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Reaktion auf Sinn und Buchal : E-Autos sind gar nicht so umweltfreundlich? VW kontert

Ein Elektro-Volkswagen steht in der Innenstadt an einer Ladesäule. Bild: dpa

E-Antriebe sind nicht sauberer als Verbrenner, sagen einige Kritiker. VW tritt dieser These jetzt mit einer eigenen Studie entgegen – und heizt damit die Debatte um die Zukunft der Mobilität weiter an.

          Es ist eine provokante These, die seit einigen Tagen heiß diskutiert wird: Elektroautos entlasteten die deutsche Klimabilanz nur auf dem Papier, argumentieren der Kölner Physikprofessor Christoph Buchal und der ehemalige Präsident des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, in einer Studie. Der Volkswagen-Konzern tritt dem jetzt mit einer eigenen Analyse entgegen.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Er kommt zu dem Ergebnis, dass E-Autos mit Blick auf die Klimabilanz schon heute deutlich besser abschneiden als vergleichbare Modelle, die mit Verbrennungsmotor fahren. Wenn die Technologie in Zukunft weitere Fortschritte mache und der Strommix mehr Erneuerbare Energien enthalte, würden die Vorteile noch größer, teilte der Konzern am Mittwoch mit. Damit leisteten E-Autos einen wichtigen Beitrag, um das sogenannte „Zwei-Grad-Ziel“ der internationalen Klimapolitik zu erreichen. Es sieht vor, die globale Erwärmung auf weniger als zwei Grad Celsius bis zum Jahr 2100 gegenüber dem Niveau vor Beginn der Industrialisierung zu begrenzen.

          Konkret hat der Konzern mehrere Modellvarianten des Typs VW-Golf mit unterschiedlicher Antriebstechnik über ihren gesamten Lebenszyklus untersucht, von der Gewinnung der für den Bau nötigen Rohstoffe über den Fahrbetrieb bis hin zur Verschrottung nach einer Laufleistung von etwa 200.000 Kilometern (Life-Cycle-Assessment). Das Ergebnis: Für den aktuellen Golf TDI mit Dieselmotor ergibt sich über den gesamten Lebenszyklus eine Emission von durchschnittlich 140 Gramm CO2 je Kilometer, während der E-Golf einen Wert von 119 Gramm erreicht.

          Gesamte Produktion bis 2050 CO2-neutral

          Zwar fällt die Bilanz des Elektromodells in der Bauphase schlechter aus, weil in der Batterieproduktion und der aufwendigen Gewinnung der Rohstoffe mehr CO2 freigesetzt wird. Nach einer Laufleistung von etwas mehr als 100.000 Kilometern kreuzen sich aber die Emissionskurven, so dass die Rechnung danach zu Gunsten des E-Golfs ausfällt. Basis der durch unabhängige Gutachter zertifizierten Berechnung ist laut VW der neue WLTP-Abgasprüf- und Verbrauchsstandard.

          VW geht davon aus, dass sich bis zum Jahr 2030 weitere Einsparungen erzielen lassen. So würden die Batterien leistungsfähiger, was mit einer geringeren CO2-Belastung je Kilowattstunde Kapazität einhergehe. Auch durch sauberen Strom in der Fertigung werde bald weniger emittiert. VW erwartet überdies, dass auch für das „Tanken“ von Elektroautos in der Zukunft in allen relevanten Märkten mehr sauberer Strom zur Verfügung steht, was ebenfalls für die E-Autos spreche

          Als Beispiel rechnet VW vor, dass im heutigen deutschen Strommix die Belastung durch die Herstellung der Autos und den Strom zum Aufladen an Tankstellen etwa 142 Gramm CO2 je gefahrenem Kilometer beträgt. Würde alleine Windstrom verwendet, sinke der Wert auf etwa 59 Gramm. Ein sauberes Recycling der Batterie spiele ebenfalls eine Rolle. Dafür will der Konzern in Salzgitter demnächst eine Pilotanlage eröffnen.

          Der VW-Vorstandsvorsitzende Herbert Diess hatte Mitte März angekündigt, in den kommenden zehn Jahren auf der eigenen Produktionsplattform 22 Millionen Elektroautos bauen zu wollen. Das sind sieben Millionen mehr als bislang geplant. Bis 2028 stehen knapp 70 neue Elektromodelle auf dem Plan, zuvor war von 50 die Rede gewesen. Die gesamte Produktion im Konzern solle bis 2050 CO2-neutral werden.

          Im Falle des wasserstoffbetriebenen Brennstoffzellenautos falle in der Produktion der gleiche CO2-Ausstoß wie bei einem E-Auto an, sagte Marko Gernuks, Leiter Umweltanalyse im Konzern, am Mittwoch in einer Telefonkonferenz. Beim Fahren sei das E-Auto mit Akku an Bord effizienter, dennoch könnten Brennstoffzellen für längere Distanzen eine Alternative sein.

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