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Autoverbands-Chefin warnt : „Die Klimapolitik darf die Gesellschaft nicht spalten“

  • Aktualisiert am

Elektroautoproduktion in Deutschland Bild: dpa

Der Ladesäulenausbau muss schneller gehen, sagt Hildegard Müller. Und auch zur Antriebsform macht sie eine Ansage.

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          2021 sei das Jahr, in dem über die Zukunft der Industrie in Deutschland und Europa entschieden werde. Das hatte Hildegard Müller, die Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie, schon im Januar festgestellt. Rund ein halbes Jahr später hat sich an dieser Einschätzung nichts geändert.

          In der nächsten Zeit würden eine Reihe politischer Entscheidungen getroffen, die Unternehmen, deren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aber auch die Verbraucher in Europa betreffen, sagte Müller am Mittwoch mit Blick auf die Vorstellung des europäischen Klimaschutzpakets „Fit for 55“ in der nächsten Woche sowie der Bundestagswahl im September. Im Kern sei sich die Autobranche dabei mit der Politik einig: Das Bekenntnis zu mehr Klimaschutz stehe, gerungen werde aber um den Weg, sagte die VDA-Präsidentin.

          So bedürfe eine Verschärfung der europäischen Emissionsvorgaben für Autos einer sorgfältigen Abwägung aller Konsequenzen, erläuterte Müller. „Es muss eine Balance zwischen Ökologie, Ökonomie und sozialer Verträglichkeit gefunden werden. Die Klimapolitik darf die Gesellschaft nicht spalten.“ Menschen würden nicht mit immer neuen Zielen gewonnen, sondern indem Politik ihnen Brücken baue. Dabei dürfe die Folgenabschätzung von neuen Vorgaben nicht aus dem Blick verlieren. Konkret forderte Müller, den Aufbau der öffentlich zugänglichen Ladeinfrastruktur für Elektroautos in Deutschland und Europa zu beschleunigen. Nur so könne die für die Klimaziele notwendige Zahl an Elektroautos erreicht werden.

          Um das zu erreichen müsse die EU-Kommission die Mitgliedstaaten auf Ausbauziele für Ladesäulen verpflichten. Zugleich mahnte Müller abermals an, nicht allein auf batteriebetriebene Elektroautos zu setzen. Ein Verbot von Verbrennungsmotoren durch zu hohe Klimaschutzvorgaben werde Innovation abwürgen, Verbrauchern die Wahlfreiheit nehmen und Arbeitsplätze gefährden. Daher setzt sich die Branche weiter dafür ein, technologieoffen zu bleiben.

          Nach Angaben des VDA wird sich zumindest der deutsche Automarkt in diesem Jahr schwächer entwickeln als zuletzt erwartet. Im Vergleich zum Corona-Jahr 2020 werden die Neuzulassungen um 3 Prozent auf rund 3 Millionen Personenkraftwagen steigen. Bisher hatte der Auto-Lobbyverband mit einem Wachstum um 8 Prozent auf rund 3,15 Millionen Neuzulassungen hierzulande gerechnet. Rund um die Welt rechnet der VDA mit einem Absatzplus von 9 Prozent.

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          F.A.Z.-Serie Schneller Schlau : Der große Sprung der Elektromobilität Bild: Illustration Johannes Thielen

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