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Umstrittener Vorstoß : Scheuer verteidigt seine Motorradpläne

Verlockende Aussicht? Bild: dpa

Sollen Menschen mit normalem Autoführerschein auch leichte Motorräder fahren dürfen? Der Verkehrsminister spricht sich weiter dafür aus. Doch schon der ADAC und der TÜV sind uneins.

          Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) will Autofahrern den Umstieg aufs Motorrad erleichtern. Sie sollen künftig keine gesonderte Prüfung mehr absolvieren müssen, einige Übungsstunden sollen genügen. Eine Ministeriumssprecherin in Berlin hat am Freitag das Vorhaben gegen Kritiker verteidigt. Das Ministerium wolle auf diese Weise andere Arten der Mobilität unterstützen, besonders im ländlichen Raum, sagte sie. Es gehe auch darum, Menschen den Umstieg auf Motorräder mit alternativen Antrieben zu ermöglichen.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Martin Gropp

          Andere europäische Länder machten von der Möglichkeit, auf einen gesonderten Motorrad-Führerschein zu verzichten, schon Gebrauch. So habe beispielsweise Österreich den Zugang zu Leichtkrafträdern erleichtert. Das Bundesamt für Straßenwesen werde die geplante Änderung der Fahrerlaubnisverordnung, die gerade in der Abstimmung mit den Ländern sei, auch im Hinblick auf die Verkehrssicherheit begleiten und evaluieren.

          Konkret plant das Bundesverkehrsministerium, Menschen mit einem herkömmlichen Autoführerschein der Klasse B unter bestimmten Bedingungen zu erlauben, auch leichte Motorräder zu fahren. Bisher war dafür ein eigener Führerschein notwendig, und zwar der Klasse A1. Als „leicht“ gelten Motorräder mit einem Hubraum bis zu 125 Kubikzentimetern, nicht mehr als 15 PS und maximal 110 Kilogramm. Je nach Gewicht des Fahrers erreichen solche Kräder eine Geschwindigkeit von bis zu 100 Kilometern in der Stunde.

          Verkehrssicherheitsrat skeptisch

          Nach dem Referentenentwurf aus dem Verkehrsministerium sollen Inhaber des B-Führerscheins diese Motorräder fahren dürfen, wenn sie mindestens 25 Jahre alt sind und ihre Fahrerlaubnis seit wenigstens fünf Jahren besitzen. Zudem müssen sie eine „Fahrerschulung“ absolvieren. Sie soll fünf Unterrichtseinheiten zu je 90 Minuten umfassen und Theorie und Praxis vermitteln. Eine gesonderte Prüfung durch unabhängige Dritte ist nicht vorgesehen. Die Praxisstunden können im öffentlichen Verkehr geleistet werden, sie müssen es aber nicht.

          An der im Vergleich zum A1-Führerschein deutlich kürzeren Ausbildungsdauer entzündet sich heftige Kritik. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat, in dem die Verkehrsministerien von Bund und Ländern, aber auch Automobilklubs und Autohersteller sitzen, äußerte in einer Stellungnahme: „Das Führen eines Kraftrades unterscheidet sich stark vom Führen eines vierrädrigen Kraftfahrzeugs.“ Deshalb sei eine spezifische Ausbildung notwendig, um Fahrer und auch andere Verkehrsteilnehmer vor möglichen Gefahren zu schützen, die von Motorradfahrern ausgehen. Der Verkehrssicherheitsrat befürchtet, dass infolge der Neuregelung die Zahl der „Getöteten und Schwerverletzten im Segment der Motorradfahrenden“ steige und empfiehlt daher dem Verkehrsministerium, die Pläne nicht weiterzuverfolgen.

          ADAC begrüßt Vorhaben

          Auch der TÜV lehnt die Änderung aus Sicherheitsgründen ab. „Auch Autofahrer müssen den Umgang mit mittelschweren Motorrädern gründlich lernen, um sich sicher im Straßenverkehr bewegen zu können“, mahnte der TÜV-Verband in Berlin. Und die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände warnte, die geplante Schulung sei völlig unzureichend. Vor allem für das Fahren auf Landstraßen müsse es eine umfangreiche Schulung geben. Gerade dort verunglückten viele Motorradfahrer wegen Fahrfehler und ohne Beteiligung anderer Verkehrsteilnehmer.

          Der Autofahrerklub ADAC begrüßte dagegen das Vorhaben der Bundesregierung: „Für Führerscheinbesitzer der Klasse B erwächst hieraus ein Zuwachs an Mobilität.“ Die Befähigung zum sicheren Führen eines Leichtkraftrades müsse aber auch bei der verkürzten Ausbildung sichergestellt sein, hieß es weiter aus München. Ratsam wäre es nach Überzeugung des ADAC, im Einführungszeitraum die Unfälle der neuen Motorradfahrer gesondert zu erfassen, „um einen möglichen Anstieg von Unfällen aufgrund mangelhafter Fahrzeugbeherrschung rechtzeitig erkennen zu können“.

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