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Park-and-Ride : Um einen P+R-Stellplatz streiten sich zehn Pendler

P+R-Auslastung in München bei mehr als 100 Prozent

Auch für die Hauptstadt fällt das Ergebnis alles andere als gut aus. Die Zahl der vom Verkehrsverbund bereitgestellten P+R-Stellplätze ist hier bloß halb so hoch wie in Leipzig, obwohl es in Berlin mehr als zehnmal so viele Einpendler wie in der sächsischen Stadt gibt (310.000 gegenüber 27.000). Trauriger Spitzenreiter der Statistik ist Köln. Rund 270.000 Nicht-Kölner fahren jeden Tag zur Arbeit in die Domstadt. P+R gibt es an einigen Punkten, aber kaum mehr als 4000 Stellplätze. Frankfurt steht mit 28.000 Stellplätzen auf den ersten Blick vergleichsweise gut da, übertrifft mit 360.000 Einpendlern allerdings sogar die einwohnerstärkeren Städte Hamburg (346.000) und München (176.000).

Zwar variiert die Größe der Verkehrsverbünde rund um die Städte. Und es gibt auch etwa auf brandenburgischen Landesgebiet P+R-Anlagen sowie nicht als solche ausgewiesene Felder, die von Einpendlern zum Umstieg auf S- und Regionalbahnen genutzt werden. Obigen Befund verändert das jedoch nur geringfügig; zwischen Pendlerströmen und P+R-Kapazitäten klafft in den zehn größten deutsche Städten eine riesige Lücke.

Hinzu kommt, dass die bestehenden Stellplätze vielerorts überlastet und somit schon heute an ihrer Kapazitätsgrenze sind. Selbst wenn ein beträchtlicher Teil der Dieselfahrer mit Euro 5 und älter mittels P+R-Stellplätze auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen wollte, wäre das gar nicht möglich. So werden in München einige Anlagen zu mehr als 120 Prozent genutzt und parken die Autos noch in den winzigsten Nischen. Die P+R-Auslastung in München und Umgebung liegt sogar im Mittel bei mehr als 100 Prozent. Im Verkehrsverbund Stuttgart sind zwei Drittel der 218 P+R-Anlagen zu rund zwei Drittel stark ausgelastet und somit auch nur eingeschränkt aufnahmefähig. Die Angaben der Verkehrsbetriebe in Frankfurt und Berlin fallen ähnlich aus.

Menschen sind zu bequem zum Wechseln

Einzig: Gäbe es ausreichend Stellplätze für Autofahrer, wären viele Pendler wohl trotzdem nicht bereit, sie zu nutzen. In einer groß angelegten Umfrage der Online-Plattform Stepstone bejahten nur 18 Prozent der Befragten die Frage, ob sie bereit wären, vom Auto auf die öffentlichen Verkehrsmittel umzusteigen. Als größtes Hindernis nannten die Nein-Sager einen höheren Zeitaufwand beim Pendeln mit Bahn und Bus und die Tatsache, dass sie mit dem Auto flexibler seien.

Für Ilja Radusch, Leiter des Geschäftsbereichs Smart Mobility des Fraunhofer-Instituts für offene Kommunikationssysteme, steht fest: Die Menschen sind zu bequem. „Sie wechseln nicht gerne von einem Transportmittel zum anderen“, sagt er im Gespräch mit der F.A.Z. Wenn sie schon ohne Auto zur Arbeit führen, würden sie in einem Großteil der Fälle von Beginn an die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen.

Ein weiterer Grund neben der Bequemlichkeit seien die Kosten, die bei Bahnfahrten über die Stadtgrenze hinweg entstehen. Viele Pendler aus Brandenburg, die P+R nutzten, ignorierten die Stellplätze am Stadtrand und führen zu den Anlagen in Richtung Innenstadt, berichtet Forscher Radusch. So würden sie einen Teil des Ticketpreises für die S-Bahn sparen – aber eben auch oft in Wohngebieten parken. Zwar ist dem Land Berlin das Problem bekannt. Erweiterte P+R-Anlagen würden allerdings Flächen beanspruchen, die in Zeiten des Wohnungsmangel primär für Bebauung genutzt werden müssten.

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