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Deutsches Elektroauto : So will Volkswagen Tesla in die Knie zwingen

VW präsentiert seinen neuen ID.3. Bild: Volkswagen

Der größte deutsche Autohersteller setzt seine Zukunft auf E-Autos. Für die VW-Führung ist die Reihenfolge klar: Käfer, Golf und nun der ID.3. Für andere ist es ein großes Wagnis.

          Beim Elektroauto setzt Volkswagen-Chef Herbert Diess alles auf eine Karte. Mit dem neuen ID.3, dem ersten reinen Elektroauto der Marke VW, will das Unternehmen vom nächsten Jahr an Marktführer in der Elektromobilität werden. VW fordert damit den Pionier der Elektromobilität, den amerikanischen E-Auto-Konzern Tesla, auf der ganzen Welt heraus. „Elektromobilität wird für uns zur Leittechnologie“, sagte der Vertriebsvorstand der Marke VW, Jürgen Stackmann, am Mittwoch in Berlin. „Wolfsburg bewegt sich. Volkswagen ändert sich.“

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Damit die Rechnung aufgeht, hat VW in Berlin eine groß angelegte Marketingkampagne gestartet: Zum ersten Mal können Kunden bei VW ein Auto im Internet vorbestellen. „Mit dem ID.3 beginnt nach Käfer und Golf das dritte große Kapitel von strategischer Bedeutung in der Geschichte unserer Marke“, sagte Stackmann: „Mit dem Start des europaweiten Pre-Booking für den ID.3 wird Elektromobilität bei Volkswagen für unsere Kunden jetzt konkret.“ Mit dem neuen E-Auto mache VW die Elektromobilität massentauglich. Die Autowelt befinde sich im Wandel. „Wir gestalten diesen Wandel aktiv.“

          Allein von 2019 bis 2023 will die Marke VW ungefähr 9 Milliarden Euro allein in die Elektromobilität investieren. Mehr als 20 Modelle seien in Planung, sagte Stackmann. Die Marke VW plant, in den nächsten 10 Jahren mehr als 10 Millionen Elektroautos herzustellen.

          „Eine neue Haltung“

          Die Vorherrschaft in der Technologie ist hart umkämpft, amerikanische und chinesische Automobilunternehmen arbeiten an neuen Modellen, gerade die chinesische Führung hat der Volksrepublik durchaus ambitionierte Ziele gesetzt im Bereich E-Mobilität. Der amerikanische Hersteller Tesla ist ein wichtiger Konkurrent im Rennen um das beste Elektroauto – das von Elon Musk geführte Unternehmen brachte sein Mittelklassemodell unlängst auch in Deutschland auf den Markt.

          VW setzt im Wettkampf mit Tesla auf seine Stärke als Volumenhersteller. Wenn Volkswagen in eine Richtung gehe, dann bewegten sich die Dinge, sagte Stackmann. Der VW-Manager räumte ein, dass sich viele Kunden noch Sorgen machten wegen zu geringer Reichweiten, zu langer Ladezeiten oder des hohen Preises. Im Allgemeinen aber stünden sie der neuen Technologie sehr positiv gegenüber.

          Volkswagen versucht nun, Käufer auf verschiedenen Wegen anzulocken. „Es geht hier eben nicht nur um die Einführung eines neuen Produkts“, sagte Stackmann. „Es geht um eine neue Haltung, um den Beginn einer neuen Bewegung.“ Für Kunden, die vorbuchen, baut VW eine Sonderedition des ID.3 in vier Farben und drei Versionen. Sie ist mit einer Batterie ausgestattet, die nach Angaben des Unternehmens eine Reichweite von 420 Kilometern haben soll. Später soll es auch Modelle mit Reichweiten von 330 oder bis zu 550 Kilometern geben.

          Der Preis für die kleinste Version soll weniger als 30.000 Euro betragen, die auf 30.000 Fahrzeuge limitierte Sonderedition für Frühbucher weniger als 40.000 Euro kosten. Stackmann hofft, bis vor der  Automesse IAA in Frankfurt auf die 30.000 Frühbuchungen zu kommen, wo VW den ID.3 vorstellen will. Danach soll es dann in den meisten Märkten losgehen mit Bestellungen in den Autohäusern. Produktionsstart im VW-Werk im sächsischen Zwickau soll Ende des Jahres sein, die ersten ID.3 werden nach Angaben von VW Mitte nächsten Jahres ausgeliefert. Stackmann schloss aus, dass VW die Zahl der Frühbuchungen erhöht. Wie im Unternehmen zu hören war, setzen die Produktionskapazitäten VW Grenzen.

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