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Stuttgart : Staatsanwälte leiten Ermittlungen gegen VW-Chef Müller ein

VW-Konzernchef Matthias Müller Bild: dpa

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Marktmanipulation gegen VW-Chef Müller aufgenommen. Auch gegen zwei weitere hochkarätige Manager wird ermittelt.

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          Wegen seiner Unschuld hat man ihn zum VW-Chef gemacht: Matthias Müller, früher erfolgreicher Porsche-Chef, schien in Sachen Dieselskandal eine weiße Weste zu haben. Jetzt aber ist er zumindest unter Verdacht. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat gegen Müller Ermittlungen eingeleitet, ebenso gegen Aufsichtsratschef Hans-Dieter Pötsch sowie gegen den früheren VW-Chef Martin Winterkorn.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Konkret geht es es um den Verdacht, diese Manager könnten es bewusst unterlassen haben, die Aktionäre der Porsche SE in Sachen Dieselskandal rechtzeitig zu informieren. Die Porsche SE, die von den Familien Porsche und Piëch kontrolliert wird, ist Hauptaktionärin der Volkswagen AG. Daher sind alle großen, kursbewegenden Ereignisse im Hause Volkswagen auch für die Kursentwicklung der Porsche SE relevant.

          Diskussionsstoff für die Hauptversammlung

          Strafanzeigen von Aktionären der Porsche SE gab es indes nicht. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Stuttgart gehen zurück auf eine Strafanzeige der Finanzaufsicht Bafin aus dem vorigen Sommer. „Gegen die Beschuldigten besteht der Anfangsverdacht, den Anlegern die sich aus den Software-Manipulationen bei Dieselfahrzeugen der Volkswagen AG ergebenden, insbesondere finanziellen Konsequenzen für die Porsche SE bewusst verspätet mitgeteilt zu haben“, heißt es in einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft. Ausdrücklich wird mit Blick auf die laufenden Ermittlungen ausgeschlossen, dass weitere Details genannt werden.

          Das Ermittlungsverfahren wird für Diskussionen auf der Hauptversammlung der Porsche SE am 30. Mai sorgen – denn der Beschuldigte Hans Dieter Pötsch ist aktuell der amtierende  Vorstandsvorsitzende der Holding, und VW-Chef Matthias Müller ist ebenfalls Mitglied im aktuellen Vorstand der Porsche SE. Martin Winterkorn, gegen den ebenfalls ermittelt wird, ist nicht mehr in der Holding tätig, war aber in der relevanten Zeit Vorstandschef der Porsche SE. Weitere Beschuldigte gibt es nach Angaben der Staatsanwaltschaft Stuttgart in diesem Fall nicht.

          Bis zu fünf Jahre Gefängnis möglich

          2015 hatten Behörden in den Vereinigten Staaten aufgedeckt, dass Volkswagen Stickoxid-Werte von Dieselfahrzeugen manipulierte. Weltweit waren schließlich Millionen Autos betroffen, Europas größter Autokonzern stürzte in eine tiefe Krise. Unmittelbar nach dem öffentlichen Bekanntwerden der Fälschungs-Software Ende September 2015 brach der Börsenkurs der VW-Aktie ein. Im Kern geht es bei den Vorwürfen um die Frage, ob die Manager den Kapitalmarkt rechtzeitig über die Probleme informierten. Laut Gesetz müssen Nachrichten, die den Firmenwert beeinflussen können, umgehend („ad hoc“) veröffentlicht werden. Volkswagen erklärte bisher, sich an alle gültigen Regeln gehalten zu haben.

          Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft ist im aktuellen Fall zuständig, weil die Porsche-Holding in der Hauptstadt Baden-Württembergs ihren Sitz hat. Bei nachgewiesener Marktmanipulation droht eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine hohe Geldstrafe.

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