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VW-Skandal : Ein Abend mit dem Audi-Chef

  • -Aktualisiert am

Audi-Chef Rupert Stadler Bild: Reuters

Rupert Stadler scheut trotz des VW-Skandals nicht die Öffentlichkeit. Der Audi-Chef redet vor der amerikanischen Handelskammer in Frankfurt – und lobt die Reputation seiner Marke in den Vereinigten Staaten.

          Es war ein brenzliger Termin für Rupert Stadler. Schließlich ist er als Vorstandsvorsitzender von Audi direkt von den Manipulationsvorwürfen an Dieselmotoren betroffen und niemand hätte sich gewundert, wenn er abgetaucht wäre in diesen Zeiten. Doch schon am Donnerstagmorgen hieß es, der Vortrag von Stadler beim „President's Dinner“ der amerikanischen Handelskammer in Frankfurt zur IAA finde wie angekündigt statt.

          Stadler hielt Wort. Er ließ sich am Abend von all dem Durcheinander der vergangenen Tage nichts anmerken, sondern begann gut gelaunt seine Rede. Kein Wort zu Volkswagen, nicht einmal, um auf die Doppeldeutigkeit seines Vortrags hinzuweisen: „Freedom of Movement: Das Auto der Zukunft bewegt den American Dream“, lautete das Thema immerhin. Ein Gast sagte schon vor Beginn der Veranstaltung: „Eigentlich kann man seine Rede nur ironisch verstehen“.

          Und in der Tat wurden es teils skurrile 30 Minuten, in der man bei jedem Satz darüber nachdachte, wie man ihn denn vor dem aktuellen Hintergrund deuten solle. Stadlers Rede drehte sich eigentlich um das fahrerlose Fahren und wie weit die Industrie in dieser Entwicklung schon ist. Auch über Elektromobilität sprach er. Doch bei Sätzen wie „Die Zukunft der Mobilität hat begonnen, und damit begegnen wir einer der größten Herausforderungen unserer Zeit, nämlich dem Klimawandel“, grinste der ein oder andere Gast im Saal. In den Vereinigten Staaten gelte die Maxime, so Stadler in einem anderen Zusammenhang: Was nicht verboten sei, sei erlaubt. In Deutschland sei es genau anders herum: „Was nicht erlaubt ist, ist erst einmal verboten“. Manchmal solle man sich doch mehr an den Amerikanern orientieren.

          „A Extrawurscht, die kost immer mehr“

          Mit Blick auf das Freihandelsabkommen TTIP betonte er, dass Standards das A und O eines gemeinsamen Wirtschaftsraums seien. Das gelte sowohl für die Produkte, als auch für die Testverfahren. Er zitierte dabei die Metzgerin aus seiner bayrischen Heimat: „A Extrawurscht, die kost immer mehr.“

          Stadler lobte auch die Verkaufszahlen von Audi in den Vereinigten Staaten. Von Januar bis August hätte das Unternehmen dort um 12 Prozent zugelegt. Der Absatz der vertriebenen Originalteile sei doppelt so hoch wie 2010. 56 Monate in Folge habe es bisher Verkaufsrekorde und -erfolge gegeben. Den Abgas-Skandal völlig ausblendend sagte Stadler: „Wir haben uns Schritt für Schritt Reputation in den USA erarbeitet“.

          Erst nach seiner Rede, als aus dem Publikum Fragen gestellt werden durften, äußerte er sich direkt zum aktuellen Skandal. Man denke nicht im Traum daran, den Diesel aufzugeben. „Sie fahren mit einem Diesel hocheffizient.“ Man solle die Qualitäten des Dieselmotors nicht mit den aktuellen Vorwürfen vermischen. Er sei ein Inbegriff an Sportlichkeit, weil er ein tolles Drehmoment habe, außerdem sei er kundenfreundlich, weil er den Geldbeutel schone. Aus Unternehmenssicht brauche man den Diesel schon alleine, um die CO2-Vorgaben für die eigene Fahrzeugflotte einhalten zu können. “Wir sollten den Diesel, trotz aller Diskussionen, die jetzt darum entstehen, bitte nicht verteufeln.“

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