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Kommentar : Der Geist von VW

Das Volkswagen-Werk in Wolfsburg Bild: dpa

Inmitten des Abgasskandals diskutieren VW-Spitzenmanager, ob ihnen millionenschwere Bonuszahlungen zustehen. Der Konzern ist ein erschreckendes Beispiel dafür, wie weit sich Teile der Managerklasse von der Gesellschaft entfernt haben.

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          Wie weltfremd kann man sein als Spitzenmanager eines Weltkonzerns? Selbst im Aufsichtsratspräsidium von VW hat am Montag der eine oder andere fassungslos mit dem Kopf geschüttelt, als sie hinter verschlossenen Türen in Wolfsburg darüber stritten, ob den Vorstandsmitgliedern inmitten des Abgasskandals millionenschwere Bonuszahlungen zustehen oder nicht. Im Vorstand scheint es immer noch Herren zu geben, die den Ernst der Lage bei VW nicht begriffen haben.

          Carsten Germis
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          In den Vereinigten Staaten hat VW bis heute keine Einigung mit den Umweltbehörden erzielt. Vielmehr wurden die Manager aus Wolfsburg oft als selbstgerecht und arrogant empfunden. Je länger das Verfahren dauert, desto größer ist die Gefahr, dass der Betrug VW teurer zu stehen kommt als erwartet. Eine klare Strategie für die Zukunft des Unternehmens hat Konzernchef Matthias Müller angekündigt, sie lässt aber auf sich warten. Stattdessen diskutieren die Herren hartnäckig über ihre Boni.

          Bild: F.A.Z.

          Anleger haben milliardenschwere Entschädigungsklagen eingereicht. Die versprochene Umrüstung der Dieselmotoren mit manipulierter Software klappt wegen technischer Probleme nicht einmal in Deutschland reibungslos. Erfolge, die üppige Boni rechtfertigen, sehen anders aus.

          Oder ist das der viel beschworene neue Geist von VW? Unstrittig ist, dass VW-Chef Müller in seinem ersten halben Jahr vieles in Angriff genommen hat. Doch trotz allem steckt VW wegen des Abgasskandals immer noch in der größten Krise seiner Unternehmensgeschichte.

          Bild: F.A.Z.

          Jeder persönlich haftende Unternehmer würde jetzt alles versuchen, um sein Unternehmen zu retten – Gehaltsverzicht inbegriffen. Die hochbezahlten Manager an der Spitze von VW aber leisten sich den Luxus, auf Sonderzahlungen zu bestehen, die selbst im Vergleich mit Gutverdienern mehr als üppig sind. Gleichzeitig werden die Aktionäre – also die Eigentümer von VW – vorsorglich auf einen Ausfall der Dividende eingestimmt.

          VW ist ein erschreckendes Beispiel dafür, wie weit sich Teile der Managerklasse von der Gesellschaft, aber auch von ihren Aktionären entfernt haben. Wer nicht mehr bemerkt, welchen dramatischen Vertrauensverlust VW in den vergangenen Monaten erlitten hat, ja wer diesen Prozess mit maßlosen Forderungen noch beschleunigt, den sollten Anteilseigner auf der nächsten Hauptversammlung im Juni fragen, ob er der richtige Mann am richtigen Platz ist.

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