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VW-Abgasskandal : Entehrt

Piëch trifft erstmals wieder seinen alten Zögling

Am Donnerstag kommt es in der Wolfsburger VW-Zentrale zu einem historischen Treffen: Martin Winterkorn, gerade abgesetzter Vorstandsvorsitzender des Konzerns, sitzt zum ersten Mal wieder in einem Raum mit Ferdinand Piëch, dem Mann, der ihn unbedingt hatte loswerden wollen und darüber selbst seine Ämter im VW-Imperium verloren hat. Den Sitz im Aufsichtsrat der Porsche SE hat Piëch noch, der Holding, welche die VW-Aktien des Porsche-Piëch-Clans verwaltet, und Großaktionär bleibt Ferdinand Piëch nach wie vor. In dieser Funktion beaufsichtigt er Winterkorn, denn auch der ist zunächst ja nur von seinem VW-Amt zurückgetreten, darf sich noch Vorstand der Porsche SE nennen.

„Ich bin auf Distanz zu Winterkorn“, hatte Piëch, der alte Fuchs, im April geraunt – und geglaubt, mit diesem Halbsatz, wie so oft zuvor, die Karriere eines in Ungnade gefallenen Zöglings zu zertrümmern. Diese Schlacht hat Winterkorn gewonnen, dafür aber seine Vaterfigur verloren. Das habe ihn erschüttert und dauerhaft verändert, berichten Menschen aus seiner Umgebung. Seither sei Winterkorn nicht mehr der Alte.

Verschwörungstheoretiker werden auf den Plan gerufen

Und Piëch, der zuvor Allmächtige, war geschlagen. Zum ersten Mal und für immer, so zumindest dachten „Wikos“ Helfer. Allenfalls die Möglichkeiten der Rache haben sie durchbuchstabiert. Viel ist ihnen nicht eingefallen: Die Zeit der Obstruktion durch den Alten ist vorbei, lautete die Parole.

Diese Sicht auf die Dinge ändert sich in dem Moment, als das Diesel-Desaster seine volle Wucht entfaltet. Steckt am Ende Piëch hinter allem? Ist es seine letzte Rache an seinem ehemaligen Ziehsohn? Das alles kann kein Zufall sein, heißt es rasch - ein Skandal pünktlich zur Internationalen Automobilmesse IAA, nur fünf Tage vor der Vertragsverlängerung für Winterkorn. Dahinter müssen böse Mächte stecken, also: Ferdinand Piëch, der genialische Ingenieur, der habe das ganze Schlamassel angezettelt, sein Einfluss reiche bis tief in amerikanische Behörden. „Das alles ist eine große Intrige“, glauben auch Weggefährten Winterkorns. Piëch, der Österreicher, labe sich daran, wie der Schwabe Winterkorn aus dem Amt gefegt wird. Dass dabei Milliarden an Vermögen, auch das von Piëch selbst, vernichtet wurde, stört die Verschwörungstheoretiker nicht: „Psychopathen sind blind vor Rache.“

Leute, die Piëch in der Skandalwoche aus nicht so großer Distanz erleben, schildern dessen aktuelle Gemütslage anders. Gewiss, Ferdinand Piëch ist skrupellos, brutal und womöglich auch mit destruktiver Lust ausgestattet. Doch warum sollte er sich selbst schädigen? Sein Lebenswerk (als solches sieht er VW) zerstören? Und sich dann auch noch in die Gefahr begeben, selbst von der Justiz belangt zu werden? Zu der fraglichen Zeit des Betrugs war er der Oberaufseher des Konzerns, niemand kann ihm folglich garantieren, dass er ungeschoren davonkommt.

Hans Dieter Pötsch gehört das Vertrauen

Ausgesprochen werden diese bösen Verdächtigungen in der Sitzung der Porsche SE am Donnerstag nicht. Auch die Frage, was aus Martin Winterkorn in der Holding werden soll, bleibt unerörtert. Da er nicht abberufen wird, behält er vorerst seinen Titel. Dass dies noch lange so bleibt, übersteigt die menschliche Phantasie: Wie soll Winterkorn als Chef des VW-Großaktionärs Porsche SE im nächsten Frühjahr auf der Hauptversammlung über die Aufarbeitung des Skandals richten, für den er mit dem Rücktritt in Wolfsburg selbst die Verantwortung übernommen hat? Undenkbar, zumal Ferdinand Piëch ihn dazu stützen müsste. Das wird nicht passieren.

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