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F.A.Z.-Exklusiv : Neues Gewand für die IAA

Besucher der IAA schauen sich am Stand von Porsche einen Taycan Turbo S an. Bild: Lucas Bäuml

Weniger Auto, mehr Mobilität – diese Forderung kommt ausgerechnet von den Autoherstellern. Auch wenn der Begriff Internationale Automobilausstellung möglicherweise wegfällt, zeichnet sich eine Mehrheit für ihre Fortsetzung ab. Um den künftigen Standort und das Format wird aber noch gerungen.

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          Die Automobilausstellung IAA wird im Jahr 2021 wohl wieder stattfinden, aber in anderem Gewand. Und sie wird vermutlich nicht mehr als Autoausstellung, sondern als Mobilitätsmesse auftreten. Nach diversen Sitzungen zeichne sich eine Mehrheit für eine Fortsetzung der Messe ab, heißt es aus Verhandlungskreisen. Allerdings wird um das künftige Format gerungen, und auch der Austragungsort ist noch umstritten. Dem Vernehmen nach plädiere insbesondere die Marketingverantwortliche von Daimler, Bettina Fetzer, für ein radikal anderes Konzept. Fetzer wollte sich auf Anfrage dieser Zeitung aber nicht zu ihren Vorstellungen äußern.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Auch der Marketingchef von Volkswagen, Jochen Sengpiehl, möchte offenbar ein völlig neues Konzept. Dem stehen einige andere im veranstaltenden Verband VDA vertretene Mitglieder entgegen, sie befürchten einen Niedergang, wie ihn die Computermesse Cebit erlebt hat, wenn sich eine Messe zu weit von ihrem Kern entfernt. Zudem müssten dringend die ausländischen Marken zurückgewonnen werden. „Die Leute wollen auch Ferrari sehen“, sagt ein Verhandlungsteilnehmer.

          Messe soll aus der Halle heraus

          Einigkeit herrscht indes darüber, dass sich die Ausstellung aus den Messehallen heraus- und zu den Menschen hinbewegen soll. Als Favoriten in der Auswahl der möglichen Standorte, zu denen auch Köln und Hamburg zählen, gelten Frankfurt und Berlin. In Frankfurt sollten demnach Veranstaltungen auf dem Römerberg, am Mainkai und im Waldstadion stattfinden. In Berlin ist an Auftritte in Tempelhof, entlang der Spree und auf der Straße des 17. Juni oder Unter den Linden gedacht. Dort sollen mehrere Hersteller gemeinsam auftreten, es ist also kein nach Marken isoliertes Erlebnis geplant.

          Die Rede ist davon, die Hersteller wollten die „Turniersituation“ hinter sich lassen. Auch soll der Bürgerdialog verstärkt werden, um zu zeigen, dass individuelle Mobilität und Klimaschutz Hand in Hand gehen können. Wichtig ist allen Herstellern die Verringerung der Kosten. Gerungen wird zudem um die Bezeichnung der Messe. IAA gilt als international starkes Markenzeichen, doch der ausgeschriebene Begriff Internationale Automobilausstellung soll möglicherweise fallen. Weniger Auto, mehr Mobilität, diese Forderung kommt ausgerechnet von den Autoherstellern. Die kurzzeitig avisierten 1,5Millionen Besucher (F.A.Z. vom 17. Oktober) sind als Ziel wieder vom Tisch, in der Planung stehen 500.000 bis 1 Million Besucher, die angelockt werden müssten.

          Nach einem Gespräch mit Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) Anfang der Woche heißt es, der sonst autokritisch auftretende Feldmann habe eine überraschende Charmeoffensive gezeigt und ein überzeugendes Angebot eröffnet. Die Frankfurter Messegesellschaft, die auf viele Jahre Erfahrung mit der IAA verweisen kann, will zudem ins wirtschaftliche Risiko gehen und sich an der Organisation stärker beteiligen. Das ist im VDA offenbar gut angekommen. Der Verband wird sich nun in den nächsten Tagen mit Vertretern Berlins treffen.

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