https://www.faz.net/-gqe-8flsz

Nach Abgas-Affäre : Umweltminister wollen Diesel teurer machen

  • Aktualisiert am

Die Umweltminister einiger Bundesländer wollen den Preis für Diesel-Kraftstoff erhöhen. Bild: dpa

Die Umweltminister der Bundesländer wollen Konsequenzen aus dem Abgas-Skandal ziehen: Diesel soll teurer werden, auch ein neues Tempo-Limit ist geplant.

          2 Min.

          Als eine Folge der Abgas-Affäre bei VW wollen die Umweltminister mehrerer Bundesländer Diesel-Fahren verteuern. Steuervorteile des Diesel-Kraftstoffes gegenüber dem Benzin sollen schrittweise abgebaut werden, fordern die Ressortchefs aus Nordrhein-Westfalen, Bremen, Hamburg, Hessen und Niedersachsen in einem gemeinsamen Papier, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

          Die Forderungen stammen aus einem Beschlussvorschlag für die Sonder-Umweltministerkonferenz zum Abgas-Skandal an diesem Donnerstag in Berlin. Auch generelle Tempo-30-Limits in Innenstädten und eine Elektrofahrzeug-Quote für Autohersteller sollen demnach geprüft werden.

          Ob die Beschlüsse wie von den fünf Ländern gewünscht durchkommen, ist unklar - die Umweltministerkonferenz trifft Beschlüsse nur einstimmig. Alles in allem sei die Übereinstimmung groß, sagte der Staatssekretär für Verkehr und Umwelt des gastgebenden Landes Berlin, Christian Gaebler (SPD), der dpa. Das Thema Dieselsteuer sei aber strittig. „Der Diesel hat beim CO2-Ausstoß einen erheblichen Vorteil“, sagte Gaebler. „Ich glaube, deswegen muss man da die Kirche im Dorf lassen.“ Zudem müsste die schwarz-rote Koalition in Berlin für die Änderung Bundesgesetze ändern.

          Die Beschlussvorlage der fünf Länder ruft den Bund zudem auf, sich auf Ebene der EU dafür einzusetzen, dass transparente Nachkontrollen von Fahrzeugen im Bestand auf den Straßen erfolgen, um sicherzugehen, „dass im realen Betrieb die geltenden Emissionsbegrenzungen eingehalten werden“. Die Kosten dafür müssten die Autobauer tragen.

          Unbenanntes Dokument

          Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS

          Die ganze F.A.Z. in völlig neuer Form, mit zusätzlichen Bildern, Videos, Grafiken, optimiert für Smartphone und Tablet. Jetzt gratis testen.

          Dem Kraftfahrt-Bundesamt soll zudem die Hoheit über Abgaskontrollen bei Autos entzogen werden. Künftig soll sich nach dem Willen der Länder das Umweltbundesamt darum kümmern. Autobauer müssten dann möglicherweise schärfere Kontrollen fürchten. Der Großteil der Fragen, die sich aus der Affäre um manipulierte Abgaswerte ergeben, betrifft das Verkehrsressort.

          In der Vorlage des Umweltminister-Bündnisses fehlen als Unterzeichner die Ressortchefs aus den Bundesländern der Porsche- und Mercedes-Heimat Baden-Württemberg sowie aus der BMW- und Audi-Heimat Bayern. Alle vier Automarken sind für hohe Diesel-Anteile bekannt. Sie produzieren überwiegend schwere Limousinen, deren Umwelt- und Schadstoffbilanz zwangsläufig schlechter ist, allein schon wegen des Gewichts und der daher meist üppigen Motorisierung.

          Greenpeace: Ohrfeige für Dobrindt

          Das Land Niedersachsen, in dem jeder fünfte Job des VW-Konzerns beheimatet ist, stützt die Beschlussvorlage für das Aus der Diesel-Steuersubventionen zudem mit der Aufforderung an den Bund, mögliche Hebel für die Umsetzung „darzulegen und einen Zeitplan für den Abbau der Steuerprivilegien von Diesel vorzulegen“.

          Greenpeace-Verkehrsexperte Tobias Austrup nannte die Vorschläge eine „schallende Ohrfeige“ für Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), der die Aufklärung des Diesel-Skandals verschleppe. Stickoxid- und Feinstaubwerte würden auch in diesem Jahr in etlichen Städten massiv die Grenzwerte überschreiten. Die Vorschläge gingen in die richtige Richtung.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Segregierte Schulen : Das weiße Amerika bleibt unter sich

          Heute gibt es in Amerika mehr Schulen mit fast nur weißen oder fast keinen weißen Schülern als vor 30 Jahren. Das liegt auch an den Entscheidungen weißer Eltern – auch solchen, die seit Wochen „Black Lives Matter“ rufen.

          Deutsche Bank : Landen meine Kontodaten jetzt in der Google-Cloud?

          Im Kampf gegen ihre marode IT holt sich die Deutsche Bank Hilfe von Google. Für beide Unternehmen scheint es ein wichtiger Auftrag zu sein. Doch wie sicher sind die Kundendaten bei dieser Kooperation?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.