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Autohersteller in der Krise : Renault schrumpft sich klein

Arbeiter und Gewerkschaftler vor dem Werk in Choisy-le-Roi Bild: Reuters

Erstmals streicht Renault mehr Stellen in Frankreich als im Ausland. Die Allianzpartner sollen helfen, nicht zuletzt Daimler.

          4 Min.

          Die Jagd nach Größe war gestern, jetzt stehen die Zeichen auf Effizienz, Abwendung von Verlusten und die Erwirtschaftung liquider Mittel. Diese industrielle Trendwende ist nirgendwo besser sichtbar als in der französischen Automobilindustrie. Vor nicht langer Zeit konnte das langjährige Aushängeschild Renault zusammen mit seinen Allianzpartnern Nissan und Mitsubishi gar nicht laut genug schreien, dass sie gemeinsam der größte Autohersteller der Welt seien. Jetzt ist Abspecken angesagt.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Renault wird weltweit innerhalb von drei Jahren rund 15.000 Stellen streichen. Die Produktionskapazität soll bis 2026 von 4 Millionen Wagen im Jahr auf 3,3 Millionen sinken. „Die Gruppe hat eine Dimension mit den entsprechenden strukturellen Kosten erreicht, für die sich das entsprechende Wachstum nie eingestellt hat“, räumte die Interims-Vorstandsvorsitzende Clotilde Delbos, die im Juli von dem von Volkswagen kommenden Spanier Luca de Meo abgelöst wird, auf einer Pressekonferenz am Freitagvormittag ein. Die Ära des ehemaligen Chefs Carlos Ghosn, der Delbos einst einstellte und beförderte, ist damit endgültig beendet.

          Werk in Choisy-le-Roi soll schließen

          Personalabbau war bei Renault schon früher ein Mittel der Kostensenkung, doch meist im Ausland statt in der Heimat. Nun setzt der Autohersteller, der nach Angaben des französischen Wirtschaftsministers Bruno Le Marie „um sein Überleben kämpft“, das Messer in Frankreich sogar härter an als außerhalb der Landesgrenzen.

          Von den 15.000 zu kürzenden Stellen entfallen 4600 auf Frankreich. Der Abbau entspricht 9,6 Prozent der Beschäftigten in Frankreich sowie 7,9 Prozent der Belegschaft außerhalb des Heimatlandes. Die französischen Gewerkschaften haben mit den ersten Protesten begonnen. Dem Konzern, dessen wichtigster Aktionär der französische Staat mit 28 Prozent der Stimmrechte ist, stehen heikle Verhandlungen bevor, auch wenn von einer Werksschließung nach aktuellem Stand nur das kleine Werk in Choisy-le-Roi südlich von Paris betroffen sein soll.

          Keine Entlassungen

          Ende des vergangenen Jahres beschäftigte es 263 Personen. Zuvor war über die Schließung zwei weiterer Standorte in Frankreich spekuliert worden. Der Abbau werde sozialverträglich ohne Entlassungen erfolgen, betonte der Verwaltungsrats-Vorsitzende Jean-Dominique Senard. Neben den Gewerkschaften sollen auch Lokalpolitiker in die Verhandlungen einbezogen werden, so wie es Präsident Emmanuel Macron in dieser Woche verlangt hat.

          Der Stellenabbau soll mit Abfindungen abgefedert werden und verursacht daher geschätzte Kosten von 1,2 Milliarden Euro, sagte Delbos. Von 2022 an aber würden die Fixkosten dadurch jährlich um 20 Prozent oder gut 2 Milliarden Euro unter dem aktuellen Niveau liegen. Die Einsparungen werden neben dem Personalabbau durch Kürzungen in der Zahl der Plattformen, der Komponenten und der Zulieferer geschehen. Auch die Investitionen werden heruntergefahren.

          Kapitalerhöhung nicht notwendig

          Die Rollenverteilung in der stark zersplitterten Produktionsstruktur in Frankreich soll sich so ändern, dass weniger Werke Autos produzieren. Von einem Ende der Produktion dürfte vor allem das größere Werk in Flins nordwestlich von Paris betroffen sein, das 2600 Personen beschäftigt.

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