https://www.faz.net/-gqe-893vf

Stellenkürzung geplant : Bei VW geht’s jetzt um die Leiharbeiter

  • Aktualisiert am

Im Wolfsburger VW-Werk: Bisher hat Volkswagen viele Leiharbeiter übernommen. Bild: dpa

Die Diesel-Affäre bedroht die ersten Stellen bei Volkswagen. Der Vorstand denkt darüber nach, weniger Zeitarbeiter zu beschäftigen. Die Bundesregierung sucht schon Geld für die Betroffenen.

          2 Min.

          Erstmals sind im Abgas-Skandal bei Volkswagen jetzt Stellen in Gefahr. Der Vorstand diskutiere über eine Reduzierung der Leiharbeit, teilte der VW-Betriebsrat am Samstag mit. Ein Sprecher der Arbeitnehmervertretung sagte wörtlich: „Als Betriebsrat werden wir alle Möglichkeiten unterstützen, um die Arbeitsplätze unserer Kolleginnen und Kollegen mit Leiharbeitsverträgen zu sichern. Wir wissen, dass der Vorstand andere Szenarien diskutiert.“ Bei Volkswagen arbeiten Tausende Leiharbeiter.

          Die Konzernführung selbst schließt einen Einbruch bei den Verkäufen und damit einhergehende Folgen für Produktion und Stellen ebenfalls nicht mehr aus. „Sollte sich ein vorübergehender Beschäftigungsrückgang ergeben, wird Kurzarbeit wie in der Vergangenheit eine sinnvolle Möglichkeit sein“, sagte ein Konzernsprecher am Samstag in Hannover. „Zurzeit ist die Entwicklung der Absatz- und Beschäftigungssituation nicht absehbar.“

          Bereits Anfang Oktober hatte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) bei einem Besuch im Wolfsburger Stammwerk angekündigt, dass im Zuge des Abgas-Skandals eine Ausweitung der Kurzarbeiterregel auch auf Leiharbeiter geprüft werde. Bisher ist Leiharbeit vom Kurzarbeitergeld ausgeschlossen – entsprechend skeptisch ist die Bundesagentur für Arbeit. Auch die Union wies den Vorstoß zurück. Einem Zeitungsbericht zufolge hat sich jetzt aber das Bundeskanzleramt eingeschaltet. Das Amt prüfe, wie den 6000 Leiharbeitern des Konzerns Kurzarbeitergeld gezahlt werden könne, berichteten „Bild“ und „B.Z.“ unter Berufung auf Regierungskreise.

          Bisher wurden viele Leiharbeiter übernommen

          Der Betriebsratssprecher sagte dazu: „Generell halten wir es für eine gute Initiative, wenn auch Kolleginnen und Kollegen mit Leiharbeitsverträgen zur Überbrückung schwieriger Situationen einbezogen werden. Wir sind der Bundesregierung dankbar, dass sie die Arbeitnehmer bei Volkswagen im Auge behält, die diese Krise nicht verursacht haben. Wir hoffen, der VW-Vorstand ist sich dessen auch bewusst.“

          Der Konzern ist der größte Arbeitgeber im Land. Bisher hatte das Unternehmen auch angesichts seiner jahrelangen Erfolgsfahrt in steter Regelmäßigkeit alle paar Monate Hunderte Leiharbeiter wegen der guten Auftragslage in die Stammbelegschaft übernommen. Der VW-Konzern zählt insgesamt 600.000 Mitarbeiter auf der ganzen Welt.

          Angaben zur genauen Größe der aktuellen Leiharbeiterbelegschaft waren zunächst nicht zu erhalten. Ein Konzernsprecher wollte eine entsprechende Nachfrage bearbeiten.

          Mit Leiharbeit reagiert die Industrie flexibel auf Rückgänge oder Spitzen bei den Aufträgen. Welche Folgen die Abgas-Affäre auf die Produktion bei VW hat, ist bisher ungewiss. In den Verkaufszahlen für September hatten sich noch keine Auswirkungen ablesen lassen – allerdings hatte der Skandal auch erst zum Ende des Monats seinen Lauf genommen. Die VW-Tochter Audi, deren Diesel zum Teil auch von der Affäre betroffen sind, hatte am Freitag erklärt, dass keine nachlassende Nachfrage zu erkennen sei: „Wir spüren bislang keine Auswirkungen bei Auslieferungen und Bestellungen.“

          Weitere Themen

          Unternehmer im Klimastreik Video-Seite öffnen

          Nachhaltig wachsen! : Unternehmer im Klimastreik

          Längst protestieren neben Schülern auch immer mehr Gründer für mehr Klimaschutz. „Entrepreneurs for Future“ ist mit über 4000 deutschen Unternehmen eine von vielen Initiativen, die jetzt deutlich machen: Es ist an der Zeit, anders zu wirtschaften!

          Topmeldungen

          Ukraine-Affäre : Stehen die Republikaner weiter hinter Trump?

          Der amerikanische Botschafter in der Ukraine, William Taylor, hat Donald Trump vor dem Kongress schwer belastet. Die Republikaner reagierten mit Solidaritätsbekundungen, aber einige in der Partei setzen sich auch von ihrem Präsidenten ab.

          AKK-Vorstoß : Gezielte Überrumpelung

          Annegret Kramp-Karrenbauer hat den Koalitionspartner mit ihrem Syrien-Vorstoß schwer düpiert. Jetzt muss sie ihre Idee so seriös weiterentwickeln, dass sie dem Vorwurf entgeht, es sei ihr nur um die eigene Profilierung gegangen.

          Sorgen beim FC Bayern : „Es muss alles besser werden“

          Drittes Spiel, dritter Sieg: Doch die Münchner zeigen in der Champions League in Piräus viele Mängel. Sportdirektor Salihamidzic übt deutliche Kritik. Dazu kommt Verletzungspech. Der nächste Spieler fehlt lange.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.