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Park-and-Ride : Um einen P+R-Stellplatz streiten sich zehn Pendler

Park&Ride-Parkplatz in Frankfurt-Enkheim Bild: Jana Mai

Park-and-Ride soll die große Lösung für von Fahrverboten bedrohte Pendler sein. Doch Recherchen der F.A.Z. zeigen: Mit der derzeitigen Anzahl von Parkplätzen ist das System eine einzige Illusion.

          In der Verhandlung um das Fahrverbot in Frankfurt war für den Kammervorsitzenden des Wiesbadener Gerichts die Sache klar: Mehr Stellplätze für Park-and-Ride (P+R) am Stadtrand, dann kommen Pendler auch in Zukunft zur Arbeit. Halter älterer Diesel aus dem Umland blieben so von den Fahrverboten verschont, denn sie könnten bis zur nächsten S-Bahnstation fahren, dort ihr Fahrzeug abstellen und schnell, günstig und bequem die Innenstadt erreichen, ohne die Stadt mit Stickoxiden zu verpesten. Das Konzept der Stunde, möchte man meinen – nicht nur in Frankfurt.

          Doch fahren laut Mikrozensus des Statistischem Bundesamtes zwei von drei Pendler mit dem Auto zur Arbeit. Selbst wenn dieser relative Anteil in großen Ballungsräumen etwas geringer ausfällt, so ist die absolute Masse der Autolawine, die aus Vororten und umliegenden Kreisen in die Städte rollt, gewaltig. Nur hohe Kapazitäten an den P+R-Anlagen wären deshalb in der Lage, diese Massen aufzufangen. Zweifel sind angebracht, dass das der Fall ist.

          In die mit 630.000 Einwohnern sechstgrößte deutsche Stadt Stuttgart etwa pendeln Tag für Tag 245.000 Berufstätige mit auswärtigem Wohnsitz. Wenn zwei Drittel davon mit dem Auto fahren und davon wiederum nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts jeder Dritte mit einem Dieselfahrzeug, so ergibt sich eine Größenordnung von mehr als 50.000 – und noch immer hat höchstens jeder zweite Diesel die Schadstoffklasse Euro 6, die von Fahrverboten befreien würde. Dem gegenüber stehen im Verkehrsverbund der baden-württembergischen Landeshauptstadt jedoch gerade einmal 17.400 P+R-Stellplätze.

          Zehn Stellplätze auf hundert Pendler

          Recherchen der F.A.Z. in den zehn größten deutschen Städten zeigen, dass es also vor allem einen Grund gibt, warum P+R in Deutschland fünfmal so alt ist wie das Durchschnittsalter aller zugelassenen Autos und trotzdem nicht die Wirkung entfaltet, die sich viele davon erhoffen: Es gibt schlicht viel zu wenig Stellplätze. Zwar wurden mit Ausnahme von Leipzig die Stickoxid-Grenzwerte im Vorjahr in allen zehn Städten überschritten und sind Antworten auf die drohenden Fahrverbote überall das Gebot der Stunde. P+R aber kann nicht die einzige Lösung sein, denn im Durchschnitt kommen auf 100 Pendler gerade einmal zehn Stellplätze.

          Dabei sind Düsseldorf, Dortmund und Essen von der Berechnung ausgenommen, da die Daten nur für den gemeinsamen Verkehrsverbund einschließlich anderer Städte im Ruhrgebiet vorliegen. Hätte man die drei Städte berücksichtigt, wäre das durchschnittliche P+R-Angebot noch verheerender ausgefallen. So beziffert der komplette Rhein-Ruhr-Verkehrsverbund die Zahl der P+R-Stellplätze auf 18.000. Dem stehen allein in Düsseldorf, Dortmund und Essen eine halbe Millionen Einpendler gegenüber. Wenig verwunderlich, dass P+R angesichts solcher Kapazitäten ein Nischendasein fristet.

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