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Nach Abgas-Skandal : VW kürzt Investitionen um eine Milliarde Euro

  • Aktualisiert am

Ministerpräsident Stephan Weil im niedersächsischen Landtag Bild: dpa

VW sucht den Neuanfang und spart an Investitionen. Der Konzern will verstärkt auf den Elektro-Antrieb setzen. Derweil kritisiert der niedersächsische Ministerpräsident die Wolfsburger für ihre Informationspolitik vor und in der Krise.

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          Wie der Wolfsburger Autohersteller am Dienstag bekannt gab, wird es bei den Investitionen Einschnitte von einer Milliarde Euro geben. Bereits vergangene Woche hatten Betriebsrat Bernd Osterloh und der neue Konzern-Chef Matthias Müller die VW-Mitarbeiter auf einer Versammlung in Wolfsburg auf Einschnitte vorbereitet. Müller kündigte eine strenge Haushaltsführung an: „Deshalb stellen wir jetzt alle geplanten Investitionen noch mal auf den Prüfstand. Was nicht zwingend nötig ist, wird gestrichen oder geschoben", sagte Müller: „Ich bin ganz offen: Das wird nicht ohne Schmerzen gehen". Auch der VfL Wolfsburg, dessen Hauptsponsor der VW-Konzern ist, kann sich der Investitionen nicht sicher sein.

          VW will das Sparprogramm beschleunigen. Außerdem solle die Diesel-Strategie neu ausgerichtet werden. Bei der Konzern-Kernmarke soll zudem der Elektroantrieb wichtiger werden. Zur Entwicklung von Elektrofahrzeugen soll es einen neuen Standard-“Baukasten“ für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge geben. Die neue Version des Luxuswagens Phaeton soll elektrisch werden.

          „Die Marke Volkswagen stellt sich für die Zukunft neu auf“, erklärte VW-Markenchef Herbert Diess. „Wir werden effizienter, richten die Produktpalette und Kerntechnologien neu aus und schaffen uns mit dem beschleunigten Effizienzprogramm den Spielraum für zukunftsweisende Technologien.“ Für Europa und Nordamerika wurde laut VW ein vollständiger Umstieg bei Diesel-Aggregaten auf eine fortschrittlichere und teurere Technologie für die Abgasreinigung zum „frühestmöglichen Zeitpunkt“ beschlossen. „Nur noch die umwelttechnisch besten Abgassysteme werden in den Diesel-Fahrzeugen zum Einsatz kommen“, versprach Diess. Auch beim Zukunftsthema Digitalisierung will VW vorankommen. Für Vernetzung und Fahrerassistenzsysteme werde ein neuer Standard definiert, hieß es.

          Ministerpräsident Weil kritisiert Informationspolitik von VW

          Volkswagen hätte die Manipulationen von Abgas-Tests bei Dieselfahrzeugen schon viel früher eingestehen müssen. Das sagte der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil am Vormittag im Landtag in Hannover. Bereits im Herbst des vergangenen Jahres seien Abweichungen zwischen den Tests im Labor und Tests auf der Straße bei Diesel-Fahrzeugen des Wolfsburger Herstellers in den Vereinigten Staaten festgestellt worden, so Weil. Danach seien mehr als ein Jahr lang Gespräche zwischen den amerikanischen Behörden und dem Konzern geführt worden, bis VW die Manipulation schließlich eingeräumt habe. „Dieses Eingeständnis hätte klar und deutlich sehr viel früher erfolgen müssen - ein weiterer schwerer Fehler“, sagte Weil, der als Vertreter der Landespolitik im Aufsichtsrat von VW sitzt.

          Volkswagen : Weltkonzern mit einmaliger Aktionärsstruktur

          Wer für dieses Vorgehen verantwortlich sei, werde nun untersucht. Er selbst habe genau wie Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) erst aus den Medien von Abgas-Skandal erfahren, sagte Weil. Am 18. September hatten die amerikanischen Behörden das Eingeständnis von VW veröffentlicht, Werte manipuliert zu haben.

          Weil rechnet damit, dass die Untersuchung der vom VW-Aufsichtsrat engagierten US-Anwaltskanzlei Jones Day einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Die Untersuchungen würden mit hoher Akribie betrieben, betonte er.

          Vor mehr als drei Wochen war bekanntgeworden, dass Volkswagen bei wohl 9,5 Millionen Diesel-Fahrzeugen verbotenerweise mit einer Software die Abgaswerte nach unten korrigiert hat. Seither kommt der Konzern nicht aus der Krise. In mehreren Ländern, darunter in den Vereinigten Staaten und Deutschland, drohen Klagen - sowohl Privatanleger, als auch die ersten Kunden haben bereits Klagen eingereicht. Behörden und Justiz ermitteln in mehreren Ländern gegen das Unternehmen, ein finanzieller Schaden in Milliardenhöhe wird befürchtet.

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