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Volkswagen : Chronologie eines beispiellosen Skandals

VW ist in den Vereinigten Staaten unter Druck. Bild: dpa

Manager in Haft, Konzern auf Bewährung: Die amerikanische Justiz hat im Diesel-Skandal durchgegriffen. Wer ist der verhaftete Manager? Und was hat er mit dem Betrug zu schaffen?

          Den ersten Samstag im neuen Jahr 2017 hatte Oliver Schmidt sicherlich anders vor Augen. Gerade ist der 48 Jahre alte Volkswagen-Manager am Miami International Airport eingetroffen, um nach seinem Urlaub wieder zurück in die deutsche Heimat zu fliegen, als der amerikanische Rechtsstaat diesen Plänen ein jähes Ende bereitet. Es sind Beamte des Federal Bureau of Investigation, kurz FBI, die ihn abführen. Sie bringen ihn auf die örtliche Polizeiwache, dem Broward County Sheriff’s Office, und machen dort Fotos, auf denen er, mit starrem Blick und herunterhängenden Mundwinkeln, aussieht wie ein Schwerverbrecher, auch wenn er noch lange nicht verurteilt ist.

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft und für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          Am darauf folgenden Montag gegen 14 Uhr wird Oliver Schmidt erstmals einem amerikanischen Haftrichter vorgeführt, in Handschellen, Fußfesseln und einem hellbraunen Overall, wie die „New York Times“ zu berichten weiß. Man verhandelt kurz über eine Kaution, der Richter lehnt ab. Es bestehe Fluchtgefahr, schließlich war Schmidt schon auf dem Weg zurück nach Deutschland.

          Und diesen vielversprechenden Fang wollen sich die amerikanischen Behörden nicht entgehen lassen, jetzt, wo sie nach mehr als einem Jahr erstmals einem VW-Manager auf den Pelz rücken können, der über Jahre so dicht an dem Abgas-Skandal dran gewesen sein soll wie nur wenige. Bislang hat man sich auf einige Kronzeugen verlassen, die als Dank für ihre Einlassungen gegen Kollegen weitgehend mit Straffreiheit belohnt wurden.

          Als zuständiger Manager der VW-Umwelt- und Entwicklungsabteilung führte Schmidt die mühsamen Verhandlungen mit den amerikanischen Umweltbehörden. Immer wieder soll Schmidt die Behörden wider besseres Wissen an der Nase herumgeführt haben, lautet der Vorwurf. Die Strafandrohung für alle genannten Vergehen summiert sich auf unvorstellbare 169 Jahre. Sollte er tatsächlich schuldig gesprochen werden, dürfte das Urteil weitaus geringer ausfallen. Wie sich Schmidt zu den Vorwürfen verhält, ist nicht bekannt. Sein Verteidiger, ein renommierter New Yorker Anwalt, äußerte sich auf Anfrage nicht.

          Detroit Motor Show in ausgedünnter Besetzung

          Während sich Oliver Schmidt in der vergangenen Woche an die Nächte in amerikanischer Haft gewöhnen musste, fand zur gleichen Zeit mit der Detroit Motor Show eine der wichtigsten Automessen der Welt statt. Auch Volkswagen war selbstverständlich vertreten, wenn auch in ausgedünnter Besetzung.

          Vorstandsvorsitzender Matthias Müller ließ sich, anders als im vergangenen Jahr, nicht blicken, er wird seine Gründe gehabt haben. Jedenfalls konnte er so auch nicht, anders als im vergangenen Jahr, unangenehm auffallen. Das inzwischen legendäre Interview, in dem er die Verfehlungen in ungelenken Worten kleinredete, hängt ihm bis heute nach.

          Der unvorsichtige Schmidt, der nun seinen Kopf hinhalten muss, und die vorsichtige Führungsspitze, die sich zurückzieht - diese Konstellation ist bezeichnend für den Diesel-Skandal, der Volkswagen seit dem 18. September 2015 wieder und wieder mit neuen Vorwürfen in die Öffentlichkeit bringt. Seit jenem Freitag im Herbst ist bekannt, dass sich der Konzern auch dann mit technischen Innovationen hervortut, wenn es darum geht, technische Unzulänglichkeiten zu verdecken.

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