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Teure Havarie im Suezkanal : Die „Ever Given“ ist in Deutschland gut bekannt

Das Containerschiff „Ever Given“ im Suezkanal Bild: Reuters

Schiffsmanager ist ein deutsches Unternehmen. Und schon auf der Elbe hatte der Riesenfrachter einen Unfall. Nun könnte die Bergung im Suezkanal Wochen dauern, warnen die Retter. Andere aber erwarten sie für Samstag.

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          Die „Ever Given“ ist eine alte Bekannte. Zumindest für Elbanrainer. Der Containerriese, der derzeit im Suezkanal steckt und die Lieferketten der Welt blockiert, hatte dort 2019 die Fähre Finkenwerder gestreift und schwer beschädigt. Zwei Minuten nach der Kollision wurde wegen starker Winde ein Fahrverbot auf der Elbe verhängt. Auch nun heißt es, das auf 23.000 Container ausgelegte Schiff sei von starkem Wüstenwind auf die Kanalseiten gedrückt worden. Noch aber sind die Ursachen des Unfalls nicht in Ansätzen geklärt. Im Mittelpunkt steht jetzt die Frage der Bergung. Auf der Elbe hatte es 2016 eine Woche gedauert, um einen ähnlich großen Containerriesen freizuschleppen.

          Christoph Hein
          (che.), Wirtschaft

          Das Schiff  „Ever Given“ von der Reederei „Evergreen“, wird von der deutschen Bernhard Schulte Shipmanagement (BSM) geführt, die zur 135 Jahre alten Schulte Group zählt. Sie hat die technische Verantwortung für den Riesen. Schulte teilte mit, ein großer Sandsauger, der mehr als 2000 Kubikmeter Sand stündlich heben kann, habe das Schiff erreicht. Auch erklärte BSM, zwei Lotsen seien auf der Route durch den Kanal an Bord der Ever Given gewesen. Die Besatzung von 25 Indern sei unverletzt. BSM führt 600 Schiffe mit insgesamt 18.000 Mannschaftsmitgliedern.

          Beim ersten Unfall der „Ever Given“ hatte Anfang Februar 2019 ihr Heck auf die am Schiffsanleger Blankenese festgemachte, 25 Meter lange Fähre Finkenwerder der Hadag gedrückt und sie schwer beschädigt. Die Fähre war unbemannt, so dass niemand zu Schaden kam. Die „Ever Given“ war damals auf dem Weg von Hamburg nach Rotterdam, wohin sie auch diesmal, aus China kommend, unterwegs war. Damals nahm die Hamburger Polizei Ermittlungen gegen den Kapitän des Frachters aus Taiwan auf und sprach von einem „Fahrfehler“ – auf dem Tracker im Internet ist zu erkennen, wie das Schiff sich sehr deutlich auf die rechte Seite des Fahrwassers begibt und dann mit dem Heck die Fähre touchiert. Der japanische Eigentümer bestätigte am Freitag, er habe einen Vertrag mit einem deutschen Unternehmen, das die Besatzung der „Ever Given“ stelle.

          Automobilhersteller von Blockade am härtesten getroffen

          Die Ratingagentur Moody’s warnte am Freitag, die europäischen Automobilhersteller und Zulieferer würden von der Blockade am härtesten getroffen. „Auch wenn das Problem in den nächsten 48 Stunden gelöst wird, ist eine Verstopfung der Häfen und eine weitere Verzögerung der schon angespannten Lieferketten unvermeidlich“, erklärte Daniel Harlid, Vizepräsident von Moody’s.

          Der Marinebagger „Mashhour“ beteiligt sich an der Bergung
          Der Marinebagger „Mashhour“ beteiligt sich an der Bergung : Bild: dpa

          Noch wollen sich große Logistiker wie Weltmarktführer DHL Deutsche Post nicht zu den Auswirkungen äußern. „Da es derzeit schwer ist zu schätzen, wie lange die Probleme andauern werden, wollen wir keine Einschätzung möglicher Auswirkungen geben“, sagte eine DHL-Sprecherin. Schiffstracker im Internet zeigten am Freitag, dass immer mehr Frachter Kursänderungen im Indischer Ozean vornehmen, die auf eine Route rund um das Kap der Guten Hoffnung, die Südspitze Afrikas hinweisen. Ins Augenmerk rückt auch die Eisenbahnlinie zwischen China und Europa, auf der DHL Deutsche Post den Containerverkehr maßgeblich vorantreibt. Der Bonner Konzern wollte auch dazu keine Stellung geben. 2017 wurden rund 200.000 Standardcontainer aus China über die Schiene transportiert, im Vergleich zu 10 Millionen per Schiff. Im vergangenen Jahr soll die Zahl auf der Bahnstrecke auf mehr als eine Million gestiegen sein.

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