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Automesse : Erfindergeist soll auf der IAA fehlende Aussteller ersetzen

Vor der Enthüllung: Auf dem Frankfurter Messegelände treffen Mitarbeiter die letzten Vorbereitungen zur Automesse. Bild: Reuters

In Frankfurt beginnt heute die IAA. Die Branche will den Fokus auf die Automatisierung lenken. Dabei bergen autonome Autos Herausforderungen. Welche Pläne haben die Automobilkonzerne?

          Die diesjährige Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt wird sich von ihren Vorläuferinnen unterscheiden. Das verdeutlichten Zahlen, die der Präsident des ausrichtenden Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, am Montag verkündete. Wenn von diesem Dienstag an erst Pressevertreter und Fachbesucher und von Samstag an auch Privatpersonen zur IAA kommen, werden sie weniger Vielfalt zu sehen bekommen. Die Ausstellerzahl ist im Vergleich zur IAA vor zwei Jahren um rund 10 Prozent auf 994 Aussteller zurückgegangen. Zugleich soll es mehr von dem zu sehen geben, womit sich die Branche gerne schmückt: Erfindergeist und Forscherdrang. Die Premiere von genau 363 Innovationen haben Hersteller und Zulieferer laut Wissmann angekündigt – fast 17 Prozent mehr als im Vorjahr. „Aus Fehlern lernen, heißt für uns: Zukunftsthemen vorantreiben“, sagte Wissmann in Frankfurt mit Blick auf die Debatten um den Dieselantrieb.

          Die drohenden Fahrverbote für ältere Dieselautos wegen zu hoher Stickoxidwerte in den Städten spielten freilich auch am Montag eine Rolle. Die deutschen Hersteller arbeiteten mit Hochdruck daran, die Zusagen einzuhalten, die sie auf dem Dieselgipfel Anfang August gemacht habe, sagte Wissmann. Er glaube daran, dass der Diesel auch in Zukunft weiter eine „erhebliche Rolle“ im europäischen Markt spielen werde, „wenn wir die Baustelle Stickoxide gelöst haben“. Die Branche plädiere für viele Antriebsmöglichkeiten – vom Benziner über den Diesel bis hin zur Elektromobilität.

          „Der Druck auf das Fahrzeuggeschäft wird wachsen“

          Abseits vom Antriebswandel hob der VDA-Präsident das Thema automatisiertes Fahren und Digitalisierung hervor. „Die IAA ist heute eine andere Messe als vor 20 Jahren.“ Anders als andere Automessen wolle die IAA Innovationen aus der Autobranche und Entwicklungen aus der Informationstechnik zusammenbringen, sagte Wissmann und verwies auf die Nebenveranstaltung „New Mobility World“, die sich nach der Premiere während der vorangegangenen IAA in diesem Jahr wieder neuen Formen der Mobilität widmet, die durch Carsharing, Mitfahrdienste oder automatisiertes Fahren entstehen. Auf einer Freifläche können IAA- Besucher unter anderem automatisiert fahrende Autos erleben. Mehr als anderswo könne auf der IAA die Integration verschiedener Verkehrsträger in der Stadt beobachtet werden, sagte Wissmann. „In unserem Zukunftsbild steht das Auto nicht gegen andere Verkehrsträger, sondern ist Teil der Lösung.“

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          Dabei stellt gerade die angepeilte Automatisierung von Autos die Branche vor Herausforderungen, wie eine Analyse von Strategy& aufzeigt, der Strategieberatung der Beratungsgesellschaft PWC. Laut dem „Digital Auto Report“ soll sich die Wertschöpfung von traditionellen Herstellern und Zulieferern innerhalb der nächsten zwölf Jahre auf Anbieter verlagern, die neue Mobilitätsdienste auf Basis von autonom fahrenden Autos anbieten. Heute stehen Autohersteller, Zulieferer und Händler den Ergebnissen zufolge für 85 Prozent der Wertschöpfung, im Jahre 2030 könnten es dann weniger als 50 Prozent sein.

          Gleichzeitig würde der Wertschöpfungsanteil von Mobilitätsdienstleistern auf rund 20 Prozent ansteigen, weil ein immer größerer Teil der Mobilität auf sogenannte Robotertaxis entfällt: auf Fahrzeuge also, die sich mehrere Menschen teilen und die dann automatisiert unterwegs sind. 80 Millionen Robotertaxis sollen im Jahre 2030 in Europa, den Vereinigten Staaten und China unterwegs sein. „Der Druck auf das Fahrzeuggeschäft wird wachsen“, sagt Alex Koster, Geschäftsführer von Strategy& in der Schweiz. „Fahrzeugmarken werden nicht per se verschwinden, aber es wird eine weitere Konsolidierung auf Konzernebene geben.“

          Das Geschäftsmodell Robotaxi

          Dabei verspricht das neue Geschäftsmodell „Robotertaxi“ den Beratern zufolge hohe Marktwachstumsraten. Bis zum Jahre 2030 soll der Markt für geteilte und später dann auch automatisierte Mobilität in den Vereinigten Staaten um jährlich 19 Prozent wachsen – von heute 47 Millionen Dollar auf dann 458 Millionen Dollar. In Europa vollzieht sich der Anstieg noch schneller. Für den Kontinent gehen die Berater von einer jährlichen Wachstumsrate um 25 Prozent aus. Heute steht der Markt für Mobilitätsdienstleistungen in Europa für 25 Millionen Dollar. Im Jahr 2030 sollen es dann 467 Millionen Dollar sein. Das größte Wachstumspotential ist in China vorhanden – um 32 Prozent jährlich von 15 auf dann 564 Millionen Dollar.

          Geht es nach den Beratern, wird es für das Geschäftsmodell Robotaxi allerdings auch viele mögliche Anbieter geben, weil die Anforderungen für den Betrieb von neuen Mobilitätsangeboten so komplex sind – sei es wegen der bestehenden Infrastruktur, des schon vorhandenen Personennahverkehrs oder der Regulierung. „Auch die Bedürfnisse der Nutzer sind sehr unterschiedlich. Es wird nicht die eine Mobilitätsanwendung geben, die alle Nutzungsszenarien abdeckt“, sagt Alex Koster. Richard Viereckl, Geschäftsführer von Strategy& in Deutschland sieht daher auch weiter Chancen für Autohersteller. „Es wird unterschiedliche Anbieter geben. Solche, die Robotaxi-Flotten produzieren und unterhalten“, sagt Viereckl. „Diese Fahrzeuge werden sich von der Ausstattung her wenig differenzieren. Gleichzeitig wird aber das Premiumsegment sein Fahrzeugangebot sehr stark individualisieren, um in dieser Nische Erfolg zu haben.“

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