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Machtkampf in Wolfsburg : Vorstandschef Diess wird Marke Volkswagen entzogen

Herbert Diess Bild: Picture-Alliance

Weil die Kritik zuletzt immer lauter geworden war, muss Herbert Diess als Chef der Konzernmarke Volkswagen abtreten. Nun gibt es eine neue Arbeitsteilung in Wolfsburg.

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          Im Machtkampf zwischen Volkswagen-Chef Herbert Diess und dem Betriebsratschef des Unternehmens, Bernd Osterloh, gibt Diess die Führung der Marke VW ab. Diese Entscheidung hat der Vorstand des Konzerns getroffen und der Aufsichtsrat am Montag bestätigt: Die Marke VW wird daher von Juli an von Ralf Brandstätter geführt. Bislang steht Diess an der Spitze des Konzerns und führt in Personalunion auch die Marke VW.

          Carsten Germis
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Brandstätter leitet seit August 2018 das operative Geschäft der Marke. Diess erhalte damit „mehr Freiraum für seine Aufgaben als Konzernchef“, teilt das Unternehmen am Montagabend mit. Diess wird damit zitiert, dass er sich freue, dass Brandstätter die Entwicklung der Marke jetzt als deren Vorstandschef „weiter kraftvoll vorantreiben wird“. Der Wechsel an der Spitze verlief geräuschloser als auch im Unternehmen erwartet worden war. Die Entscheidung über die neue Führung werde möglicherweise länger dauern, hieß es vor Beginn der Aufsichtsratssitzung.

          Diess war wegen technischer Probleme beim neuen Golf 8 und beim neuen Elektroauto ID 3, das im Sommer auf den Markt kommen soll, vor allem aber wegen seines Führungsstils vom Betriebsrat und dessen Chef Bernd Osterloh öffentlich scharf kritisiert worden. Der Streit eskalierte Ende Mai. In der Zwischenzeit scheint es zwischen den Eigentümerfamilien Porsche und Piech, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat aber zu einer Einigung gekommen zu sein, die Personalunion von Diess als Konzern- und Markenchef zu beenden.

          Auf Kritik bei den Gewerkschaften stieß dabei der Führungsstil von Diess vor allem, weil er stärker als bei VW üblich auf Effizienz, Rendite und Kostensenkung drückte. Diess scheine „immer noch nicht zu verstehen, dass VW ein etwas anderes Unternehmen ist“, sagte ein naher Beobachter dazu. Die Machtbalance von starker Arbeitnehmervertretung, Eigentümerfamilie und Staat mit ihrem gegenseitigen Geben und Nehmen passe nicht zu einem Führungsstil, der eher auf Konfrontation setze.

          Diess, der im Sommer 2015 von BMW nach Wolfsburg kam, soll mit dem System VW gefremdelt haben. Brandstätter dagegen kennt es aus dem Effeff. Er begann seine berufliche Laufbahn mit einer Ausbildung als Betriebsschlosser bei VW in Braunschweig, studierte dann Wirtschaftsingenieurwesen und kam 1993 zurück in das Unternehmen. Dass der neue Markenchef einen anderen Führungsstil pflegt, machte er schon am Montag deutlich.

          Er danke der gesamten Mannschaft von Volkswagen für ihren großen Einsatz, sagte er: „Gemeinsam werden wir unseren Weg fortsetzen.“ Osterloh und die Betriebsräte hatten immer wieder kritisiert, dass Diess sich nicht genügend um die Marke und um die Mitarbeiter kümmere. Brandstätters wichtigste Aufgabe ist nun, die von VW angekündigte großangelegte Elektrooffensive auch auf den Straßen sichtbar zu machen. „Für Volkswagen ist der Kurs in die Zukunft gesetzt“, sagte der neue VW-Chef nach seiner Ernennung.

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