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Anklage gegen VW : Neue Vertuschungs-Vorwürfe gegen Volkswagen

  • Aktualisiert am

Licht am Ende des Tunnels? Volkswagen stellt in Detroit ein neues Modell vor. Bild: AFP

Der Volkswagen-Konzern kommt nicht zur Ruhe. Nun werfen amerikanische Behörden dem Autobauer vor, Vertuschung erlaubt zu haben. Die Details kommen zu einem ungünstigen Zeitpunkt.

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          Die amerikanische Justiz wirft der Konzernspitze von Volkswagen Vertuschungen im Dieselskandal vor. Noch wenige Monate vor dem Auffliegen der Affäre hätten Manager des Wolfsburger Autobauers bei Mitarbeitern die Verheimlichung der Abgas-Manipulationen abgesegnet, heißt es in einer am Montag vom zuständigen Gericht in Detroit veröffentlichten Strafanzeige gegen einen leitenden VW-Angestellten.

          Der Mann habe zu einer Gruppe von Mitarbeitern gehört, die das Management bei einem Treffen am 27. Juli 2015 über die Risiken des Betrugs informierten. Statt die Aufklärung des Falls gegenüber den schon unter Hochdruck gegen VW ermittelnden Behörden anzuordnen, habe die Konzernführung autorisiert, die Tricksereien weiter unter den Teppich zu kehren. Ähnliche Verdächtigungen hatte es schon zuvor gegeben.

          Die Ermittler stützen sich nun aber auf die eidesstattliche Erklärung eines FBI-Agenten und Aussagen mehrerer VW-Insider, die als Zeugen mit der Bundespolizei FBI kooperieren. Am 18. September 2015 war der Skandal aufgeflogen, nachdem die Umweltbehörden ihre Vorwürfe gegen VW öffentlich gemacht hatten. Ein Sprecher des Konzerns wollte sich nicht zu den neuen Anschuldigungen äußern.

          Einer der aufgeführten Zeugen behauptet, sich mit der Entscheidung, den Abgas-Betrug letztlich zuzugeben, über die Anweisungen seiner Abteilungsleitung hinweggesetzt zu haben. Angeblich hielten die Vorgesetzten sogar vor einem Treffen mit der kalifornischen Umweltbehörde im August 2015 noch an der Devise fest, den Abgas-Betrug nicht einzugestehen.

          Anreize für Kronzeugen

          Die Aussagen stammen allerdings von VW-Mitarbeitern, denen selbst Beteiligungen an der Dieselaffäre zur Last gelegt werden – darunter ein langjähriger Ingenieur, der nach einer Strafanzeige im September einen Kronzeugen-Deal gemacht hatte. Je mehr sie mit ihren Informationen zur Aufklärung des Kriminalfalls beitragen, desto glimpflicher könnten sie selbst davonkommen.

          Amerika : FBI klagt VW-Manager im Dieselskandal an

          Das FBI hatte den angeklagten VW-Manager nach Angaben eines Sprechers am vergangenen Samstag in Miami festgenommen. Dem Mann, der am Nachmittag (Ortszeit) erstmals dem Richter vorgeführt werden sollte, wird eine Beteiligung an der massenhaften Fälschung von Abgaswerten bei Hunderttausenden Dieselwagen und Irreführung der amerikanischen Behörden vorgeworfen. Der Angeklagte und seine Anwälte waren zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

          Die Strafanzeige gegen den nach Behördenangaben seit Jahren für VW tätigen und bis März 2015 in leitender Funktion mit Umweltfragen in den Vereinigten Staaten betrauten Mitarbeiter war bereits am 30. Dezember 2016 beim Gericht in Detroit eingereicht worden. Die Strafanzeige wurde jedoch erst jetzt, nach der Festnahme, vom Justizministerium veröffentlicht.

          Einer Sprecherin der Bundesanwaltschaft in Detroit zufolge soll der Mann – sofern das dortige Gericht zustimmt und er und seine Anwälte sich nicht dagegen wehren – möglichst schnell an den Ort des Verfahrens in Detroit gebracht werden. Der VW-Manager dürfe das Land nicht verlassen und könnte auch in Gewahrsam genommen werden, wenn er sich seiner Auslieferung nach Michigan widersetzen sollte, so die Sprecherin weiter.

          Die Vorwürfe kommen zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Der Konzern steht in den kurz vor einer Einigung mit den Behörden, um die strafrechtlichen Vorwürfe gegen das Unternehmen – nicht gegen einzelne Manager – in einem Vergleich beizulegen. Noch in dieser Woche sollte es soweit sein, kurz vor der Amtsübernahme des künftigen Präsidenten Donald Trump. Das war das erklärte Ziel des Konzerns, der nicht mit einer Trump-Administration wieder von Neuem anfangen wollte, zu verhandeln.

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