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Elektromobilität : Täglich grüßt die Autoindustrie

Ausbau der E-Mobilität (Symbolbild) Bild: dpa

Die Autoindustrie verabschiedet sich so aus dem alten Jahr wie man sie kennt: mit hohen Gewinnen und der Forderung nach Unterstützung durch den Steuerzahler.

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          Die deutsche Autoindustrie verabschiedet sich so aus dem alten Jahr, wie man sie kennt: mit Milliardengewinnen und der Forderung nach finanzieller Unterstützung durch den Steuerzahler. Der Anlass ist dieses Mal, dass der Ausbau der Elektroladeinfrastruktur in Deutschland nicht schnell genug vorankomme. Statt der notwendigen 2000 neuen öffentlichen Ladepunkte, die jede Woche installiert werden müssten, schaffe man gerade einmal 300. Das Tempo, so die Sprecherin der geschwindigkeitsliebenden Branche, müsse also versiebenfacht werden, wenn der Hochlauf der E-Mobilität nicht ausgebremst werden soll.

          Die Analyse der Cheflobbyistin mag richtig sein. Kein Mensch kauft sich eine Elektroauto, wenn er fürchten muss, auf der Landstraße irgendwo im Nirgendwo liegen zu bleiben. Die Ampelkoalition hat zudem das Ziel ausgegeben, bis zum Jahr 2030 hierzulande mindestens 15 Millionen vollelektrische Autos auf die Straße zu bekommen und dem Verbrenner damit de facto ein Ende zu machen. Aber ist sie deshalb in der Pflicht, das Ladenetz aufzuziehen?

          Zur Erinnerung: Die deutsche Autoindustrie verkauft in diesem Jahr zwar weniger Autos als 2020, die Gewinne aber schießen auch dank der teuren und staatlich subventionierten Elektroautos in die Höhe. Allein BMW erwirtschaftete im dritten Quartal 2,6 Milliarden Euro Gewinn, die operative Umsatzrendite des Konzerns betrug im ersten Halbjahr stolze 14,5 Prozent. Es ist also nicht nur ordnungspolitisch geboten, sondern finanziell auch mehr als zumutbar, von der Branche zu verlangen, die öffentliche Ladeinfrastruktur maßgeblich selbst aufzuziehen. Doch davon ist auf deutschen Straßen bislang wenig zu sehen. Lediglich die Ladesäulen des amerikanischen Konkurrenten Tesla stechen an den Autobahnen ins Auge – was in den vergangenen Jahren manchem E-Auto-Käufer die Kaufentscheidung erleichtert haben dürfte.

          Berechtigter scheint dagegen die Forderung der Autolobby, dass die Politik die gerade ausgeschöpfte KfW-Förderung für die privaten Ladepunkte wiederbelebt. Im Gegenzug kann sie dann gerne die Kaufprämien für E-Autos reduzieren.

          Johannes Pennekamp
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

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