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Mobilitätswende : VW und Ford kooperieren für das Auto der Zukunft

Volkswagen-Mitarbeiter arbeiten in der gläsernen VW-Manufaktur in Dresden. Bild: dpa

Nach langen Beratungen soll die Allianz der Autokonzerne für das autonome Fahren und die Elektromobilität in der kommenden Woche beschlossen werden. Das hat gleich zwei Vorteile.

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          Nach langen, teilweise zähen Verhandlungen ist es nun soweit: Kurz vor der Sommerpause will der Aufsichtsrat von Volkswagen in der kommenden Woche den Weg frei machen für eine enge Kooperation des Wolfsburger Konzerns mit dem amerikanischen Automobilunternehmen Ford. Es sei wahrscheinlich, dass sich das Gremium dann damit befasse und den Plänen des Vorstands zustimme, hieß es am Donnerstag in informierten Kreisen. VW und Ford wollen dann beim autonomen Fahren und bei der Elektromobilität enger zusammenarbeiten und ihre Kräfte bündeln.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Bei Volkswagen bündelt sich die Verantwortung für das autonome Fahren bei der Nutzfahrzeugsparte von VW in Hannover. Der Vorstandschef der Marke VW-Nutzfahrzeuge, Thomas Sedran, hatte im Frühjahr bereits gesagt, „die Gespräche laufen aus meiner Sicht im Moment sehr gut“ und eine baldige formale Einigung der beiden Unternehmen angekündigt. Überlegt wird dem Vernehmen nach, dass VW bei der Ford-Tochtergesellschaft Argo einsteigt, die Technik für selbstfahrende Auto entwickelt. Ford wiederum soll vom Modularen Elektrobaukasten profitieren, den Volkswagen für seine neuen Elektroautos entwickelt hat. Die Amerikaner hinken bei der Wende zur Elektromobilität ihren Wettbewerbern derzeit weit hinterher.

          Ford und VW hatten sich im Januar als ersten Schritt bereits auf die gemeinsame Entwicklung von Transportern und Pickups verständigt. Erste konkrete Verträge zum Beispiel über die Entwicklung eines Nachfolgemodells für den VW Amarok seien bereits geschlossen. Weitere Schritte sollten noch in diesem Jahr folgen. Transporter für Gewerbekunden könnten ebenso dazu zählen wie ein City-Van. Dem Vernehmen nach sollen die Transporter-Varianten des „Bullis“ in Zukunft bei Ford in der Türkei gebaut werden und damit die Profitabilität der Sparte erhöhen. Zusammen haben die beiden Unternehmen 2018 insgesamt rund 1,2 Millionen leichte Nutzfahrzeuge abgesetzt. Volkswagen Nutzfahrzeuge lieferte 2018 rund 500.000 Fahrzeuge aus – ein Plus von 0,4 Prozent.

          Offenheit für Partnerschaften 

          Nachdem die Verhandlungen zwischen den beiden Unternehmen über die Zusammenarbeit beim autonomen Fahren und bei der Elektromobilität in den vergangenen Monaten ins Stocken geraten waren, zeigten Äußerungen von VW-Chef Herbert Diess vor zwei Wochen, dass die Stolpersteine aus dem Weg geräumt worden sind. Denkbar sei eine gemeinsame Gesellschaft, die Mobilitätsdienste in den Vereinigten Staaten, in Europa und weiteren Regionen anbiete, hieß es. Beim autonomen Fahren sei eine gemeinsame Tochtergesellschaft möglich.

          Dass die Einigung Ende der Woche – der Aufsichtsrat von VW berät am Donnerstag über die Einigung, Ford dem Vernehmen nach am Freitag – bekannt gegeben wird, darauf deuteten jetzt auch Medienberichte in den Vereinigten Staaten hin. So berichtete die Wirtschaftsagentur Bloomberg unter Berufung auf Morgan Stanley, dass Ford stärker bei den Elektroautos aktiv werden will. Analysten schrieben, durch die MEB-Plattform von VW und die Kooperation bereite sich Ford auf einen großen Sprung bei der Elektromobilität vor.

          VW-Chef Diess hat die Bereitschaft der Wolfsburger, Ford Zugang zu seinem Modularen Elektrobaukasten (MEB) für die von 2020 an geplante neue Generation von Elektroautos zu gewähren immer wieder betont. Er treibt die Wende zur Elektromobilität bei Volkswagen besonders aggressiv voran. Nur mit der radikalen Wende zur Elektromobilität könne das Unternehmen die schärferen politischen Vorgaben zur Senkung des Kohlendioxids erfüllen. Das Unternehmen plant bis 2022 Investitionen von mehr als 34 Milliarden Euro in neue Elektroautos, autonomes Fahren und die Digitalisierung. Mit dem Zugang zum MEB für Ford könnten die Stückzahlen über den konzerneigenen Absatz hinaus gesteigert werden, um die Kosten je Fahrzeug zu senken, war in Wolfsburg zu hören.

          Volkswagen hat wegen der hohen Kosten auch immer wieder betont, dass diese Offenheit für Partnerschaften auch für die Entwicklung selbstfahrender Autos gelte. „Es ist kein Geheimnis, dass es eine sehr teure Geschichte ist, das zu entwickeln, und dass es schon den einen oder anderen gibt, der weit fortgeschritten ist“, sagte Finanzvorstand Frank Witter vor einiger Zeit. Als Beispiel nannte er die Google-Tochtergesellschaft Waymo, die autonome Autos schon testet.

          Insofern mache sich Volkswagen Gedanken, wie man „die Lücke und den zeitlichen Abstand schließen“ könne, indem man auf Vorhandenes aufsetze. Eine Kooperation mit Ford hätte für VW zwei Vorteile: Zum einen könnten die Entwicklungskosten geteilt werden, zum anderen sei es in den Vereinigten Staaten leichter, Genehmigungen und geeignete Regionen für den Test autonom fahrender Autos zu bekommen.

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