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Neue EU-Grenzwerte : Weniger Wut auf die Autoindustrie wäre gut

  • -Aktualisiert am

Was wird aus dem Autoverkehr? Bild: dpa

Für die Autohersteller kommt es nun knüppeldick. Mit der Anhebung des 2030-Klimaziels auf 55 Prozent will Brüssel auch Daimler und Volkswagen, Peugeot und Fiat stärker in die Pflicht nehmen.

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          Für die Autohersteller kommt es nun knüppeldick. Mit der Anhebung des 2030-Klimaziels auf 55 Prozent will die Europäische Kommission auch Daimler und Volkswagen, Peugeot und Fiat stärker in die Pflicht nehmen. Sie werden den Ausstoß ihrer Neuwagen stärker senken müssen, als es die bisherigen, schon ehrgeizigen Vorgaben vorsehen.

          Parallel fordert das Europaparlament strengere Grenzwerte für die Luftverschmutzung. Bis Herbst 2022 sollen nochmals spürbar weniger Stickoxid und Feinstaub aus dem Auspuff kommen. Die Abgeordneten wollen den Aufschlag auf die Grenzwerte, den die Kommission den Herstellern zum Ausgleich für die neue Abgasmessung gewährt hat, streichen.

          Die Gründe für diesen Aufschlag gelten jedoch immer noch: Als die EU die Grenzwerte festgelegt hat, wurden Abgaswerte nur im Labor gemessen. Das hatte mit realen Fahrbedingungen wenig zu tun, weshalb entsprechend strenge Grenzwerte angesetzt wurden.

          Klima, Umwelt und Industrie

          Nach der Umstellung auf eine Abgasmessung unter realen Fahrbedingungen hat die Kommission die Grenzwerte daher folgerichtig angehoben um einen „Korrekturfaktor“. Lockere Tests, strenge Grenzwerte – strenge Tests, lockere Grenzwerte, lautete das Prinzip.

          Das Ergebnis blieb gleich. Die Luftverschmutzung wird wie angestrebt verringert, ohne die mit der Transformation kämpfenden Autohersteller zusätzlich zu belasten.

          Seit dem Diesel-Skandal will man solche Rücksicht nicht mehr nehmen. Heute gilt, egal ob es um Luftverschmutzung oder Klimaschutz geht: Die Autobranche ist böse und muss, wo eben möglich, in die Schranken gewiesen werden.

          Nun lässt sich einwenden, dass die Branche sich das selbst zuzuschreiben hat und die Politik sie lange Zeit zu sehr schonte. Richtig ist auch, dass die Hersteller nach wie vor zu viel Energie in die Verhinderung neuer Auflagen und zu wenig in den Bau spannender emissionsfreier Fahrzeuge sowie neue Geschäftsmodelle stecken.

          Momentan aber scheint das Ziel der Brüsseler Politiker weniger zu sein, die Branche mit vernünftigen Grenzwerten zu Innovationen zu motivieren, als sie in die Knie zu zwingen. Etwas weniger Wut über alte Sünden und Privilegien der Hersteller täte der Debatte gut, im Interesse von Klima, Umwelt und Industrie.

          Hendrik Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

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