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Tesla-Fabrik in Berlin : „Vorgezogenes Weihnachtsfest“ mit Musk

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Bild: AP

Tesla will in der Nähe von Berlin eine Gigafabrik bauen. Über die Verhandlungen mit Musk sagt Brandenburgs Ministerpräsident: „Ich habe ihn als sehr verlässlichen Menschen kennengelernt.“ In den Niederlanden ist man enttäuscht.

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          Tesla-Chef Elon Musk überrascht die Republik: Im Umfeld von Berlin, ganz in der Nähe des Flughafens BER, will er eine seiner Gigafabriken bauen. Das kündigte er am Dienstagabend in Berlin an. Jetzt reiben sich Politiker in ganz Deutschland die Hände, freuen sich über das Signal und hoffen auf neue Arbeitsplätze.

          So rechnet die Berliner Wirtschaftssenatorin Ramona Pop durch die geplante Tesla-Fabrik mit Tausenden neuer Jobs. „Zurzeit sind im Gespräch für die Factory in Brandenburg rund 6000, 7000 Arbeitsplätze“, sagte sie am Mittwoch im RBB Inforadio. In Berlin sollen „auch noch ein paar Hundert, wenn nicht gar ein paar Tausend“ Jobs hinzukommen. Tesla sei nicht nur ein reiner Autohersteller, sondern auch in den Bereichen Software, Innovation und Forschung aktiv. „Da ist Berlin natürlich der richtige Standort.“

          Viel Geld von und für Brandenburg

          Dafür will die Grünen-Politikerin auch Geld springen lassen: „Jedes Unternehmen, dass sich hier ansiedelt oder hier erweitert, Arbeitsplätze schafft, neue Arbeitsplätte schafft, hat Anspruch auf diese Wirtschaftsförderung“, sagte sie.

          „Wir sind bei 95 Prozent der Fragen durch, aber es werden auch noch weitere Fragen geklärt werden müssen“, sagte der Ministerpräsident Brandenburgs Dietmar Woidke (SPD) am Mittwoch. Tesla seien Zusagen für übliche Subventionen im Rahmen des EU-Beihilferechts gemacht worden. Auf die Frage, ob noch ein Risiko bestehe, sagte er mit Blick auf Musk: „Ich habe ihn als sehr verlässlichen Menschen kennengelernt.“

          Brandenburg hat nach Angaben des Regierungschefs seit fünf bis sechs Monaten mit Tesla verhandelt. „Wir haben verschiedene Standorte angeboten, und die Standortauswahl hat dann Tesla getroffen“, sagte Woidke. Die Ansiedlung „bedeutet eine der größten Investitionen in der Geschichte unseres Landes“. In der Fabrik seien Elektromobilität und die Speicherung von Energie geplant.

          Die Fabrik soll nach Angaben aus Brandenburger Regierungskreisen in der Brandenburger Gemeinde Grünheide gebaut werden. Seit etwa vier Monaten sei man über den geplanten Standort im Landkreis Oder-Spree im Gespräch, hieß es am Mittwoch. Über den Standort etwa 35 Kilometer südöstlich vom Zentrum Berlins hatte der „Tagesspiegel“ berichtet.

          Nach Ansicht von Woidke kommt Tesla auch wegen der Öko-Energien nach Brandenburg. „Wir haben den Rohstoff der Zukunft, wir haben erneuerbare Energien in Brandenburg.“ Das sei im Gespräch mit Tesla-Chef Elon Musk ein entscheidender Vorzug gewesen. „Wir verbinden hier Klimaschutz mit Wirtschaftsstärke und das muss das Signal sein in die ganze Welt.“ Bei elektrischer Leistung aus Öko-Energien je Einwohner ist Brandenburg bundesweit vorn. Als weitere Vorzüge nannte Woidke die Metropolregion mit Berlin, eine hohe Dichte an Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen – und: „Wir haben Platz.“

          Auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) meldete sich zu Wort. Er hält die Entscheidung von Tesla für „einen weiteren Beweis für die Attraktivität des Automobilstandortes Deutschland“. Es sei „zugleich auch ein Meilenstein beim Ausbau von Elektromobilität und Batteriekompetenz“, teilte der Minister in Berlin mit. Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) sprach sogar von einem „vorgezogenen Weihnachtsfest“.

          Euskirchen ausgestochen

          Selbst in Nordrhein-Westfalen hofft man derweil auf neue Arbeitsplätze. „Auch für unsere Zulieferbetriebe ist das eine große Chance“, sagte ein Sprecher des dortigen Wirtschaftsministeriums. Autozulieferer aus dem Sauerland würden sicherlich von der neuen Tesla-Fertigung profitieren. Es handele sich um eine wichtige Entscheidung für den Elektromobilitäts-Standort Deutschland: „Wir gratulieren Brandenburg“, heißt es in einer ersten Reaktion des NRW-Wirtschaftsministeriums.

          Im Bewerberrennen für die europäische Fabrik von Tesla sei Euskirchen, wo ein Green Battery Campus geplant ist, bis zur in der Schlussrunde dabei gewesen. Möglicherweise sei die besondere Standortförderung in Brandenburg ein Punkt gewesen. Nordrhein-Westfalen hatte neben mehreren anderen Bundesländern schon im vergangenen Jahr dem amerikanischen Unternehmen Tesla deutliches Interesse bekundet.

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