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Großbritannien : Autobauer fürchten milliardenschwere Brexit-Rechnung

Prinz William und Herzogin Catherine in einer Fabrik von Land Rover Bild: Reuters

Die Hersteller warnen vor Zöllen – und wollen eine unbefristete Übergangsfrist nach dem Austritt. Die Regierung in London hat allerdings andere Pläne.

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          Die britische Autoindustrie hat in den vergangenen Jahren einen unverhofften Wiederaufschwung erlebt. Doch nun warnen die Hersteller vor den Folgen neuer Handelshürden durch den bevorstehenden Brexit. Schlimmstenfalls drohe im Handel mit den europäischen Nachbarn die Wiedereinführung von Zöllen nach den Regeln der Welthandelsorganisation WTO – und diese würden allein die Autobauer auf der Insel mindestens 4,5 Milliarden Pfund (rund 5 Milliarden Euro) im Jahr kosten. Das rechnet der Verband der britischen Automobilhersteller SMMT vor.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Verbandschef Tony Walker kritisierte den weitgehenden Stillstand in den Austrittsverhandlungen zwischen der Regierung in London und der EU: „Wir brauchen konkrete Fortschritte - und zwar schnell“, sagte Walker. Notwendig sei vor allem, dass beide Seiten rasch eine Übergangsfrist für die Zeit nach dem Brexit-Termin im März 2019 vereinbarten. Diese müsse den bisherigen freien Zugang zum EU-Binnenmarkt für britische Unternehmen fortschreiben und Zölle ausschließen.

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          Die Autobauer fordern, dass die Übergangsfrist im Voraus zeitlich nicht befristet wird. Sie soll vielmehr solange laufen, bis EU und Großbritannien einen umfassenden Freihandelsvertrag vereinbart haben. Die Branche geht damit auf Konfrontationskurs zur Regierung in London: Die Premierministerin Theresa May will zwar auch eine Übergangsfrist. Sie solle jedoch auf rund zwei Jahre befristet werden, kündigte May im September an. Allerdings ist unklar, ob diese Zeitspanne ausreichen würde, um das von London angestrebte komplexe Handelsabkommen mit der EU zu vereinbaren.

          Die Autohersteller haben in den vergangenen Jahren eine der größten Erfolgsgeschichten in der britischen Industrie geschrieben: 2016 wurden auf der Insel rund 1,7 Millionen Autos gefertigt – und damit so viele wie seit 17 Jahren nicht mehr. Mehr als 80 Prozent der Fahrzeuge gingen in den Export und die anderen EU-Staaten waren die wichtigsten Abnehmer. Größter Hersteller im Königreich ist Jaguar Land Rover, gefolgt vom japanischen Nissan-Konzern und der Kleinwagen-Marke Mini, die zu BMW gehört.

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