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„Beitrag für Klimaschutz“ : Chefin der Autolobby fordert Kaufprämie auch für Diesel und Benziner

  • Aktualisiert am

Im Hafen von Emden verschifft VW in normalen Zeiten zigtausende Autos wie auf unserem Bild aus dem März 2018 zu sehen. Bild: dpa

Die deutschen Autohersteller dringen auf eine neue Kaufprämie – für alle Fahrzeugtypen. Unterstützung erhalten sie von prominenten Ministerpräsidenten.

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          Die deutsche Automobilindustrie fordert eine Kaufprämie nicht nur für Elektroautos und Hybridautos, sondern auch für Diesel- und Benzinfahrzeuge. Moderne Verbrennungsmotoren lieferten ebenfalls einen „erheblichen Beitrag für Umwelt- und Klimaschutz“, sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller im Deutschlandfunk.

          Die Autoindustrie sei den Klimazielen verpflichtet und investiere Milliarden in Elektromobilität. Viele Verbraucher könnten sich aber kein Elektroauto kaufen, weil etwa die Infrastruktur dafür fehle. Deshalb müssten „moderne Verbrenner weiter unterstützt und gefördert werden“, sagte die VDA-Präsidentin.

          Müller verwies darauf, dass es derzeit zwar „ein hohes Besichtigungsinteresse“ gebe, aber „kein großes Käufervertrauen“. Die Verbraucher seien verunsichert, was ihre eigene Zukunft angehe. Es sei „wichtig, dass es wieder Käufervertrauen gibt“. Daher brauche die Industrie eine „Neustartprämie“.

          Daimler-Chef: Das muss schnell gehen

          Der Daimler-Vorstandsvorsitzende Ola Källenius warnt davor, zu lange mit einer Entscheidung über Kaufprämien für Neuwagen zu warten. Man müsse „Zuversicht im Markt  schaffen“ und die Wirtschaft ankurbeln. In einer Telefonkonferenz mit Journalisten sagte er: „Es muss schnell gehen, damit die Kunden nicht warten, und es muss einfach sein.“

          Die Prämie solle möglichst pauschal für alle Produkte bezahlt werden. Er widersprach damit beispielsweise dem Vorschlag der baden-württembergischen Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU), die eine Innovationsprämie vorgeschlagen hatte – um vor allem technisch innovative und klimafreundliche Antriebe stärker zu fördern.

          Källenius wies darauf hin, dass es zur Förderung der Elektromobilität den Umweltbonus ja schon gebe. Ob beide Prämien addiert werden könnten oder wie das dann gestaltet werde, sei Sache der Politik. Der Bosch-Vorstandsvorsitzende Volkmar Denner plädiert ebenfalls für eine Abwrackprämie. „Die hohe Bedeutung der Autoindustrie für den Wohlstand des Landes macht Anreize wahrscheinlich notwendig, um uns aus der Krise zu führen“, sagte Denner während der Jahres-Pressekonferenz des größten Autozulieferers der Welt. Bosch erwartet, dass die globale Fahrzeug-Produktion durch die Corona-Pandemie um ein Fünftel zurückgeht.  

          Zugleich weist wiederum VDA-Chefin Müller Forderungen zurück, dass Unternehmen der Branche in der Krise keine Dividenden zahlen sollen. Dies wäre „sicher nicht der richtige Schritt“. Für die Unternehmen sei auch wichtig, die Aktionäre an Bord zu halten, etwa um sich vor Übernahmen aus dem Ausland zu schützen. Über mögliche Ausschüttungen müsse jedoch verantwortungsbewusst entschieden werden.

          Für diesen Mittwoch ist eine Konferenz der Regierungschefs der Autoländer Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen geplant. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) fordert eine massive Unterstützung der Autobranche in der Coronakrise. „Ich bin für eine sehr umfassende Strategie, wie wir der Automobilität helfen“, sagte er. Die drei Länder, die sich bereits für Kaufprämien eingesetzt haben, verträten ähnliche Ansichten. Söder forderte, entsprechende Hilfen in ein Konjunkturprogramm einzubetten und dabei den Klimaschutz zu berücksichtigen.

          IG-Metall-Chef Jörg Hofmann sagte: „Wir werden, so fürchte ich, in die Situation kommen, dass solche Kaufhilfen unvermeidbar sind.“ Die Zeit solle genutzt werden, darüber nachzudenken, wie solche Kaufhilfen aussehen könnten, auch im Kontext des ökologischen Wandels und der Dekarbonisierung, sagte der Gewerkschaftschef der „Stuttgarter Zeitung“.

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