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Gesundheit von Säuglingen : Droht Volkswagen die nächste Sammelklage?

Sauber sollte der Diesel sein. Bild: dpa

Mehr als 30.000 Neugeborene sollen wegen des Dieselskandals in Amerika mit geringerem Körpergewicht auf die Welt gekommen sein, haben Ökonomen berechnet. Volkswagen kritisiert die Analyse aus mehreren Gründen.

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          Sauber sollte der Diesel sein: „Clean Diesel“ hieß die Kampagne, mit der Volkswagen in Amerika den Ruf des Treibstoffs aufpolieren wollte. Gut war der bis dahin nicht: „Diesel“ sei lateinisch für „dreckig“, sagte eine ältere Frau in einem der VW-Spots von damals noch. Ihre ebenfalls rüstige Freundin hielt daraufhin ihren weißen Schal vor den Diesel-Auspuff. Der Schal blieb natürlich weiß und die Damen waren überzeugt: Der Diesel ist sauber.

          Gustav Theile
          Wirtschaftskorrespondent in Stuttgart.

          Dann kam heraus: Die Autos waren manipuliert und alles andere als sauber. Volkswagen stieß der Dieselskandal dann bekanntlich in eine der größten Krisen seiner Geschichte. Für die Wissenschaft scheint er sich jetzt dagegen als Glücksfall zu erweisen – für Volkswagen hingegen könnte genau das zu neuem rechtlichen Ärger in Amerika führen, und zu weiteren Kosten im Dieselskandal.

          Nächste Sammelklage droht

          In einer neuen Studie haben Wissenschaftler nämlich berechnet, wie stark sich die manipulierten Dieselautos auf die Luftverschmutzung und damit auf die Gesundheit von Neugeborenen ausgewirkt haben. Dabei haben sie 23 Dieselmodelle des Volkswagen-Konzerns, darunter Autos der Marken VW, Audi und Porsche, und 2 Modelle von Fiat-Chrysler einbezogen.

          Das Ergebnis der Forscher: In Amerika sind etwa 38.000 Kinder zwischen 2008 und 2015 wegen der Manipulation mit einem geringen Körpergewicht von weniger als 2500 Gramm auf die Welt gekommen. In amerikanischen Landkreisen mit vielen manipulierten Dieselautos hätten zudem deutlich mehr Kinder unter Asthma gelitten. Am stärksten betroffen seien Landkreise, in denen wohlhabende und gebildete Menschen mit weißer Hautfarbe lebten.

          Von der F.A.Z. befragte Rechtswissenschaftler halten es für gut möglich, dass die Untersuchung Grundlage einer neuen Sammelklage in Amerika wird. Der in Köln lehrende Kirk Junker, der den Lehrstuhl für amerikanisches Recht innehat und sich zudem mit Umweltrecht beschäftigt, meint: „Eine Sammelklage ist wahrscheinlich.“ In dieser sei für Anwaltskanzleien „wegen der Anzahl und des Alters der Geschädigten ein riesiger Gewinn“ möglich. Deshalb würden die Kanzleien das sicher versuchen.

          In Amerika seien die Sammelklagen schließlich ein einträgliches Geschäft. Und die entsprechenden Anwälte würden nicht bei null anfangen, sondern hätten sich mit der Thematik schon intensiv beschäftigt. Wenn es ganz schlecht läuft für Volkswagen kann das Ergebnis laut Junker sein, dass das Unternehmen für jedes betroffene Kind den über das gesamte Berufsleben entstehenden Schaden durch geringere Gehälter erstatten müsse.

          Entscheidend sei, wie gut die Untersuchung sei, betont ein Rechtsprofessor einer amerikanischen Eliteuniversität, der auch an einem vorherigen Verfahren gegen VW im Dieselskandal beteiligt war. Er hält vor allem ein Verfahren zur Erstattung von Kosten für medizinische Kontrollen für möglich. In den vergangenen Jahren habe es mehr und mehr auf solchen Studien basierende Sammelklagen gegeben.

          Gesundheitsökonomen loben Studie

          Von der F.A.Z. befragte Gesundheitsökonomen halten die Studie für „sehr innovativ“ und methodisch für gut gemacht. Zu der Anzahl der Betroffenen gibt es unterschiedliche Einschätzungen: Ein Wissenschaftler hätte eher geringere Auswirkungen erwartet, ein anderer hält die Größenordnung für plausibel.

          Autoren der Studie sind Diane Alexander und Hannes Schwandt. Alexander hat ihren Doktor in Wirtschaftswissenschaft an der Universität Princeton gemacht und arbeitet für den Ableger der amerikanischen Zentralbank Fed in Chicago. Schwandt ist Gesundheitsökonom an der Northwestern University, einer Privatuniversität nahe Chicago, die verschiedene Ranglisten im Bereich Wirtschaftswissenschaft übereinstimmend auf Rang 12 der Welt sehen. Promoviert hat er an der London School of Economics und frühere wissenschaftliche Artikel wurden unter anderem in der Zeitschrift Science veröffentlicht, einer der renommiertesten Wissenschaftszeitschriften der Welt.

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