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Nach Abgasaffäre : VW-Manager wollen nicht auf ihre Boni verzichten

  • Aktualisiert am

VW-Vorstände Müller und Dies im Februar in Genf. Müller hatte Ende 2015 noch dafür geworben, die Gehälter des Vorstands in der Krise zu kürzen. Bild: dpa

Volkswagen steckt in der Krise. Trotzdem bestehen die Vorstände auf hohen Bonuszahlungen. Derweil eskaliert der Konflikt zwischen Betriebsrat und Management weiter.

          Dass es bei Volkswagen gut läuft, kann gerade wohl kaum jemand behaupten. Die Vorwürfe, die Abgasemissionen durch eine Software-Manipulation künstlich und rechtswidrig gedrosselt zu haben, wiegen schwer. Die Vorstände sprechen von einer „existentbedrohenden Krise“, doch auf ihren Bonus wollen sie trotzdem nicht verzichtet. Das berichtet das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“.

          Kurz vor der Entscheidung des Aufsichtsrats über die Entlohnung der Vorstände wollen Top-Manager nur eine Kürzung ihrer Bonuszahlungen hinnehmen, aber keinesfalls vollständig darauf verzichten. Zur Größenordnung: Im Jahr 2014 hatte der damalige VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn mehr als drei Millionen Euro Bonus kassiert.

          Noch Ende 2015 hatte sich der neue VW-Chef Matthias Müller noch für eine Gehaltskürzung ausgesprochen. „Es ist klar, dass wir den Gürtel enger schnallen müssen. Auch hier muss die Unternehmensspitze Vorbild sein.“

          Besonders kritisch beäugt wird laut „Spiegel“ eine Sonderzahlung an Hans Dieter Pötsch. Offenbar ließ dieser sich bei seinem Wechsel an die Aufsichtsratsspitze eine Entschädigung von bis zu zehn Millionen Euro dafür bezahlen, dass sein Vorstandsvertrag eigentlich noch bis 2017 gelaufen wäre und ihm höhere Einnahmen garantiert hätte.

          Unterdessen ist ein heftiger Streit zwischen dem mächtigen Betriebsrat und dem Management eskaliert. Die schon
          seit Monaten andauernde Konfrontation mit dem Vorstand der VW-Kernmarke ist aus Sicht der Arbeitnehmervertreter an einem neuen Höhepunkt angelangt. Da ein „gravierendes Vertrauensproblem“ vorliege, ruft Betriebsratschef Bernd Osterloh nun zu Gesprächen über einen „Zukunftspakt“ an den Verhandlungstisch. Mit dieser Offensive steht dem Vorstand auch mit Blick auf das Diesel-Debakel eine Machtprobe ins Haus.

          Es gebe keine Basis mehr für die bisherige Form der Zusammenarbeit, heißt es aus dem Betriebsrat. Diskussionen über einen „Zukunftspakt“ seien nötig, um die aktuellen Spekulationen zur Sicherheit von Jobs und Werken in Deutschland zu beenden. „Darin wollen wir feste Produkt-, Stückzahl- und Investitionszusagen für die nächsten Jahre festschreiben“, schrieb der Betriebsrat an die VW-Belegschaft. Das erfuhr die Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag von Vertrauensleuten der IG Metall. Der Brief ging unter anderem per E-Mail auf den Weg.

          Der Vorstand der VW-Kernmarke zeigte sich bereit, rasch in Gespräche über mehr Planungssicherheit und Gewissheit für die künftigen Jobs einzusteigen. „Das Schreiben des Betriebsrats sehen wir als sehr gute Vorlage für die weitere Arbeit. Wir begrüßen ausdrücklich das Verhandlungsangebot für einen langfristigen Zukunftspakt", sagte VW-Personalchef Karlheinz Blessing der dpa auf Anfrage. „Die Sicherung der Standorte liegt auch im Interesse des Vorstands. Die Gespräche werden wir zügig und konstruktiv führen."

          Der mit dem Schreiben in die Belegschaft getragene Konflikt markiert eine neue Qualität. Osterloh und VW-Markenchef Herbert Diess gerieten seit dem Ausbruch der Diesel-Krise schon mehrfach aneinander, es knallte heftig. Ein offener Bruch blieb aber aus. Das ist nun anders.

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