euro ausgegeben und so rund eine Milliarde Euro eingenommen werden. Mit Anleihen will sich das Unternehmen weitere zwei Milliarden Euro an flüssigem Kapital beschaffen. Auch die Agnelli-Familie, die Fiat kontrolliert, will sich an der Kapitalaufstockung beteiligen.

          Um die Verschuldung des Konzerns zu reduzieren, sollen im kommenden Jahr außerdem Vermögenswerte und nicht unbedingt notwendige Beteiligungen um zwei Milliarden Euro verkauft werden. Darunter befindet sich auch der Autozulieferer Magneti Marelli.

          Neuer Chef soll Autobereich umkrempeln

          Autochef Testore reichte nach sechs Jahren an der Spitze des wichtigsten Geschäftsbereichs von Fiat seinen Rücktritt ein. Er wird zum Ende des Jahres von Giancarlo Boschetti ersetzt, der derzeit stellvertretender Chef der Fiat-Lkw-Sparte Iveco ist. Dieser geht es trotz der weltweiten Konjunkturflaute relativ gut, nun soll Boschetti dem gesamten Autobereich neuen Schwung geben. Dafür wird eine tief gehende Umstrukturierung vollzogen: Mit Beginn kommenden Jahres soll es vier weitgehend unabhängig voneinander operierende Divisionen geben: Fiat/Lancia, Alfa Romeo, Internationale Beziehungen und Dienstleistungen.

          Zu den Fabrikschließungen und Stellenstreichungen wurden keine konkreten Angaben gemacht. Die Arbeitsplätze sollen aber alle außerhalb Italiens wegfallen. Ein Sprecher von Fiat in Frankfurt wollte sich zu den Auswirkungen auf Deutschland nicht festlegen. Er zeigte sich aber optimistisch, dass die hiesigen Arbeitsplätze erhalten bleiben. Insgesamt zählt Fiat in Deutschland rund 7.000 Beschäftigte, Produktionsstandorte gibt es in Ulm und Berlin.

          Die Anleger an der Börse in Mailand reagierten erschüttert auf die Nachrichten aus Turin. Die Fiat-Aktie verlor am Dienstag bei Handelsbeginn mehr als sieben Prozent (siehe auch Link: „Fiat-Aktien brauchen neue Modellpolitik“).

          Weitere Themen

          Bahn ohne Plan

          FAZ Plus Artikel: F.A.Z. exklusiv : Bahn ohne Plan

          Eigentlich müsste es rund laufen bei der Deutschen Bahn, doch intern fliegen die Fetzen. In einem 15 Seiten langen Brief an Verkehrsminister Scheuer legt Konzernchef Lutz Rechenschaft ab.

          Topmeldungen

          Geht’s nicht voran? Ein Mann wartet unterwegs auf das Internet.

          Mobilfunkausbau : So soll das Handy schneller werden

          Die Bundesregierung will im Mobilfunkausbau verängstigte Bürger besser informieren. Denn die bremsen zuweilen den Antennenausbau wegen möglicher Strahlenbelastung. Doch das ist nicht der einzige Grund für den lahmenden Ausbau des Netzes.
          Verfasste laut Dokumenten aus der Stasi-Unterlagenbehörde über zwölf Berichte zu Kameraden: der neue Verleger der „Berliner Zeitung“ Holger Friedrich

          „Berliner Zeitung“ : Was ist das für ein Verleger?

          Der Einstieg von Silke und Holger Friedrich beim Berliner Verlag war furios. Sie veröffentlichten ein Manifest, alles sah nach Aufbruch aus. Und was ist jetzt, nach den Stasi-Enthüllungen?
          Entspannt im Alter: Damit der Ruhestand nicht zur Armutsfalle wird, soll die private Altersvorsorge reformiert werden – aber wie? (Symbolfoto)

          Geförderte Altersvorsorge : Riester-Reform statt Staatsfonds

          Im Koalitionsvertrag hat die Bundesregierung ein kostengünstiges Standardprodukt versprochen. In der CDU wächst die Sympathie für die Deutschland-Rente. Nun legt die Finanzbranche ein Gegenmodell vor. Die F.A.Z. hat es vorab.
          Sigmar Gabriel

          Gabriel in Russland : Zu Besuch bei Fleischfressern

          Der frühere Außenminister und ehemalige SPD-Parteivorsitzende plädiert in Moskau für ein selbstbewusstes Europa und tritt Trugbildern der russischen Propaganda entgegen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.