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Automanager Tavares: : „Tesla ist ein großer Antrieb für uns“

Carlos Tavares Bild: Reuters

Carlos Tavares führt den aus PSA und Fiat-Chrysler fusionierten Autokonzern Stellantis. Alle Marken und Werke bekommen ihre Chance, sagt er. Sie müssten aber effizienter werden.

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          Herr Tavares, als Ihr Unternehmen PSA Peugeot Citroën vor vier Jahren Opel gekauft hat, erzählten Sie, dass Ihr Vater früher einen Opel Manta gefahren hat. Jetzt, wo Sie PSA gerade mit Fiat-Chrysler zum Autokonzern Stellantis verschmolzen haben: War Ihr Vater zufällig auch Fahrer einer Fiat-Marke?

          Martin Gropp
          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Das zwar nicht, aber Sie werden lachen, mein allererstes eigenes Auto war ein Alfa Romeo Sprint, 1,5 Liter, dunkelblau. Ich kaufte ihn während des Abschlusses an der Ingenieurschule in Frankreich. Auch eines meiner privaten Rennautos wird von einem Alfa-Motor angetrieben. Die italienischen Marken haben eine reiche Historie, was Tempo, Eleganz oder Produktkonzept betrifft, dazu kommt die mediterrane Leidenschaft. Diese Geschichte werden wir nutzen, um an einer erfolgreichen Zukunft zu bauen. Man kann nicht anders, als diese Autos zu lieben.

          Emotionen sind in der Autobranche wichtig, noch mehr zählt aber Größe. Ist das das Hauptargument für die Fusion zu Stellantis?

          Größe ist erst einmal nützlich, sollte aber kein Ziel an sich sein. Wir müssen den Kunden zufriedenstellen. In einer Zeit, in der sich durch Umweltregulierung die Vorgaben für die Autobranche immer schneller ändern, kann Größe jedoch entscheidend sein, um in neue Technologien investieren und diese Kosten auf eine größere Menge verteilen zu können. Die von uns vorangetriebene Elektrifizierung kostet zum Beispiel eine Menge Geld, und die Politik gibt Zeitrahmen und Bedingungen vor, manchmal ungeachtet aller physikalischen Grenzen. In solch einem Szenario ist Größe enorm wichtig. Damit schützen wir auch die Bezahlbarkeit von emissionsfreien Autos, was wiederum dem Klima hilft. Wenn sich nur eine Minderheit Elektromobilität leisten kann, kommen wir auch nicht weiter.

          Auf der anderen Seite ist der amerikanische Elektroautohersteller Tesla noch nicht besonders groß, was das Produktionsvolumen angeht. Was können Sie von Tesla lernen?

          Eine ganze Menge. Wir nehmen Tesla sehr ernst, und man muss dem Unternehmen auch Tribut zollen für das, was es in Sachen Innovation erreicht hat. Tesla ist ein großer Antrieb für uns. Aber wir wollen auch beweisen, dass wir nicht nur ein herkömmlicher, alteingesessener Autohersteller sind. Stellantis hat nicht die Absicht, sich zu verteidigen, wir werden in die Offensive gehen. Das ist auch für die Gesellschaft wichtig: Die Autobranche in Europa hat in den vergangenen Jahrzehnten einen beträchtlichen Teil des Wohlstandes erwirtschaftet, von dem die gesamte Gesellschaft heute massiv profitiert.

          Umfasst Ihre Offensivstrategie für Stellantis alle Werke und alle Marken, oder müssen Sie auch restrukturieren?

          Alle Marken und alle Werke werden eine Chance bekommen, und zwar aus einem einfachen Grund: Ich glaube an Menschen. Wenn man ihnen eine faire Chance gibt, sich zu entwickeln und zu verbessern, werden sie es versuchen. Das bedeutet freilich nicht, dass wir nicht Dinge verändern müssen, wir müssen cleverer und effizienter werden.

          Eine Chance zu haben klingt aber erst mal nicht nach großer Sicherheit für Arbeitsplätze, sondern vor allem nach Druck.

          Nun, die Autoindustrie steht insgesamt unter enormem Druck aus verschiedenen Richtungen. Da sind Wettbewerb, Regulierung, Handelsbarrieren, um nur ein paar zu nennen. Und wenn man auf ein Objekt ständig Druck ausübt, wird irgendwann irgendwo etwas brechen. Jeder in dieser Branche hat Druck, und dieser Druck wächst weiter an. Meine Aufgabe ist es, alles zu tun, dass meinem Unternehmen nichts passiert, dass es nicht zerbricht. Das Ziel ist, ein nachhaltiges und krisenfestes Unternehmen aufzubauen. Dafür muss ich aber auch selbst Druck ausüben. Das Beste, was ich für alle Tochtergesellschaften und ihre Mitarbeiter machen kann, ist, sie mit gewiss starkem, aber angemessenem Druck dazu zu bringen, wettbewerbsfähiger zu werden. Das schützt auch Arbeitsplätze.

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