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Automesse : Deutsche Selbstzünder in Detroit

Dieter Zetsche mit Schauspielerin Kim Cattrall bei der Automesse in Detroit Bild: dpa

Amerikas Autokäufer wollen Benzin sparen. Mercedes, BMW und Volkswagen reden gemeinsam den Diesel stark und werben mit geringen Abgaswerten. Doch sie ziehen nicht an einem Strang.

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          Der rote Teppich ist ausgerollt, Butler mit schwarzen Hüten und weißen Handschuhen öffnen Prominenten die Türen: Kim Cattrall, das Biest aus „Sex and the City“, ist da, und auch Max Raabe mit seinem zwölfköpfigen „Palast Orchester“ hat Mercedes extra aus Deutschland einfliegen lassen. Ein Hauch von Hollywood und großem Showgeschäft weht im Museum für Zeitgenössische Kunst in Detroit. Früher war das Gebäude einmal ein Dodge-Autohaus. Jetzt dient es Mercedes, um einer Uralt-Technologie einen neuen Anstrich zu geben: Die Schwaben wollen Amerikas Autokäufer vom Diesel begeistern, von jenem Selbstzünder, den sie neuerdings „Bluetec“ nennen. Deshalb fährt die blonde Kim Cattrall in einem weiß lackierten Mercedes GLK vor, der von einem Vierzylinderdieselmotor angetrieben wird.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Begleitet wird die Daimler-Diesel-Offensive von den Erzrivalen BMW, Volkswagen und Audi: Während BMW wie üblich lieber das Produkt für sich sprechen lässt, schickt Audi Bryan Adams auf die Bühne. Und der Schmuse-Rocker erhält für sein Zwei-Minuten-Playback mehr Applaus als das eigentliche Prunkstück, Audis Supersportwagen R8 mit einem 12-Zylinder-Dieselmotor. Audi-Chef Rupert Stadler hält den Rummel um den Diesel für „absolut“ notwendig: „Der Amerikaner glaubt immer noch, Diesel sei dreckig und stinke“, sagt er. Jetzt sollen R8 und Bryan Adams diese Vorurteile widerlegen. Tatsächlich ist an vielen amerikanischen Tankstellen schon seit mehr als einem Jahr ein verbesserter Dieselkraftstoff mit einem reduzierten Schwefelanteil für Personenwagen verfügbar. Allerdings hat sich das außerhalb des Detroiter Messegeländes noch nicht allzu weit herumgesprochen.

          Schon heute mehr Diesel als japanische Hybridautos

          Mit Ausnahme von Porsche werden alle deutschen Hersteller in diesem Jahr zahlreiche Modelle mit Dieselantrieb auf den Markt bringen, die die scharfen Abgasgrenzwerte erfüllen. „Es ist durchaus angebracht, wenn man das Jahr 2008 als das Jahr des Clean-Diesel-Durchbruchs in den Vereinigten Staaten bezeichnet“, sagt Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der Autoindustrie (VDA). Bislang liegt der Diesel-Anteil jenseits des Atlantiks noch bei mageren 3 Prozent. Doch Fachleute sagen dem Selbstzünder eine steile Karriere voraus: Das Analysehaus J.D. Power traut ihm rund 15 Prozent des Marktes bis zum Jahr 2015 zu. Und der VDA legt Wert auf die Feststellung, dass in Amerika schon heute mehr Dieselautos zugelassen werden als japanische Hybridautos. Doch der Hybrid klingt hip und modern und ist auf der Messe auch ohne Stars wie Bryan Adams oder Kim Cattrall in aller Munde. Mit abgasarmer Dieseltechnik und viel Show drumherum wollen die Deutschen gegenüber den populären Japanern Boden gutmachen.

          So zuversichtlich, wie die deutschen Hersteller ihre Technologieoffensive einschätzen, so skeptisch muss man die Marketingbemühungen sehen. Auf der Messe zollen gerade Manager amerikanischer Hersteller den deutschen Kollegen ihren Respekt für die verbrauchsarmen Fahrzeuge. Kopfschütteln herrscht aber darüber, dass sich offenbar kein gemeinsamer Name für die neue Dieselgeneration finden ließ. Was bei Mercedes „Bluetec“ und bei Audi „Clean Diesel“ heißt, trägt bei BMW den Namen „Blue Performance“.

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