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Abgasskandal : Unliebsame Berichte nicht erwünscht

Volkswagen hat mit der französischen Presse Kontakt aufgenommen. Bild: AP

Sieht so gutes Krisenmanagement aus? VW soll in Frankreich versucht haben, die Berichterstattung zu manipulieren. Der Autohersteller spielt die Angelegenheit herunter.

          Volkswagen soll in Frankreich versucht haben, die Berichterstattung über den Abgasskandal des Autoherstellers zu manipulieren. Das berichtet die Wochenzeitung „Le Canard Enchaîné“ am Mittwoch und veröffentlicht Auszüge aus einem Schreiben an mehrere Regionalzeitungen und Magazine. Darin werden die Medien-Verantwortlichen aufgefordert, an bestimmten Tagen nicht über den VW-Abgasskandal zu berichten. Andernfalls werde der Automobilkonzern keine Anzeigen mehr bei ihnen schalten. Das Drohschreiben ist von der Werbeagentur MediaCom unterzeichnet, die mit Volkswagen in Frankreich unter Vertrag steht. Insgesamt geht es laut „Canard“ um geplante Zeitungs- und Zeitschriftenanzeigen in Höhe von 1.465.000 Euro.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Volkswagen hat den Bericht indes „förmlich“ dementiert. Man nehme in keiner Weise Einfluss auf die Berichterstattung, teilte das Unternehmen mit. Niemand habe mit dem Rückzug von Werbebudgets gedroht, sondern Werbekampagnen sollten lediglich verschoben werden. Die Werbeagenturen „Mediacom“ und „366“, die für VW arbeiten, bestätigten das in eigenen Stellungnahmen. Jacques Hardoin, Präsident von „366“, teilte mit, dass VW die Kampagnen in eine „ruhigere Periode“ verlegen wolle, „damit die kommerziellen Botschaften nicht mit der Aktualität in einer Weise aufeinander treffen, die in den Augen der Leser unangemessen sein könnte“. Der Chef von Volkswagen Frankreich, Jacques Rivoal, räumte aber ein, dass man darauf drängte, Artikel über Volkswagen nicht direkt neben die Anzeigen zu stellen. Das sei eine übliche Praxis, sagte er.

          Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP bestätigte der Vertreter einer Regionalzeitung, der ungenannt bleiben wollte, dass die Werbeagentur tatsächlich gefordert habe, an den Tagen der Anzeigenschaltung keine Artikel über den VW-Skandal zu drucken. Die Zeitung habe das abgelehnt.

          In Frankreich sind von der Abgasmanipulation bei Volkswagen knapp eine Million Autos betroffen. Dabei handelt es sich um 574.300 Autos der Marke VW, 189.300 von Audi, 93.400 von Seat, 66.600 von Skoda und 24.500 Volkswagen-Nutzfahrzeuge. Die französische Umweltgruppe "Ecologie Sans Frontières" kündigte unterdessen Anzeige gegen Volkswagen wegen schweren Betrugs und der Gefährdung des Lebens anderer an. Volkswagen habe nicht nur die Käufer hintergangen, sondern durch Missachtung der Abgasnormen auch Gesundheit und Leben von Menschen gefährdet.

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