https://www.faz.net/-gqe-pjbo

Automobile : Die Sanierung von Opel ist ein Mammutprogramm

  • Aktualisiert am

Die Sanierung bei Opel geht ihren Gang Bild: dpa

Die Verhandlungen über die Zukunft von Opel ruhen über das Wochenende. Angesichts der Fülle der Einschnitte werden sie sich voraussichtlich über Wochen hinziehen. Eine Liste der debattierten Maßnahmen.

          Die Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Konzernführung über die Zukunft des Autoherstellers Opel ruhen über das Wochenende und sollen am Montag fortgesetzt werden. Angesichts der Fülle der Einschnitte werden sie sich voraussichtlich über Wochen hinziehen.

          Unterdessen äußerte der Vorstandsvorsitzende des Konkurrenten Audi Verständnis für die Maßnahmen. "Wir verfolgen mit Schrecken, was mit Opel passiert. Aber ich verstehe, was GM macht. Man kann Verlusten nicht jahrelang zusehen", sagte Martin Winterkorn auf einer Veranstaltung der Amerikanischen Handelskammer in Stuttgart. Man müsse sich fragen, ob Opels Rückzug aus der automobilen Oberklasse richtig war. In Deutschland ließen sich nur hochwertige Fahrzeuge rentabel herstellen, für billige sei der Standort zu teuer, sagte der Audi-Chef.

          Opel und deren amerikanischen Muttergesellschaft GM verzichten weiterhin auf jede offizielle Erklärung zum Stellenabbau. Totzdem werden Details des Sanierungsplanes deutlich. Nach Informationen dieser Zeitung umfaßt das Sparpaket derzeit vor allem folgende Punkte:

          - Kostenreduktion um 500 Millionen Euro jährlich im Europa-Geschäft

          - Abbau von 12.000 der 63.000 Arbeitsplätze in Europa bis Ende 2005. 10.000 davon in Deutschland

          - Wegfall von zusammen 8.500 Arbeitsplätzen in Rüsselsheim und Bochum

          - Gründung von Qualifizierungs- und Beschäftigungsgesellschaften mit der Bundesagentur für Arbeit. Betriebsbedingte Kündigungen sind vermutlich nicht zu vermeiden

          - Kürzung oder Streichung übertariflicher Gehaltsbestandteile und Zuschläge, weniger Weihnachtsgeld

          - Neuformulierung der Standortsicherungsverträge und der darin enthaltenen Arbeitsplatzgarantien

          - Verkürzung der Wochenarbeitszeit, vor allem in der Verwaltung, mit entsprechendem Lohnverzicht. Längere Arbeitszeit ist angesichts der Überkapazitäten und der insgesamt überdmensionierten Organisation kein Thema

          - Fortschreibung der 30-Stunden-Woche in der Produktion in Rüsselsheim mit weiterem Lohnverzicht

          - Entfall der Nachtschicht in der Vectra- und Signum-Fertigung in Rüsselsheim, das kostet 1.600 bis 1.700 Stellen

          - Abbau der jährlichen Fertigungskapazität in Europa von 2,1 auf 1,7 Millionen Autos

          - Werksschließung soll verhindert werden und ist bis 2006 von der Konzernleitung ausgeschlossen, danach aber möglich

          - Neuordnung der Entwicklung, Wegfall von bis zu 1.600 Stellen hauptsächlich in Rüsselheim

          - Verlagerung der Entwicklung von Kleinwagen nach Südkorea und Kompaktwagen nach Amerika. Adaption, Design und Prototypenbau für Europa bleiben aber in Rüsselsheim

          - Zusammenlegung der Mittelklassefertigung (Saab 9-3 und Opel Vectra) in einem Werk. Voraussichtlich verliert das schwedische Trollhättan weitgehend den Automobilbau. Aber auch Rüsselheim ist noch gefährdet. Trollhättan bleibt Entwicklungsstandort für die Marke Saab

          - Der in Polen gebaute Kleinwagen Opel Agila wird eingestellt

          - Rückzug aus der Motorsportserie DTM Ende 2005

          - Umfirmierung der Adam Opel AG in eine GmbH

          - Mittelfristiges Ziel: Alle Werke auf kleinere Jahreskapazität von 200.000 bis 300.000 Einheiten auslegen und im 3-Schicht-Betrieb rund um die Uhr verschiedene Modelle auf einem Band fertigen lassen.

          Weitere Themen

          Alles auf Wiederaufbau Video-Seite öffnen

          Ölkonzern in Saudi-Arabien : Alles auf Wiederaufbau

          Der Ölkonzern Saudi Aramco will die Produktion in Churais nach den Drohnenangriffen bis Monatsende wieder voll aufnehmen. Rund um die Uhr arbeiten Mitarbeiter am Wiederaufbau.

          Topmeldungen

          Klimastreik in Berlin : Rackete for Future

          Beim großen Klimastreik in Berlin überlassen die Aktivisten von „Fridays for Future“ anderen die Bühne. Es sollte der Auftakt sein für ein breites gesellschaftliches Bündnis. Doch noch prallen Welten aufeinander.
          Ihnen reicht der Kompromiss nicht: Wie in Berlin demonstrierten Hunderttausende

          Kompromiss und Proteste : Was in der langen Nacht geschah

          Erst war das Klimaschutzgesetz fast am Ende, dann kam der Protest – und dann stritt das Kabinett eine Nacht lang. Jetzt sonnt sich die Politik im Glanz der Einigung. Währenddessen dröhnt der Protest Hunderttausender.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.