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Touran und Tiguan : Jetzt hat VW auch noch Produktionsprobleme

Tiguan-Produktion in Wolfsburg (Archivbild) Bild: dpa

Im Wolfsburger Stammwerk funktioniert der Produktionsanlauf des neuen Familienvan Touran offenbar nicht wie geplant. Zudem steht in der Zentrale ein weiterer Manager vor der Ablösung.

          Neben dem Skandal um manipulierte Abgaswerte kämpft das Management des Autoherstellers Volkswagen jetzt auch mit Schwierigkeiten im Kerngeschäft. Offenbar funktioniert der Produktionsanlauf für den neuen Familienvan Touran im Wolfsburger Stammwerk nicht wie geplant. Die Rede ist von teuren Nachbesserungen und erheblichen Verzögerungen. Diese betreffen auch den neuen Stadtgeländewagen Tiguan, der auf derselben Fertigungslinie produziert wird. Beide Modelle sind für den Konzern wichtige Umsatzträger.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          „Der Hochlauf eines Modells stellt immer eine Herausforderung dar“, sagte ein Sprecher von Volkswagen, die Situation sei komplex. VW sei aber zuversichtlich, die selbst gesetzten Termine und Ziele einzuhalten. Der Nachricht kommt vor dem Hintergrund des Abgasskandals besondere Bedeutung zu. Denn komplizierte Produktionsprozesse und eine zu große Vielfalt an Modellen und Ausstattungsvarianten gelten als größte Baustelle im VW-Konzern.

          Die kalifornische Umweltbehörde CARB setzte Volkswagen ein Ultimatum. VW habe bis zum 20. November Zeit, einen Plan dazu vorzulegen, wie sich betroffene Autos nachrüsten ließen. Die Zahl der Klagen gegen VW in Amerika wächst ebenfalls. Mittlerweile hat auch der Bundesstaat Texas VW verklagt, so wie das wenige Tage zuvor schon West Virginia getan hatte. VW sieht sich außerdem Dutzenden von Sammelklagen im Namen von Verbrauchern gegenüber. Zudem ist VW wegen einer weiteren fragwürdigen Software in das Visier amerikanischer Behörden geraten. So hat die Umweltbehörde EPA Ermittlungen wegen einer Software begonnen, deren Existenz Amerika-Chef Michael Horn bei der Anhörung vor einem Kongressausschuss in Washington am vergangenen Donnerstag zugegeben hat. Wie eine Sprecherin der F.A.Z. sagte, handelt es sich dabei um ein System, das die Emissionskontrolle von Autos aktivieren, verändern, verzögern oder deaktivieren kann. VW ließ allerdings offen, ob auch diese Software den Zweck hatte, Ergebnisse von Abgastests zu manipulieren so wie das Programm, das bislang im Mittelpunkt der Affäre stand.

          Angeblich steht in der Zentrale in Wolfsburg nun auch Peter Dörfler, der Leiter der VW-Konzernrevision, vor der Ablösung. Dem 58 Jahre alten Diplom-Kaufmann, der zugleich Anti-Korruptionsbeauftragter von VW ist, werde die zügige und umfassende Aufarbeitung des Abgasskandals nicht zugetraut, heißt es in einem Bericht der „Bild am Sonntag“. Wer sein Nachfolger werden soll, ist nicht bekannt. Der frühere Entwicklungsvorstand von VW, Ulrich Hackenberg, bestreitet weiterhin, dass er in den Skandal verwickelt ist. In einem Schreiben an den zurückgetretenen Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn soll Hackenberg darauf verwiesen haben, dass die „Berichtswege“ in der Angelegenheit an ihm vorbeigegangen seien. VW hatte Hackenberg beurlaubt. Ein Sprecher wollte sich zu den Personalien nicht äußern.

          Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der am Dienstag vor dem Landtag eine Rede zur Krise bei VW halten will, wies Vorwürfe zurück, der Aufsichtsrat habe versagt. Er und Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) hätten von den Manipulationsvorwürfen aus den Medien erfahren. Ob weitere personelle Konsequenzen folgen könnten, wollte Weil nicht ausschließen – genauso wenig mögliche Stellenverluste.

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