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Neue Nachrüst-Vorschriften : Volkswagen rät Kunden von Diesel-Nachrüstung ab

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Mit dem Software-Update hat Volkswagen weniger Probleme. Hardware-Nachrüstungen sieht man beim VW-Konzern aber nicht so gern. Bild: dpa

Die Nachrüstung erhöht den Verbrauch und senkt die Leistung – meint zumindest Volkswagen. Scheuer macht trotzdem Druck mit neuen Vorschriften und sieht die Nachrüstindustrie am Zug.

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          Volkswagen spricht sich gegen eine Nachrüstung von Dieselautos der Abgasnorm Euro 5 aus und rät seinen Kunden von einer Hardware-Nachrüstung durch Drittanbieter ab. „Alle uns bisher bekannten Konzepte weisen Nachteile für unsere Kunden auf, etwa Mehrverbrauch und damit erhöhte CO2-Emission, zum Teil auch Leistungsreduzierung“, warnte Entwicklungsvorstand Frank Welsch am Freitag in Wolfsburg. Zudem ließen sich nicht alle Euro-5-Fahrzeuge nachrüsten und nicht alle würden einen Richtwert von 270 Milligramm je Kilometer unterschreiten, um von drohenden Einfahrverboten ausgenommen zu werden. Auch sei die dauerhafte Funktionssicherheit der Technik nicht zu gewährleisten.

          Ein Euro-5-Auto mit einer elf Jahre alten Motorengeneration auf den Stand eines modernen Euro-6-Fahrzeugs aufzurüsten, sei aus technischer Sicht nicht möglich. Darüber hinaus gibt es VW zufolge bis jetzt keine gesicherten Erkenntnisse, wie sich nachträgliche Eingriffe in das Steuerungssystem, die Komponenten und die Fahrzeugarchitektur im Dauerbetrieb langfristig auswirkten.

          „Nachrüstindustrie am Zug“

          Das Bundesverkehrsministerium hatte zuvor ein 30-seitiges Papier veröffentlicht, in dem die technischen Anforderungen für Hardware-Nachrüstungen aufgeführt werden. „Jetzt ist die Nachrüstindustrie am Zug, wirksame Systeme zu entwickeln, mit denen alle Grenzwerte und Vorschriften eingehalten werden“, sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Sofern diese erfüllt seien, werde das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) schnellstmöglich die Genehmigung erteilen, damit die Systeme zeitnah auf dem Markt angeboten werden könnten.

          Bisher liegen laut Ministerium noch keine vollständigen Anträge beim KBA für eine Genehmigung vor. Scheuer hatte der Deutschen Presse-Agentur gesagt, die Entwickler der Nachrüstsysteme hätten gesagt, sie bräuchten sechs Monate: „Dann kann das KBA die Genehmigungen erteilen und dann kann möglichst schnell die Produktion und der Einbau erfolgen.“

          Maßnahmenpaket für bessere Luft

          Die Hardware-Nachrüstungen, Umbauten am Motor, sind Teil eines Maßnahmenpakets der Bundesregierung für bessere Luft in Städten. In vielen Kommunen werden Schadstoff-Grenzwerte überschritten, Gerichte haben für mehrere Städte Fahrverbote angeordnet.

          Mit den technischen Vorschriften bestimmt der Bund die Anforderungen für wirksame Nachrüstsysteme. Demnach müssen die Hersteller bestätigen, dass das Nachrüstsystem 100.000 Kilometer oder fünf Jahre lang funktionsfähig ist. Außerdem sollen nachgerüstete Fahrzeuge weniger als 270 Milligramm Stickstoffdioxid je Kilometer ausstoßen.

          Dieser Wert ist wichtig, weil die Bundesregierung festschreiben will, dass Diesel-Fahrzeuge der Abgasnormen Euro 4 und Euro 5 künftig von Fahrverboten ausgenommen werden – falls diese im Alltag nicht mehr als 270 Milligramm Stickstoffdioxid je gefahrenem Kilometer ausstoßen. Das soll zum Beispiel gelten, wenn sie mit einer neuen Hardware nachgerüstet werden.

          Kompromiss mit deutschen Herstellern

          Scheuer hatte im November mit den deutschen Herstellern nach langem Ringen einen Kompromiss über zusätzliche Maßnahmen erzielt. Demnach soll die Erneuerung der Diesel-Flotte im Vordergrund stehen. Die Hersteller hatten bereits höhere Kaufanreize für Kunden auf den Weg gebracht, die ihr altes durch ein neues Dieselauto ersetzen.

          Daneben hatten VW und Daimler zugesagt, Dieselautos in Städten mit einer besonders hohen Schadstoff-Belastung für bis zu 3000 Euro je Auto mit Katalysatoren nachrüsten zu lassen – das sind die Hardware-Nachrüstungen. Experten schätzen die Kosten inklusive Einbau auf etwa 3000 Euro. BMW ist gegen Hardware-Nachrüstungen, will Dieselbesitzer aber nach Auslaufen der „Umtauschprämien“ mit der gleichen Summe unterstützen – etwa für einen Neukauf. Ausländische Hersteller wollen sich nicht an Hardware-Nachrüstungen beteiligen.

          Die Autoindustrie sieht diese Nachrüstungen generell nach wie vor skeptisch, weil sie zu aufwendig und teuer seien und Kosten und Nutzen in keinem Verhältnis stünden. Sie warnt außerdem vor einem höheren Verbrauch nach einer Nachrüstung.

          Der Präsident des Verbandes der Deutschen Automobilindustrie (VDA), Bernhard Mattes, sagte der „Welt“, Besitzer älterer Diesel könnten bei technischen Problemen nach einer Nachrüstung nicht mit Unterstützung der deutschen Hersteller rechnen. „Wir können keine Garantie für ein Fahrzeug übernehmen, in das nachträglich Abgasreinigungssysteme Dritter eingebaut wurden“, sagte Mattes. „Wenn ein Kunde sein Fahrzeug umbauen lässt, dann tragen er und der Nachrüster auch die Verantwortung für mögliche Folgeschäden.“

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