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Toyota testet Wasserstoff : Rennfahren für den Umweltschutz

Sonderweg: Wasserstoffwagen von Toyota bei einem Rennen im Süden Japans Bild: Toyota

Toyota testet in Japan Wasserstoffmotoren – damit geht der Branchenriese einen ungewöhnlichen Alleingang. Bis zum Schritt in die Verkaufsräume wird es noch sehr lange dauern.

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          Auf dem Weg zum carbonneutralen Autoverkehr verfolgt ein großer Autohersteller einen Sonderweg. Konzerne wie Volkswagen, General Motors oder Ford sehen die Zukunft des Autos weit überwiegend im batteriegespeisten Elektroantrieb. Doch der globale Marktführer Toyota Motor plant auch langfristig mit einem breiten Angebot an Antrieben. Die Kunden, nicht die Politik sollen nach Meinung Toyotas entscheiden, mit welchem umweltfreundlichen Antrieb sie unterwegs sein wollen.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die Sonderstellung wird besonders deutlich in Toyotas Bemühen um Wasserstoffverbrennungsmotoren. „Wir wollen mehrere Optionen anbieten, um regionale Bedürfnisse zu erfüllen“, sagte Naoyuki Sakamoto am Montag in einer Pressekonferenz. Sakamoto ist Chefingenieur eines Rennwagens des Typs Corolla, der von einem mit Wasserstoff gespeisten Verbrennungsmotor angetrieben wird. Schon dreimal in diesem Jahr hat Toyota mit diesen Motoren in Japan testweise Autorennen bestritten, darunter ein 24-Stunden-Rennen am Fuji Speedway.

          Über den Zeitplan für eine Kommerzialisierung der Technik schweigt das Unternehmen sich aus. Im Internet kursieren Spekulationen, dass die nächste Generation des Hybridautos Prius um 2025 auch mit Wasserstoffmotor zu haben sein werde. Toyota sieht den Motor als Option für Länder oder ländliche Gegenden, in denen ein weitflächiges Ladenetz für batteriegetriebene Elektroautos schwer zu errichten ist.

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          Die Autos basieren auf einer anderen Idee als das Wasserstoffauto Mirai. Im Mirai wird der Wasserstoff genutzt, um in einer Brennstoffzelle Strom zu erzeugen, der einen Elektromotor antreibt. In dem Wasserstoffmotor aber wird der Treibstoff anstelle von Benzin verbrannt, um Antriebsenergie zu erzeugen.

          Toyota betont die Vorteile der Technik. Der Wasserstoffverbrenner habe mehr Kraft als Brennstoffzellenautos. Das Auto ließe sich zügig wie heute ein Benziner betanken. Aus dem Auspuff käme nur umweltfreundlicher Wasserdampf, abgesehen von einer winzigen Menge an Stickoxiden, weil auch ein wenig Schmieröl verbrannt werde. Das ließe sich herausfiltern, sagt Toyota.

          Reguläre Verbrennungsmotoren in der Produktion ließen sich durch wenige Modifikationen auf Wasserstoff als Treibstoff umrüsten, erklärte Sakamoto. Das könne Kapitalinvestitionen in neue Produktionsstraßen für Elektroautos und in Batteriefabriken ersparen. Der neue Antrieb erfordert extrastabile Tanks, weil Wasserstoff explodieren kann. Toyota sieht darin aber nicht mehr Schwierigkeiten als im Schutz von Lithiumbatterien vor Bränden. Im Mirai ist das Problem schon gelöst.

          Auch auf Elektroautos setzt das japanische Unternehmen

          Als Schwierigkeit benennt Toyota die Energieeffizienz des Wasserstoffmotors, ohne näher ins Detail zu gehen. Unklar sind die Kosten, um umweltfreundlichen Wasserstoff in genügendem Ausmaß für eine großflächige Verbreitung der Technik zu erzeugen. Eine weitere Hürde ist die Infrastruktur. Vom Brennstoffzellen-Fahrzeug Mirai hat Toyota in sieben Jahren global gerade mal 16.400 Fahrzeuge verkauft. Der hohe Preis, aber vor allem fehlende Wasserstofftankstellen verhinderten bislang eine schnellere Verbreitung der umweltfreundlichen Technik. Der Wasserstoffverbrenner stünde vor demselben Problem.

          Neben dem Sonderweg des Wasserstoffmotors ist Toyota wie die anderen Autohersteller auch auf den Zug der batteriegespeisten Elektroautos aufgesprungen. Das Unternehmen erforscht neue Batterietechnik, um die Ladekapazität zu erweitern und um den Einsatz teurer seltener Mineralien zu verringern. Erst vergangene Woche hatte der Autohersteller angekündigt, seine erste Batteriefabrik in den Vereinigten Staaten zu bauen. Toyota will 2030 etwa 8 Millionen elektrifizierte Fahrzeuge verkaufen, darunter 2 Millionen batteriegespeiste Elektroautos und Brennstoffzellenfahrzeuge. 

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