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Autokrise : Milliarden-Staatskredite für französische Autobauer

PSA Peugeot Citroen in der Absatzkrise Bild: AFP

Hilfen für die notleidende Autoindustrie: Der französische Staat lässt seinen beiden Herstellern PSA Peugeot Citroën und Renault jeweils gut drei Milliarden Euro an zinsgünstigen Krediten zukommen. Das teilte Präsident Sarkozy am Montag in Paris mit.

          Der französische Staat lässt seinen beiden Herstellern PSA Peugeot Citroën und Renault jeweils gut drei Milliarden Euro an zinsgünstigen Krediten zukommen. Das teilte Präsident Nicolas Sarkozy am Montag in Paris mit. Nach mehrwöchigen Überlegungen und Verhandlungen hat sich Frankreich gegen Kapitalbeteiligungen an den Herstellern entschieden. Die Kredite sollen eine Laufzeit von fünf Jahren haben, mit 6 bis 7 Prozent verzinst sein, und sie sind an verschiedene Bedingungen geknüpft, darunter den Verzicht auf Arbeitsplatzabbau und Standortverlagerungen ins Ausland sowie die Einschränkung von Boni und Dividenden.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          PSA und Renault haben diese Voraussetzungen für den Subventionserhalt ausdrücklich akzeptiert. PSA-Chef Christian Streiff hatte aufgrund der schon vor der Krise herrschenden Überkapazitäten in der Branche eine Zeit lang auf mehr Flexibilität in der Standortpolitik gedrängt, musste sich dann aber fügen. Die Autohersteller klagen über den Verlust von Liquidität, weil sie zunehmend auf Halde produzieren. Die Banken würden ihnen nur zu „prohibitiv hohen Zinsen“ von bis zu 12 Prozent Kredite gewähren, heißt es. Nach französischen Medienmeldungen hat Renault seinen Finanzbedarf auf 9 Milliarden Euro und PSA auf 6 Milliarden Euro im Jahr beziffert. Vor allem Renault, an dem der französische Staat 15 Prozent der Aktien hält, steht aufgrund wachsender Verschuldung unter Druck.

          Die neuen Hilfen schließen sich an die kürzlich schon gewährte staatliche Unterstützung der Autobanken in Höhe von 1 Milliarde Euro an. Diese sah die Regierung als unumgänglich an, weil drei von vier Autokäufen in Frankreich per Kredit finanziert werden. Zudem gewährt der Staat im Zuge seines Konjunkturpaketes eine Verschrottungsprämie von 1500 Euro, wenn ein mindestens zehn Jahre altes Auto aufgegeben wird. Ein System von Strafzahlungen und Subventionen, das sich am Kohlendioxidausstoß orientiert, hat zusätzlich die Autonachfrage in Frankreich im vergangenen Jahr quasi stabilisiert, während sie auf anderen Märkten sank. Im Januar allerdings profitierten die französischen Hersteller deutlich weniger von der Verschrottungsprämie als im Dezember.

          Nicht nur eine Überbrückungshilfe

          Sarkozy hat in den vergangenen Tagen mehrfach klar gemacht, dass die Subventionen nicht nur eine Überbrückungshilfe sein sollen. Stattdessen verfolge die Regierung das Ziel, dass die französische Autoindustrie „stärker aus der Krise hervorgeht, als sie in diese eintrat“, wie er beim Besuch einer PSA-Fabrik vor drei Wochen sagte.

          Die Regierung verfolgt mit Unbehagen, dass Frankreich im vergangenen Jahr erstmals mehr Autos importierte als exportierte. Zwischen 2004 und 2007 sank die Zahl der in Frankreich hergestellten Autos von 3,2 auf 2,5 Millionen Autos. Die französischen Hersteller haben vor allem in Osteuropa etliche neue Fabriken eröffnet. PSA etwa produziert in der Tschechischen Republik die Kleinwagen Peugeot 107 und Citroën C1 und importiert sie nach Frankreich. Sarkozy hatte dies in seinem Fernsehinterview vom vergangenen Donnerstag kritisiert und zog sich damit seinerseits eine Rüge der tschechischen Regierung zu. Dass Renault in Indien Autos für den indischen Markt herstelle, hält der Präsident dagegen für gerechtfertigt. Die EU-Kommission will nach eigenen Angaben prüfen, ob die Hilfen wettbewerbskonform sind.

          Nach den Vorstellungen des Präsidenten sollen die beiden Autokonstrukteure auch den französischen Zulieferern stärker unter die Arme greifen, anstatt sie unter immer mehr Kostendruck zu setzen und ihnen in der Entwicklung mehr Risiken aufzubürden. Der französische Staat legt dafür zusammen mit PSA und Renault einen Fonds für die Restrukturierung von Zulieferern auf, den jeder der Teilhaber mit jeweils 100 Millionen Euro bezuschusst. Das Ziel soll der Aufbau größerer Zuliefererunternehmen nach deutschem Vorbild sein. Insgesamt müsse die französische Autoindustrie unterstützt werden, weil sie mit einer Beschäftigung von rund 10 Prozent der aktiven Bevölkerung der wichtigste Industriezweig Frankreichs sei.

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