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Pannenflughafen als Parkplatz : VW stellt Autos auf dem BER ab

  • Aktualisiert am

Viel Platz: Auf dem immer noch nicht eröffneten neuen Berliner Großflughafen BER will VW überschüssige Neuwagen abstellen. Bild: dpa

Neue Regeln mit Abgasmesszyklen bringen die Autohersteller in arge Not: Sie können fertige Autos nicht verkaufen. Um sie abzustellen, nutzt der Konzern jetzt einen kuriosen Parkplatz.

          Die Probleme von VW mit neuen Abgastests reißen nicht ab. Die hohe Zahl von Neuwagen ohne Zulassung führt jetzt zu Parkplatznot, wie ein VW-Sprecher am Mittwoch sagte. Deshalb weicht der Konzern mit zahlreichen Neuwagen auf den immer noch nicht eröffneten Berliner Großflughafen BER aus. Auf dem Gelände habe der Konzern Flächen angemietet, um Autos mit Lieferverzögerungen darauf abzustellen, sagte der Sprecher.

          Hintergrund der Probleme sind neue Abgastests insbesondere nach dem Prüfzyklus WLTP. Ab dem 1. September dürfen nur noch Autos zugelassen werden, die dieses neue Testverfahren durchlaufen haben. Der neue Zyklus stellt schärfere Anforderungen sowohl im Zulassungsverfahren auf dem Prüfstand wie im realen Alltagsbetrieb. Benzinmotoren können diese Grenzwerte in der Regel nur erfüllen, wenn sie mit einem Partikelfilter ausgerüstet sind.

          Anfang Juni hatte die F.A.Z. exklusiv berichtet, dass wegen der neuen Abgastests der Sportwagenhersteller Porsche den Verkauf sämtlicher Neuwagen bis auf weiteres eingestellt hat. VW produziert zahlreiche Autos vor, die so gebaut sind, dass sie das Prüfverfahren schaffen. Allerdings fehlen derzeit noch die Freigaben für viele dieser Modelle durch das Kraftfahrt-Bundesamt – daher können sie nicht verkauft, sondern müssen irgendwo geparkt werden.

          Lieferverzögerungen bei mehr als 200.000 Fahrzeugen

          Bereits am Dienstag war bekannt geworden, dass Volkswagen am Stammwerk in Wolfsburg zeitweise Schichten ausfallen lässt, um nicht mehr so viele vorläufig nutzlose Neuwagen zu produzieren. Nach den Werksferien Ende Juli werde die Produktion an ein bis zwei Tagen in der Woche ruhen, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens im Intranet, die der F.A.Z. vorlag. Die Maßnahme sei bis Ende September geplant.

          Auch andere Werke seien davon betroffen. So seien am Standort in Zwickau für das dritte Quartal teils vereinzelte Schließtage angesetzt, teils entfielen auch einzelne Schichten, hieß es. Die Produktion der Komponentenwerke solle an die Anforderungen der jeweils zu beliefernden Fahrzeugwerke angepasst werden.

          Konzernweit könne es durch die Umstellung auf das WLTP-Verfahren zu Lieferverzögerungen bei 200.000 bis 250.000 Fahrzeugen kommen, sagte der Sprecher. Ein Teil davon werde auf den angemieteten Parkplätzen abgestellt. „Nach unseren Betriebsferien Ende Juli werden wir schon mehr Freigaben haben“, sagte der Sprecher. Neben dem BER nutzt VW derzeit auch ein konzerneigenes Testgelände in Ehra-Lessien bei Wolfsburg. „Wir prüfen die Anmietung weiterer Flächen“, sagte der Sprecher.

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