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VW-Abgasskandal : „Es waren nicht nur ein paar kriminelle Entwickler“

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Ein alter VW-Bully steht in Renningen (Baden-Württemberg) auf einer Teststrecke der Robert Bosch GmbH. Er soll als Hindernis dienen. Bild: dpa

Im VW-Skandal weitet sich der Kreis der Mitwisser aus. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung liegen erste Ergebnisse interner Untersuchungen vor. Demnach habe der Konzern „systematisch Kunden und Behörden getäuscht“.

          In den Skandal um gefälschte Abgaswerte sind weit mehr VW-Manager verstrickt als die Konzernspitze zunächst zugeben wollte. Dies berichtet die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung unter Berufung auf Aufsichtsratskreise. „Die These, alles sei nur das Werk von ein paar kriminellen Entwicklern, ist nicht haltbar“, heißt unter den Kontrolleuren, nachdem die ersten Ergebnisse interner Untersuchungen vorliegen. Der Konzern habe „systematisch Kunden und Behörden getäuscht.“

          Da sich der Kreis der Verdächtigen und Mitwisser so weit zieht, schwant dem Aufsichtsrat, dass er weitere externe Ermittler zur Hilfe rufen muss – zusätzlich zu der amerikanischen Kanzlei, die ihre Arbeit in Wolfsburg bereits aufgenommen hat. Vom neuen Konzernchef Matthias Müller verlangen die VW-Aufsichtsräte, dass er möglichst rasch nach Amerika fliegt und dort Reue zeigt – noch bevor er offiziell in dem Verfahren gegen Volkswagen vorgeladen wird.

          Auf einer außerordentlichen Sitzung am kommenden Mittwoch (7.10.) will der Aufsichtsrat zudem den bisherigen Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch zu seinem neuen Vorsitzenden bestimmen. Berthold Huber, der gegenwärtig kommissarisch das Gremium leitet, steht dagegen vor dem Rückzug. Der ehemalige IG Metall-Chef hatte immer erklärt, dass er im Laufe des Jahres 2015 zurücktreten werde. Dieses Wort gilt offenbar weiter. Nachrücken soll der designierte IG Metall-Vorsitzende Jörg Hofmann, sobald er Mitte Oktober vom Gewerkschaftstag offiziell gewählt ist.

          „Vertrauen nachhaltig geschädigt“

          Die Folgen des Skandals zeigen sich inzwischen auch bei den potentiellen Kunden, schreibt die F.A.S. unter Verweis auf eine ihre vorliegende Umfrage der Marktforschung puls: 41 Prozent der Befragten bezeichnen das Vertrauen in die Marke VW als „nachhaltig geschädigt“, wobei ältere Leute sich kritischer äußern als jüngere. Elf Prozent der Befragten möchten nun keinen VW mehr kaufen. Zwei von drei Befragten glauben allerdings, dass auch andere Autohersteller bei der Angabe ihrer Abgaswerte tricksen.

          Die amerikanische Umweltbehörde EPA hält wegen des Abgasskandals bei Volkswagen schärfere Regeln für die gesamte Branche für möglich. Falls schärfere Emissionstests weitere Probleme ans Licht brächten, könnten weitergehende Änderungen notwendig werden, sagte Christopher Grundler, der bei der EPA für Verkehr und Luftqualität zuständig ist, am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. „Wenn wir bei den Überprüfungen feststellen, dass diese Probleme nicht auf Volkswagen beschränkt sind, werden wir uns die Frage stellen müssen, ob wir regulatorische Veränderungen brauchen.“ Es seien aber keine massiven Verschärfungen für die gesamte Branche geplant.

          Mit den Ende September überarbeiteten Methoden soll besser erkannt werden, ob Hersteller wie VW eine bestimmte Software nutzen, um Abgastests zu manipulieren. Diese half dem Wolfsburger Konzern, Dieselfahrzeuge über Jahre als umweltfreundlicher darzustellen als sie eigentlich sind. Für die Tricksereien, die die EPA öffentlich machte, drohen VW Strafen in Milliardenhöhe. Die amerikanische Behörde führt auch Tests auf der Straße durch, weil die von VW verwendete Software Simulationen im Labor verfälschte.

          Die internationale Behörde für umweltfreundliche Transportmittel, die die Nachforschungen zur Aufdeckung der VW-Affäre mitbeauftragt hatte, erklärte zuletzt, auch Fahrzeuge von Volvo, Renault und Hyundai hätten hohe Emissionswerte gezeigt. Die Tests hätten das Fahren auf der Straße nachgestellt. Der „Financial Times“ zufolge weitet die EPA die Überprüfung von Dieselmotoren auf mindestens 28 Modelle von Herstellern wie BMW, Chrysler, General Motors, Land Rover und Mercedes aus.

          Auch in Australien wird gegen VW ermittelt. Es soll geklärt werden, ob gegen Verbraucherschutzgesetze verstoßen wurde. Die Wolfsburger setzten dort den Verkauf bestimmter Modelle aus. Dies sei ein erster Schritt, teilte VW mit. Am Freitag hatten Vertreter von Europas größtem Autohersteller mit der australischen Regierung und Verbraucherschützern über den Fall beraten.

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