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Kabel nur gegen Aufpreis : Wie ein Manager die Lust aufs elektrische Fahren verlor

Achim Hannott, Geschäftsführer des Bundesverbands Fertigbau Bild: Susanne Preuß

Die Bundesregierung berät heute mal wieder über die E-Mobilität. Was das Aufladen der Autos angeht, sind auf jeden Fall noch viele Verbesserungen nötig. Ein Manager erzählt, warum er seinen neuen Hybrid vor allem mit Verbrennungsmotor fährt.

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          Diesen Satz wird Achim Hannott nicht so schnell vergessen: „Das ist im Lieferumfang nicht enthalten“, sagte die Dame, die ihm sein neues Hybrid-Auto übergab, einen BMW 330e. Hannott glaubte, nicht recht zu hören: Er hatte nach dem Kabel gefragt, um die Batterie des Hybridautos aufladen zu können. Wie sonst sollte er sein Auto mit Strom versorgen, wenn er quer durch die Republik fährt – was für ihn als Geschäftsführer des Bundesverbands Fertigbau quasi Alltag ist?

          Susanne Preuß
          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          „Das ist doch, wie wenn Sie Turnschuhe kaufen und es fehlen die Schnürsenkel“, erregt sich Hannott noch Tage nach diesem Ereignis. Doch während er das Problem mit den Schnürsenkeln mutmaßlich im gleichen Laden für ein paar Euro lösen könnte, gestaltet sich die Sache mit dem Kabel komplizierter. Nicht nur hatte der Verkäufer dem bisherigen Mercedes-Fahrer in Sachen Ladekabel die wichtigste Info vorenthalten – Hannotts naheliegende Idee, spontan eines dazu zu kaufen, funktionierte auch nicht.

          Von der BMW-Welt am Olympiapark in München wurde er zur Niederlassung am Frankfurter Ring geschickt – drei Kilometer nur, aber drei Kilometer, die Hannott so schnell nicht vergessen wird. Zumal er dann auch noch 246 Euro netto zahlen musste. „Da kauft man für grob 70.000 Euro ein Hybridauto und muss dann erst noch tief in die Tasche greifen, um überhaupt eine Ladesäule nutzen zu können“, ärgert sich Hannott über die Preispolitik.

          Nun hat der in Köln wohnende Manager einen Dienstwagen mit Kabel, mit dem Laden aber hat er bisher auch so seine Probleme. An der ersten Ladestation seien alle Ladepunkte besetzt gewesen, die nächste gehörte einem kleinen, sehr unbekannten Anbieter, bei dem er sich nicht eigens registrieren wollte: „Ich habe aber doch keine Lust, meine Kreditkartendaten bei der Firma Müller & Söhne abzugeben.“ Die dritte Lademöglichkeit existierte zwar bei Google, aber nicht in der Realität.

          Achim Hannott hat es also bleiben lassen, und fährt seither seinen teuren Hybrid wie zuvor seine C-Klasse mit ganz normalem Verbrennungsmotor. Dabei hat der Steuerzahler sich sogar an den Kosten für den Hybrid-Wagen beteiligt – mit dem sogenannten „Umweltbonus“ für Elektroautos. Achim Hannott, der sich riesig auf das elektrische Fahren gefreut hatte, sieht die Sache inzwischen skeptisch: „Ich profitiere natürlich gerne von dem Steuervorteil. Aber Laden kann ich nur mit einem Riesenaufwand.“

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