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Automobile : Daimler-Chrysler gelingt der Markteintritt in China

  • Aktualisiert am

Daimler-Chrysler will erstmals auch Nutzfahrzeuge in China bauen Bild: dpa

DaimlerChrysler hat seine Pläne für den Ausbau seiner Produktion in China besiegelt. Der Konzern hat am Montag in Peking ein Rahmenabkommen über Investitionen von einer Milliarde Euro unterzeichnet.

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          Nach jahrelangen Versuchen und einigen Fehlgriffen ist der Daimler-Chrysler AG nun der Markteintritt in China in großem Stil gelungen. Der Konzern handelte eine umfassende Rahmenvereinbarung mit der chinesischen Beijing Automotive Industry Holding Company (Baic) aus. Dem Vernehmen nach soll erstmals auch Daimler-Chrysler-Partner Mitsubishi in einige der geplanten Gemeinschaftsunternehmen eingebunden werden.

          Mitsubishi ist in China mit mehreren Unternehmen vertreten, verkauft dort jährlich etwa 90 000 Automobile und verfügt über Verbindungen, die nun genutzt werden. Der Daimler-Chrysler-Vorstandsvorsitzende Jürgen Schrempp kündigte an, die Partner würden rund 1 Milliarde Euro im Reich der Mitte investieren. Im Mai hatte Asien-Vorstand Eckhart Cordes dieser Zeitung gegenüber erklärt, der Konzern wolle bei seinen chinesischen Unternehmungen "auf jeden Fall mit 50 Prozent die erlaubte Beteiligungsgrenze für ausländische Konzerne voll ausschöpfen" (F.A.Z. vom 5. Mai).

          Vertragsunterzeichnung am Montag

          In Konzernkreisen hieß es, der Vertrag habe am Freitag unterschrieben werden sollen, es sei aber zu Verzögerungen gekommen. Nun soll er am heutigen Montag in Peking unterzeichnet werden. Neben der Fertigung der C- und E-Klasse von Mercedes-Benz wird Daimler-Chrysler künftig erstmals auch schwere und mittelschwere Nutzfahrzeuge in China bauen. Dieses Geschäft dürfte angesichts des Baubooms dort für das Unternehmen besonders attraktiv sein.

          Baic ist für Daimler-Chrysler keine Unbekannte. Sie ist die Muttergesellschaft des 1984 gegründeten Chrysler-Werkes Beijing Jeep Corp. (BJC), an der Daimler-Chrysler seit der Übernahme von Chrysler 42,4 Prozent hält. Nun könnte auch Mitsubishi einen Anteil übernehmen, heißt es. Zudem führt Baic unter anderem ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem koreanischen Daimler-Partner Hyundai, das bis 2008 rund 550 000 Einheiten produzieren soll. In der chinesischen Staatspresse heißt es, Baic plane einen Börsengang.

          Die Produktion von BJC hatte Daimler-Chrysler in den vergangenen Jahren vernachlässigt. Das Werk besitzt eine Kapazität von 85.000 Einheiten, verkauft wurden 2002 aber nur etwa 10.000 Einheiten. Für den Markteintritt forderte Peking von Daimler-Chrysler eine Restrukturierung von BJC. Deshalb fertigt BJC seit März neben dem Chrysler-Jeep auch den Mitsubishi-Geländewagen Pajero. Eine schon bestehende Lackieranlage dürfte nun aus Kostengründen auch für Mercedes genutzt werden. In Peking heißt es, Baic sei nicht der Wunschpartner der Stuttgarter gewesen. So hatte Daimler-Chrysler etwa im Bereich Nutzfahrzeuge lange mit dem Volkswagen-Partner First Automotive Works (FAW) verhandelt, die Gespräche aber letztlich abgebrochen, weil FAW die Antriebe - das Herzstück der Lastwagen - von Mercedes-Benz wollte. Damit aber wäre die Marke beschädigt worden.

          Nach unbestätigten Verlautbarungen aus Konzernkreisen sollen die Nutzfahrzeuge gemeinsam mit dem Baic-Tochterunternehmen Futian gebaut werden (F.A.Z. vom 5. Mai). Dies gilt in China zwar, gemessen am Umsatz von rund einer Milliarde Euro, als klein, biete aber annehmbare Qualität. Offen ist bislang, wann und wie die beiden anderen asiatischen Nutzfahrzeugpartner der Stuttgarter, Mitsubishi Fuso (Daimler-Anteil 43 Prozent) und Hyundai (50 Prozent) in ein Gesamtkonzept eingebunden werden können.

          Ebenfalls noch unbestätigt sind Verlautbarungen, daß der Partner für Transporter die chinesische Southeast (Fujian) Motor Corp. werde, ein Gemeinschaftsunternehmen der Provinz Fujian und der taiwanischen China Motor Corp., an der Mitsubishi 20 Prozent hält. Daimler-Chrysler und Mitsubishi hätten über eine direkte Kapitalbeteiligung mit den Chinesen verhandelt, heißt es.

          Daimler-Chrysler in China auf den Spuren von BMW

          Bislang hat Daimler-Chrysler rund 8000 Personenwagen jährlich nach China importiert. Zum Vergleich: Konkurrent Audi, der vor Ort fertigt, hat in der ersten Jahreshälfte 29.217 Einheiten abgesetzt und hält bei Premiumfahrzeugen einen Marktanteil von 44 Prozent. Schrempp erklärte, Daimler-Chrysler plane die Fertigung von 25.000 Einheiten. Die Fahrzeuge sollen als Bausätze geliefert werden. Genau dies machen die Stuttgarter erfolgreich etwa in Thailand, wo sich Delegationen der Chinesen auch schon das Werk angeschaut haben. Die geplante Größenordnung entspricht derjenigen der BMW AG: Die Münchner sind mit ihrem Partner Brilliance China Automotive Holdings Ltd. in Shenyang im Probelauf der Produktion von später 30 000 BMW der 3er- und 5er-Klasse.

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