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Dröhnung auf zwei Rädern : Weshalb die Nachfrage nach Motorrädern so steigt

Das Freiheitsgefühl auf zwei Rädern: Eine Gruppe von Bikern bei einer Demonstration Ende Juni. (Symbolbild) Bild: dpa

Während der Automarkt in Deutschland kriselt, sieht es für Motorräder ganz anders aus – das liegt nicht nur am vereinfachten Zugang zum entsprechenden Führerschein. Auch Corona spielt eine Rolle.

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          Wenn Motorradfans ihren Emotionen während der Fahrt freien Lauf lassen, ist Freiheit wohl das Gefühl, das sie alle durchströmt. Wer mit einem Kraftrad unterwegs ist, genießt es, draußen zu sein und sich flexibler und vielleicht auch etwas flotter als mit einem Auto zu bewegen. In diesem Jahr haben sich deutlich mehr Menschen in Deutschland diese Freiheit erkauft als zuletzt. Im Schatten einer um ein Viertel geschwundenen Autonachfrage haben Motorräder im bisherigen Jahresverlauf einen Aufschwung erlebt.

          Allein im September meldeten Käufer laut Kraftfahrt-Bundesamt mehr als 18.500 neue Krafträder an, was einem Wachstum um 65 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat entspricht. Der vergangene Monat ist indes kein Ausreißer, wie eine Auswertung der Zulassungsstatistiken der Behörde zeigt. Im Juni lagen die Neuzulassungen 49 Prozent über dem Vorjahresmonat, im Juli waren es 54 Prozent, im August 59 Prozent.

          Zwar hatten auch Motorräder ihre Corona-Delle: Im März und April, also den klassischen Monaten für hohe Absatzzahlen, sanken die Neuzulassungen um 16 und 26 Prozent. Zwischen Mai und September wurde dieser Rückgang aber nicht nur aufgeholt, er wurde überkompensiert, die Motorradhersteller erlebten im Sommer ihren zweiten Frühling. In der Folge haben die Behörden zwischen Januar und September fast 184.800 neue Krafträder zugelassen, gut 32.000 oder 21 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das liegt deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre, der rund 137.000 neue motorisierte Zweiräder betrug.

          Freiheits- statt Reisegefühl in Zeiten von Corona

          Als eine Ursache für das starke Wachstum machen die Hersteller die Corona-Krise aus. Einige Neukunden hätten etwa wegen ausgefallener Urlaubsreisen mehr Geld zur Verfügung gehabt und das Reisegefühl durch das Freiheitsgefühl eines Motorrads ersetzt, sagt ein Sprecher der Motorradsparte des Autoherstellers BMW. Für den langjährigen Marktführer in Deutschland sieht die Achtmonatsbilanz auf Basis der Bundesamt-Daten trotzdem schlechter aus als für die Konkurrenz: Der Absatz ging um etwa 4 Prozent zurück. Im Juni, Juli und August habe BMW Motorrad rund um die Welt aber wieder Rekordabsätze verzeichnet, heißt es aus München. Man sei deshalb zuversichtlich, das Gesamtjahr knapp unter Vorjahr abzuschließen, das immerhin das neunte Rekordjahr in Folge war.

          Die schärfste Konkurrenz hat derweil stärker profitiert. Zwar veröffentlicht das Kraftfahrt-Bundesamt detaillierte Daten für September erst in diesen Tagen, sie dürften aber an der bisherigen Entwicklung wenig ändern: Im Zeitraum Januar bis August steigerte Honda seine Verkäufe um 10 Prozent, KTM um 15 Prozent und Kawasaki um 18 Prozent. Besonders stark gewachsen ist jedoch der Absatz des italienischen Herstellers Piaggio, und zwar um fast 50 Prozent. Mit gut 23.000 abgesetzten Krafträdern hat sich Piaggio zwischen Januar und August auch an BMW vorbeigeschoben und führt nun den Markt in Deutschland an.

          Piaggios flotte Fahrt hat wiederum mit dem zweiten Grund für die generell gestiegene Nachfrage nach Motorrädern in Deutschland zu tun. Seit Jahresbeginn können Halter eines Autoführerscheins der Klasse B nach einer Schulung auch Krafträder mit bis zu 125 Kubikzentimeter Hubraum fahren. Das schlägt sich in Piaggios Zulassungszahlen nieder. Verkaufte das Unternehmen in den ersten acht Monaten des vergangenen Jahres noch 5286 Maschinen mit bis zu 125 Kubikzentimeter, waren es nun 12.958. Und dieser Zuwachs entspricht in etwa der gesamten Absatzsteigerung von Piaggio.

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