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Zukunft der Automesse : Ein Showdown um die IAA

  • -Aktualisiert am

Im vergangenen September war die IAA in Frankfurt – zum wohl letzten Mal. Bild: EPA

Wie Frankfurt abserviert wurde, Köln aufgeben musste – und München in letzter Sekunde hineinrutschte.

          3 Min.

          Sitzen viele Menschen in einem Raum, kommen unterschiedliche Sichtweisen auf das Ergebnis zustande. Trotzdem verdichtet sich ein Bild, was an diesem für die Leitmesse der deutschen Schlüsselindustrie wegweisenden Mittwoch geschehen ist.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Der Vorstand des Verbandes der Automobilindustrie VDA kommt am Nachmittag in Berlin zusammen, die neue, erst am 1.Februar ihr Amt antretende Präsidentin Hildegard Müller ist dabei – und führt sogleich zielsicher das Wort, was ihr Anerkennung der Männerriege einbringt. Die Frage ist zu klären: Wo soll die nächste Internationale Automobilausstellung stattfinden? Um die IAA 2021 hatten sich sieben Städte beworben: Hannover, Stuttgart, Berlin, Köln, Hamburg, München und das die Messe seit dem Jahr 1951 austragende Frankfurt.

          Eine Vorauswahl haben die Marketingverantwortlichen der Autoindustrie getroffen, als da federführend wären BMW, Daimler und Volkswagen, aber auch Opel und Ford und einige Zulieferer. Ein Punktesystem soll die Wahl möglichst objektiv halten.

          In der Berliner VDA-Zentrale wird es knifflig

          Stuttgart scheidet mit der mit Abstand schwächsten Bewerbung direkt aus. Dann folgt Hannover. Mit den übrigen fünf Kandidaten beginnt die Sitzung der Vorstände.

          Die besten Bewerbungen haben Berlin und Köln abgegeben, gefolgt von Hamburg. Mit im Rennen ist München, und auch Frankfurt ist dabei – ob jeweils auf Rang vier oder fünf, darüber gehen die Darstellungen auseinander. Frankfurt habe eine gute Bewerbung abgegeben, sagen die einen, Frankfurts Bewerbung sei einfallslos und hochmütig, sagen die anderen.

          Einigkeit herrscht offenbar darin, den langjährigen Ausrichter nicht brüskieren zu wollen. So gelangt Frankfurt als eine Art Ergänzungsspieler auf die Shortlist. Und fliegt hinter den seit etwa einer halben Stunde geschlossenen Türen von derselben, als sich darauf verständigt wird, nur mit drei Städten weiter planen zu wollen. Frankfurt stehe für einen verpatzten Auftritt 2019 und zudem für die traditionelle Art der Messe. Es müsse aber ein Neuanfang glaubhaft dargestellt werden, und dazu gehöre auch ein Standortwechsel, heißt es.

          Was das bedeutet, ist allen klar. Das hernach gegen 17 Uhr mit dem Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann geführte Telefongespräch wird als bedrückend beschrieben. In der Berliner VDA-Zentrale wird es derweil knifflig. Berlin, Köln, Hamburg heißen die Standorte der Wahl. München ist raus. Der Termin der IAA 2021 steht unterdessen fest, die Messe muss im September stattfinden. Köln wiederum kann aber nur im Juni, das dortige Messegelände ist ansonsten ausgebucht.

          Es gibt eine kurze Rückkopplung mit dem Kölner Messechef, dann steht fest, dass Köln den September-Termin nicht anbieten kann, trotz einer phantastischen Bewerbung und einem zugesagten Investitionsvolumen von ungefähr 25 Millionen Euro. So scheidet Köln aus – und München rückt in letzter Sekunde auf.

          In Frankfurt ist die IAA Geschichte

          Für die bayerische Hauptstadt zählen der internationale Flughafen und die sichere Umgebung. Trotzdem sehen jetzt nahezu alle Teilnehmer Berlin oder Hamburg vorn, doch was heißt das schon nach diesem turbulenten Tag? In den nächsten Wochen soll die Entscheidung fallen, und bis dahin kann noch einiges geschehen. Denn über die Finanzen ist bisher nicht gesprochen worden. Der Kölner Plan mit 25 Millionen Euro war üppig, das Berliner Ansinnen wird von Teilnehmern sogar auf etwa die doppelte Summe veranschlagt. Wird die „Arm-aber-sexy-Hauptstadt“ den Betrag stemmen können?

          In den Hintergrund scheint auch das Argument zu treten, die Branche wolle drohenden Krawallen aus dem Weg gehen. Das sprach bis Mittwoch gegen Berlin. Nun überwiegen der Hauptstadtbonus und die, wie es heißt, herausragende Präsentation des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller. Auf was es alles zu achten gilt, musste München erfahren. Die Idee, das Olympiastadion einzubinden, scheiterte an dessen Lage. Kein Konkurrent will im Schatten des BMW-Vierzylinder-Hochhauses eine IAA abhalten.

          Nun müssen andere Orte der Begegnung her, denn die nächste IAA soll nicht nur in Messehallen stattfinden, sondern das Auto, das Thema Mobilität mitten unter den Menschen erlebbar machen, was auch immer das genau bedeutet. Von solchen Orten hat München freilich wohl noch einige andere. Im Gegensatz dazu sei es in Hamburg eng, womöglich zu eng, heißt es. Dafür sei die Hansestadt weltoffen für neue Formen der Mobilität wie keine zweite.

          Jetzt also gilt es zu entscheiden, und zwar für eine Stadt allein, nicht für einen Kompromiss. Die Idee einer Rotation zwischen den drei Kandidaten, ähnlich wie es die Bundesgartenschau vormacht, hat zwar starke Befürworter, aber noch mehr Gegner. Erklärtes Ziel ist es, drei Messen en bloc zu vergeben, sich also für sechs Jahre zu binden. In Frankfurt jedenfalls ist die IAA nach 69 Jahren Geschichte.

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