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Deutsch-französisches Projekt : Autozulieferer investieren in Wasserstoff

Wasserstoff gilt als Energieträger der Zukunft. Bild: dpa

Die Autozulieferer Elring-Klinger und Plastic Omnium investieren in die Wasserstoff-Technologie – und gründen ein Gemeinschaftsunternehmen.

          2 Min.

          Die Autoindustrie folgt immer stärker dem Trend zu Wasserstoff-Technologie, wie sich nun auch bei den Zulieferern zeigt. So wollen Elring-Klinger und Plastic Omnium in diese Technologie investieren und gründen dafür das Gemeinschaftsunternehmen Ekpo Fuel Cell Technologies. Wie sie jetzt bekanntgaben, wollen sie gemeinsam Brennstoffzellen-Stacks in Großserien produzieren und streben bis zum Jahr 2030 einen Marktanteil von 10 bis 15 Prozent an. Das entspräche einem Umsatz von 700 Millionen Euro bis einer Milliarde Euro.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Zuerst zielen die Unternehmen auf den Einsatz ihrer Technologie in Nutzfahrzeugen, danach in Personenwagen. „Wir wollen ein Weltmarktführer werden. Der Markt wächst, und mittelfristig glauben wir an einen noch höheren Marktanteil“, sagte der Plastic-Omnium-Vorstandsvorsitzende Laurent Favre bei einer gemeinsamen Online-Pressekonferenz mit seinem Amtskollegen Stefan Wolf von Elring-Klinger. In den ersten vier Jahren sollen jährlich 100 Millionen Euro investiert werden. „Das ist ein erster Schritt, ich bin auch bereit, über höhere Beträge zu reden, wenn es gut läuft“, sagte Favre. Beide Unternehmen würden seit langem von Familieninvestoren getragen und hätten einen langen Atem.

          Das Gemeinschaftsunternehmen wird zu 60 Prozent von Elring-Klinger gehalten und zu 40 Prozent von Plastic Omnium. Die Zentrale wird in Dettingen stehen, am Stammsitz von Elring-Klinger. Denn das schwäbische Unternehmen ist mit seiner Brennstoffzellen-Technologie das Herz der Kooperation. Die Mehrheit der 150 Mitarbeiter kommen von Elring-Klinger sowie alle 150 Patente. „Wir haben in den vergangenen zwanzig Jahren solide Kenntnisse im Bereich der Brennstoffzellen-Technologie aufgebaut“, sagte Wolf. Vom kommenden Jahr an könne man bereits 10.000 Systeme liefern.

          Ein ganz besonderes Brennstoffzellen-Geschäft 

          Plastic Omnium ist indes das größere der beiden Unternehmen, es beschäftigt mit 30.000 Mitarbeitern dreimal so viel Beschäftigte wie die Schwaben und wird an der Börse mit 2,8 Milliarden Euro gut fünfmal so hoch bewertet. Die Franzosen sind unter anderem auf Tank- und Speicherbehälter spezialisiert und sollen bei der Kooperation die Systemverantwortung übernehmen. Um die Produktpalette zu komplettieren, kauft Plastic Omnium die österreichische Tochtergesellschaft von Elring-Klinger Ekat, die Systemelemente herstellt, für 15 Millionen Euro.

          An der Börse wird offenbar vor allem Elring-Klinger als Profiteur der neuen Zusammenarbeit gesehen. Während die in Paris notierte Aktie von Plastic Omnium bis zum Nachmittag um mehr als 3 Prozent verlor, verzeichnete Elring-Klinger nach Ende der gemeinsamen Presse- und Analystenkonferenz ein Kursplus von 14 Prozent auf 8,55 Euro. Damit ist der schwäbische Autozulieferer allerdings immer noch deutlich entfernt vom Kurshoch bei 9,65 Euro, das die Aktie Mitte Oktober erreicht hatte. Auch da war ein Brennstoffzellen-Geschäft Auslöser für einen Kurssprung gewesen, allerdings ein ganz besonderes: Elring-Klinger teilte damals mit, von Airbus als Technologiepartner für die Entwicklung von wasserstoffgetriebenen Flugzeugen bis zum Jahr 2035 ausgewählt worden zu sein.

          Seit den neunziger Jahren im Geschäft

          Dieses Geschäft wird nun als eine Art Ritterschlag für den zeitweise ziemlich geschwächt wirkenden Autozulieferer verstanden, wie etwa JP-Morgan-Analyst Jose Asumendi erklärte. Durch das Gemeinschaftsunternehmen mit Plastic Omnium sei Elring-Klinger ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum „Global Player“ im Wasserstoff-Bereich gelungen. Für den Ausbau des Geschäfts erhalte das Unternehmen nun die nötigen Finanzmittel.

          Elring-Klinger-Vorstandschef Stefan Wolf sagte, er erwarte, mit dem Gemeinschaftsunternehmen sehr kurzfristig die Gewinnzone zu erreichen. Man könne als Technologieführer hohe Renditen erzielen. Bisher liegt der Schwerpunkt des Geschäfts Elring-Klingers auf Teilen und Systemen für Verbrennungsmotoren. Seit den neunziger Jahren ist das Unternehmen, das mit 10.000 Mitarbeitern einen Umsatz von zuletzt 1,7 Milliarden Euro erwirtschaftete, im Brennstoffzellen-Geschäft.

          Zunächst lieferte man Bipolarplatten für die Zellen. Um das ganze System zu verstehen, entwickelte Elring-Klinger dann weitere Komponenten, auch ohne dass dafür bis dahin ein nennenswerter Markt vorhanden war.

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