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Automobile : Automobilindustrie erwartet schwaches Jahr

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Die deutsche Automobilindustrie bewegt sich auf eine schwierige Holperstrecke zu. Vor allem im Inland könnte 2003 zum vierten schwachen Jahr in Folge werden.

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          Die deutsche Automobilindustrie bewegt sich auf eine schwierige Holperstrecke zu. Vor allem im Inland könnte 2003 zum vierten schwachen Jahr in Folge werden. Neben der allgemeinen Stimmungsflaute sieht der Verband der Automobilindustrie (VDA) in der Ausweitung der Dienstwagensteuer eine zusätzliche Belastung für den Inlandsabsatz. Damit ist Deutschlands wichtigster Industriezweig auch im kommenden Jahr wieder extrem von der Entwicklung des Exports abhängig.

          Der VDA erwartet für den deutschen Pkw-Markt 2003 nur noch einen bescheidenen Zuwachs von zwei Prozent. Zwar hatte der Branchenverband bislang noch keine offizielle Prognose veröffentlicht. Im September liebäugelte VDA-Präsident Bernd Gottschalk aber noch mit einem Plus von 3 bis 4 Prozent. An der leicht aufgebesserten Schätzung für 2002 von 3,23 (statt: 3,20) Millionen Neuzulassungen will der Verband allerdings keine Abstriche machen. Aber auch dies würde schon einen Absatzrückgang von drei Prozent auf dem heimischen Markt bedeuten.

          Unzufriedenheit mit höherer Vertsteuerung

          „Die neue Steuer ist Gift für die Branchenkonjunktur“, war deshalb eine häufige Aussage auf der Mitgliederversammlung des VDA in Weimar. Bislang muss für die private Nutzung eines Dienstwagens 1,0 Prozent des Kaufpreises versteuert werden. Nach der Koalitionsvereinbarung soll der geldwerte Vorteil künftig mit einem Satz von 1,5 Prozent versteuert werden. Bei einem Fahrzeug im Wert von 30.000 Euro müssen dann die Arbeitnehmer 450 statt zuvor 300 Euro im Monat zusätzlich zum Gehalt versteuern.

          Steuer trifft vor allem deutsche Hersteller und Zulieferer

          Da neun von zehn Dienstwagen hier zu Lande auf deutsche Fabrikate entfallen, fürchten die inländischen Hersteller überproportionale Einbußen. Dies muss sich nicht in absoluten Stückzahlen ausdrücken, sondern kann auch durch die Entscheidung für kleinere Modelle eintreten. Besonders treffen könnte die Steuererhöhung auch die Zulieferer. Um die steuerliche Bemessungsgrundlage zu drücken, könnten die Käufer künftig an der Ausstattung sparen.

          „Von der Verschärfung der Steuer werden auch die Beschäftigten der Autohersteller getroffen“, mahnt der VDA. Es gehe also nicht nur um so genannte Unternehmerautos. Dies sei in der aktuell schwierigen Lage besonders misslich, weil der Verkauf an Werksangehörige ein stabilisierender Faktor sei.

          Konsumklima als größtes Problem

          Größtes Problem der Branche ist aber unverändert das kaum noch zu kalkulierende Konsumklima. Bereits im September hatte die inländische Kundschaft drei Prozent weniger bestellt als vor Jahresfrist. „Die Verunsicherung scheint auf Grund mangelnden Wirtschaftswachstums und Hiobsbotschaften vom Arbeitsmarkt derart gedrückt, dass die Neigung für Konsumausgaben auf historisch niedrigem Niveau ist“, schreibt die WestLB in einer Studie zum Autosektor. Damit hängt 2003 wieder alles vom Export ab, der aber auch vom Konjunkturtrend und den Stimmungen in den Zielländern geprägt wird.

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