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Tesla-Fabrik in Deutschland : Angriff im Heimatmarkt

  • -Aktualisiert am

Tesla-Chef Elon Musk im Gespräch mit Volkswagen-Chef Herbert Diess Bild: dpa

Für die deutschen Autohersteller wird der Wettbewerb noch schwieriger, wenn Tesla in Brandenburg eine große Fabrik baut. Ein Selbstläufer ist das Projekt allerdings nicht – Tesla muss sich auf einen harten Wettkampf einstellen.

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          Wer ist derzeit der beliebteste Elektroautohersteller in Deutschland? Wer als Antwort einen deutschen Produzenten erwartet, liegt falsch. Ganz vorn liegt in diesem Jahr der amerikanische Elektroautohersteller Tesla. 9300 E-Autos hat Tesla hierzulande im bisherigen Jahresverlauf verkauft. Auf Rang zwei folgt auch kein deutsches Unternehmen, sondern der französische Renault-Konzern mit 8300 verkauften elektrischen Fahrzeugen. Erst auf dem dritten Platz folgt dann BMW mit einem Absatz von rund 8000 Stück.

          Zwar sagen aktuelle Verkaufszahlen nicht viel über die Zukunft aus. Zudem handelt es sich bei der Elektromobilität weiter um einen Nischenmarkt in Deutschland und in der Welt. Gerade einmal 1,7 Prozent aller Neuzulassungen hierzulande haben einen Elektromotor. Und in den verbleibenden 98,3 Prozent dominiert nicht Tesla sondern andere Hersteller. Allerdings lässt der Blick auf den Markt die Ankündigung Teslas vom Dienstagabend in einem anderen Lichte erscheinen, nahe Berlin eine Fabrik zu bauen: Der derzeitige E-Auto-Marktführer in Deutschland greift damit die deutsche Konkurrenz an und das aus dem Heimatmarkt. Das macht die deutsche Tesla-Fabrik zu mehr dem Versuch eines Neulings, das Feld der alteingesessenen Unternehmen von hinten aufzurollen. Tesla kämpft von vorn.

          Die Pipeline der deutschen Hersteller ist gefüllt

          Allerdings ist der Aufbau der Tesla-Fertigung mit genau so viel Vorsicht zu genießen. Tesla-Chef Elon Musk ist ein Ankündigungsweltmeister, er verspricht gern viel und kommt dann seinen eigenen Zielen nicht oder erst sehr spät hinterher. Das zeigt sich auch an Teslas Fahrzeug „Model 3“, dem derzeitigen Hauptumsatzbringer des Unternehmens. Tesla hatte ziemlich lang mit Produktionsproblemen bei diesem Model zu kämpfen.

          Daher wird nun viel darauf ankommen, was genau im deutschen Werk des Unternehmens passiert. Dort soll ein Auto entstehen, das es heute noch gar nicht zu kaufen gibt. Es soll vom Ende des Jahres 2021 an vom Band laufen, wenn es Musk denn dieses Mal schafft, seine Ankündigung in die Tat umzusetzen. Bis dahin werden auch die etablierten deutschen und europäischen Hersteller deutlich mehr elektrische Modelle im Angebot haben. Mit welchen Autos Teslas Fahrzeug aus deutscher Produktion dann wetteifern wird, muss sich erst noch zeigen.

          Tesla muss sich auf einen harten Wettkampf einstellen. Wer diesen gewinnt, entscheidet am Ende der Kunde. Umgekehrt wird auch der Wettbewerb für die Etablierten der Autobranche schwieriger, wenn Tesla sich nun Transport- und Importkosten sparen und Kunden womöglich schneller beliefern kann. Wettbewerb belebt aber bekanntlich das Geschäft. Für einen Abgesang auf die deutschen und europäischen Hersteller ist es viel zu früh.

          Präzisierung

          In einer ersten Version des Textes hieß es, dass der Preis des Models, das künftig in Brandenburg gebaut werden soll, noch nicht feststehe. Das ist so nicht richtig. Das Fahrzeug soll nach Unternehmensangaben mindestens 56.000 Euro kosten.

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