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Milliardeninvestition : VW verhandelt mit der Türkei über neues Autowerk

Herbert Diess war persönlich in der Türkei Bild: dpa

Nach F.A.Z.-Informationen ist VW-Chef Herbert Diess in dieser Woche für die entscheidenden Gespräche nach Istanbul gereist. Es geht um ein neues Werk nahe Izmir.

          Die Hinweise verdichten sich, dass Volkswagen sein nächstes Autowerk in der Türkei bauen wird. Nach Informationen der F.A.Z. hat der Vorstandsvorsitzende des Konzerns, Herbert Diess, das Land am Mittwoch besucht, um über die Details zu sprechen. Das Unternehmen bestätigte erstmals, dass die Türkei zu den zwei Standorten gehört, die noch im Rennen sind; der andere ist Bulgarien

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          „Sicher wäre die Türkei ein attraktiver Standort für eine neue Produktionsstätte des Volkswagen-Konzerns“, sagte ein VW-Sprecher. Es gebe „konkrete Verhandlungen“ und „Gespräche auf höchster Ebene“. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.

          Informationen der F.A.Z. zufolge geht es um ein etwa 40 Hektar großes Grundstück nahe der Hafenstadt Izmir, der drittgrößten Stadt in der Türkei. Dort war bis 2001 Opel ansässig. Auf dem Gelände soll ein so genanntes Mehrmarkenwerk zur Fertigung der SUV-Modelle Karoq von Skoda und Ateca von Seat unterkommen. Auch die Ansiedlung von Zulieferern ist geplant. Die Investitionskosten werden auf 1,3 bis 2 Milliarden Euro geschätzt, die Türkei bietet angeblich eine staatliche Förderung von  rund 100 Millionen Euro.

          „Höchste Qualitätsstandards und Liefertreue“

          Der VW-Sprecher erinnerte an die guten Erfahrungen, die der Konzern in der Türkei gesammelt habe. Die Tochtergesellschaft MAN produziere bereits seit vielen Jahren in Ankara, wo sie ein Kompetenzzentrum für so genannte Hochboden- und Niederflur-Busse unterhalte. Die Fertigung dort stehe „für höchste Qualitätsstandards und Liefertreue“, lobte der Sprecher. Auch in anderer Hinsicht sei die Gruppe jetzt schon eng mit der Türkei verbunden. Das Beschaffungsvolumen bei dortigen Zulieferern betrage mehr als 1,2 Milliarden Euro im Jahr.

          Türkischen Quellen zufolge ist das Land zudem ein wichtiger Markt für die Wolfsburger. 2018 war VW dort mit fast 67.000 verkauften Autos die begehrteste Marke. Hinzu kamen 21.000 Fahrzeuge von Skoda, das ebenfalls zu Volkswagen gehört. Doch anders als die Konkurrenten von Renault, Fiat, Ford, Toyota und Hyundai ist VW bisher der einzige unter den sechs erfolgreichsten Herstellern in der Türkei, der nicht am Ort fertigt. Das könnte sich jetzt ändern.

          Mit 1,5 Millionen im Jahr gefertigten Pkw gehöre VW „heute schon zu den größten Autoproduzenten in Europa“ stellte der VW- Sprecher klar. Das Land ist zwar nicht Mitglied der EU; die Beitrittsgespräche liegen wegen der zunehmend autoritären Herrschaft von Präsident Recep Tayyip Erdogan auf Eis. Das kleinasiatische Land bildet aber seit den Neunzigerjahren eine Zollunion mit der EU, weshalb auf Industrieprodukte wie Autos oder Autoteile keine Zölle anfallen.

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