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Zulassungszahlen : Die Kunden verschmähen Volkswagen

  • Aktualisiert am

Frostig bei VW. Bild: dpa

Volkswagen verlieren in Deutschland an Beliebtheit. Im November haben sich die Zulassungszahlen weiter verschlechtert. Jetzt holt sich der Konzern anderswo Geld.

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          Volkswagen hat im November abermals weniger Autos in Deutschland auf die Straße gebracht als ein Jahr zuvor. Die Zahl der Neuzulassungen der Pkw-Kernmarke VW sank im zweiten Monat nach dem Bekanntwerden des Abgas-Skandals um zwei Prozent auf 57.923 Autos, wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) an diesem Mittwoch mitteilte. Der Gesamtmarkt wuchs dagegen um 8,9 Prozent auf 272.377 neu zugelassene Autos. Im Oktober war das Minus für VW etwas kleiner ausgefallen. An der Börse fiel der VW-Aktienkurs um rund 4 Prozent.

          Auch in den Vereinigten Staaten hatte VW im November die Folgen des Abgas-Skandals zu spüren bekommen. Die Verkäufe waren hier im Jahresvergleich sogar um fast ein Viertel eingebrochen. Probleme bei Autoherstellern schlagen dort in der Regel schneller auf die Zahlen durch, weil Neuwagen meist direkt vom Hof verkauft und nicht erst vom Kunden bestellt werden. So bleiben auch die Neuzulassungs-Einbußen von Volkswagen in Deutschland noch relativ begrenzt.

          Abgasskandal : VW präsentiert die technischen Maßnahmen im Video

          Volkswagen hat an diesem Mittwoch abermals die Mitarbeiter zur Betriebsversammlung nach Wolfsburg eingeladen, um sie über die weiteren Schritte zu informieren. „Niemand darf den Kopf in den Sand stecken“, sagte Aufsichtsrat und Miteigentümer Wolfgang Porsche während der nicht öffentlichen Veranstaltung laut Redetext: „Niemand darf glauben, dass der Abgas-Skandal wie ein Gewitter vorbeizieht und danach wie aus heiterem Himmel wieder schönes Wetter kommt.“ Der Konzern könne die schwere Krise aber meistern: Mit einem konsequenten Handeln werde VW den Weg aus „dieser Lage finden“.

          Zu dieser zweiten Betriebsversammlung seit Ausbruch des Diesel-Debakels im September kamen nach Betriebsratsangaben bis zu 20.000 Mitarbeiter. Teilgenommen haben auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) und der komplette Vorstand um VW-Chef Matthias Müller.

          Im großen Volkswagenreich gibt es aber auch ermutigende Signale. Die VW-Tochtergesellschaften Audi und Skoda legten im November zu. Beide hatten ebenfalls Autos verkauft, deren Abgasmessungen und Verbrauchswerte manipuliert worden waren. Bei den anderen großen deutschen Herstellern Mercedes-Benz und BMW stiegen die Zulassungszahlen ebenfalls.

          Banken geben 20 Milliarden Euro Kredit

          Volkswagen hat sich offenbar mit mehreren Banken auf einen Überbrückungskredit von 20 Milliarden Euro geeinigt, um die Kosten des Abgasskandals abzufedern. Insgesamt hätten 13 Banken Kreditangebote gemacht, sagten mehrere Personen mit Kenntnis der Vorgänge am Mittwoch. Die Institute hätten VW insgesamt sogar 29 Milliarden Euro an Krediten angeboten, je Bank entweder 1,5 oder 2,5 Milliarden Euro für ein Jahr. Die genauen  Tranchen sollten in den nächsten Tagen zugeteilt werden. Volkswagen wollte sich nicht äußern.

          Der Wolfsburger Konzern wählt diesen Weg, weil er sich auf den Anleihemärkten derzeit nur zu ungünstigen Konditionen refinanzieren könnte. Volkswagens Bonität ist wegen des Abgasskandals von mehreren Ratingagenturen herabgestuft worden. Den Überbrückungskredit will VW mit Anleihen ablösen, sobald die Rendite-Aufschläge wieder gesunken sind.

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