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Autobauer : Hyundai mischt mit im Kampf um die Weltspitze

  • -Aktualisiert am

Hyundai produziert für seine europäischen Kunden hauptsächlich in der Slowakei und in Tschechien Bild: REUTERS

Der koreanische Hersteller ist GM, VW und Toyota auf den Fersen. In diesem Jahr ist Hyundai zum viertgrößten Autobauer weltweit aufgestiegen. Die Autos für den europäischen Markt werden in Rüsselsheim entwickelt.

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          Hyundai ist auf Wachstumskurs. Erst hatten die Koreaner nur billige Autos gebaut, dann stellten sie auch äußerst zuverlässige Fahrzeuge her, neuerdings sind sie sogar technisch sehr anspruchsvoll. Das gefällt den Kunden rund um die Welt und auch in Europa so gut, dass Koreas größer Fahrzeughersteller in diesem Jahr mit mehr als 6 Millionen Einheiten zum viertgrößten Autohersteller der Welt aufgestiegen ist. Nur General Motors, Volkswagen und Toyota verkaufen noch mehr Autos. Aber keiner der drei großen Autokonzerne wirft eine so gute Rendite ab wie Hyundai mit seinen sagenhaften 9 Prozent.

          Eines der Erfolgsgeheimnisse der Koreaner ist, dass sie ihre Autos stets den Wünschen der Kunden in den verschiedenen Weltregionen anzupassen suchen. Deshalb werden Hyundais Autos für Europa zu zwei Dritteln in der Slowakei und Tschechien produziert - nur das übrige Drittel wird aus Indien, der Türkei und Korea nach Europa importiert. Ihre Europazentrale haben die Koreaner in Offenbach nahe Frankfurt installiert, und ganz in der Nähe - in Rüsselsheim - steht zudem seit acht Jahren das Entwicklungszentrum. Hier, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Konkurrenten Opel, werden die wichtigsten Entscheidungen über das technische Innenleben und das Aussehen der Hyundais für Europa getroffen.

          „Die Nähe zu Opel war aber kein Grund, uns hier anzusiedeln. Es war schlicht ein Grundstück frei, und wir wollten im wichtigsten und anspruchsvollsten europäischen Markt Deutschland vor Ort präsent sein, um ein Gefühl für die Kundenwünsche zu entwickeln“, sagt Motorenchef Jürgen Grimm. Weniger als 5 Prozent der gut 200 Hyundai-Ingenieure und Designer in Rüsselsheim stammten von Opel. Dennoch dürfte ein Teil des Erfolgs von Hyundai darin liegen, dass der Konzern den deutschen Wettbewerbern hochqualifizierte Manager abspenstig machen konnte. Motorenchef Grimm wechselte von VW herüber. Das Gleiche gilt für den Produktplanungschef David Labrosse. Und der Hyundai-Designchef für Europa, Thomas Bürkle, arbeitete zuvor für BMW.

          Den Bemühungen Bürkles wird ein großer Teil der jüngsten Erfolge von Hyundai in Europa zugeschrieben. Er entwickelte erstmals ein Design, das die Autos von Hyundai unverwechselbar machte. „Man sieht jetzt, dass es sich um eine Familie von Fahrzeugen mit gemeinsamen Eigenschaften handelt“, sagt Bürkle. Zu diesen Eigenschaften gehört nicht nur der Kühlergrill in der Form eines Hexagons. Wichtiger noch ist das Flächenspiel der Karosserie, die Bürkle als „flüssige Skulptur“ bezeichnet und aus Formen in der Natur ableitet. Möglich sind die häufigen Richtungswechsel des Blechs, die ein Wechselspiel von Licht und Schatten hervorrufen, weil Hyundai einen konzerneigenen Stahlerzeuger hat, der die für die Formung notwendigen Eigenschaften des Stahls sicherstellt.

          Design kommt bei Kunden gut an

          Den Kunden scheint das eigenwillige Design zu gefallen. Bereits mit Ablauf des Monats November hat die Hyundai Motor Deutschland GmbH ihr selbst gestecktes Absatzziel von 80 000 Fahrzeugen für 2011 auf dem deutschen Markt erreicht. Fast vierhundert Vertragshändler verkaufen hierzulande ein Dutzend verschiedene Hyundai-Modelle, allein im laufenden Jahr sind vier neue Modelle hinzugekommen. Am beliebtesten sind der Kompaktwagen i30, der Kleinstwagen i10 und der kompakte Geländewagen ix35. Im gesamten europäischen Markt, der in diesem Jahr leicht schrumpft, wuchs Hyundai gegen den Trend um 12 Prozent auf 335 000 Neuwagenverkäufe - und liegt damit zusammen mit der ebenfalls zum Konzern gehörenden Marke Kia schon vor Daimler, Toyota und Nissan. Ziel ist die Steigerung des Marktanteils in Europa von 3 auf 5 Prozent.

          Volkswagen-Chef Martin Winterkorn wurde dadurch so sehr alarmiert, dass er vor einigen Monaten in einem Brief an seine Führungskräfte Hyundai zum wichtigsten Rivalen ausrief. Im September auf der Automesse IAA in Frankfurt besichtigte er ein Hyundai-Auto und wurde dabei gefilmt, wie er seine Mitarbeiter wegen vermeintlicher Vorteile des Konkurrenzprodukts anschnauzte. Mittlerweile ist das Filmchen ein Publikumsrenner auf Youtube.

          Die Koreaner überholen bald die Japaner. Im Jahr 1967 trat Honda als erste ostasiatische Marke mit gut 450 Neuzulassungen in den deutschen Markt ein. Im Jahr 2009 lagen die Verkäufe der inzwischen acht japanischen Automarken hierzulande schon bei einem Marktanteil von 11 Prozent. Jetzt kommen die Koreaner: Als erste koreanische Marke trat 1991 Hyundai mit annähernd 3000 Neuzulassungen in den deutschen Markt ein. Im vergangenen Jahr verkauften Hyundai, Kia und die Chevrolet-Marke Daewoo hierzulande schon fast 200 000 Fahrzeuge. Unter dem Strich sind heute ein Drittel der Autoimporteure ostasiatische Hersteller.

          Den letzten Schliff für Hyundais Autos bildet anspruchsvolle Technik, die bisher den deutschen Konkurrenten vorbehalten schien. „Wir haben als erster Massenhersteller nach BMW die Start-Stopp-Technik eingeführt“, sagt Produktplaner Labrosse. Zudem wolle Hyundai künftig führend in der Technik der LED-Sensorik werden, die 2013 in Serie geht. Dabei handelt es sich um eine Technik zur Verhinderung von Unfällen, indem etwa Fußgänger frühzeitig durch vom Auto ausgesandte Lichtstrahlen erkannt werden. „Wir brauchen solche Erfolge in der Technik, um in Deutschland erfolgreich zu sein“, sagt Labrosse.

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