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Bayern verteidigt Autobauer : „Wir retten das Auto“

  • -Aktualisiert am

CSU-Chef Söder will, dass die Grenzwerte und die Standorte von Messtationen geprüft werden. Bild: dpa

In der Debatte um den Diesel und die Grenzwerte fordert Bayerns Ministerpräsident Ingenieurskunst statt Ideologie. Der Bundesverkehrsminister sieht eine Zukunft für den Diesel. Und Bayerns Wirtschaftsminister denkt noch größer.

          Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Markus Söder hat dazu aufgerufen, die Debatte über den Diesel und die Stickoxid-Grenzwerte zu „entkrampfen“. Man müsse endlich wissenschaftlich klären, „welche Werte sind gesundheitsschädlich und welche nicht“. Die bisherigen Messmethoden müssten hinterfragt werden. Auch die EU-Kommission dürfe sich nicht einfach stur stellen, wenn es ernste Fragen zu Grenzwerten und Messmethoden gebe.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Beim Auftakt zum „Zukunftsforum Automobil“ der bayerischen Staatsregierung, an dem die Chefs von Audi, BMW und MAN sowie der bayerischen IG Metall und des Verbands der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie teilnahmen, bezeichnete Söder am Montag das Auto als die industriepolitische „Halsschlagader von Deutschland und Bayern“. Es brauche „Rückenwind für die wichtigste Industrie“.

          Söder sagte, es gehe um einen Weg jenseits von Lobbyismus und Verschwörungstheorien. „Beides ist in Deutschland im Moment unglaublich unterwegs.“ Er strebe einen Ausgleich an zwischen „Ökologie, Mobilität und Lebensstil“. Dabei entscheide „Ingenieurkunst, nicht Ideologie“.

          Diesel mit Zukunft

          Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), der ebenfalls am Forum teilnahm, sagte: „Luftqualität ist Lebensqualität.“ Aber dazu gehörten auch „gute Mobilität und Arbeitsplätze. Die „Botschaft nach draußen“ sei, „dass wir diese Leitindustrie brauchen“. Der Wohlstand sei „nicht im Grundgesetz verankert“, den müsse man sich jeden Tag hart erarbeiten. Vor allem im ländlichen Raum, so Scheuer, „muss der Diesel Zukunft haben und wird der Diesel Zukunft haben“.

          Die bayerische Staatsregierung und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) setzen bei der Zukunft des Automobils nicht allein aufs Batterieauto. Auch synthetische Kraftstoffe und Wasserstoff könnten künftig eine größere Rolle spielen.

          BMW-Chef Harald Krüger sagte, in China und vielen anderen Ländern werde sich das Batterie-Auto durchsetzen. Aber die Kombination von Verbrenner- und Elektro-Motor in Hybridfahrzeugen sei ebenfalls „eine Zukunftstechnologie“, vor allem für Städte.

          Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) sagte: „Wir retten das Auto.“ Es sei für die Bayern wichtig, „individuell mobil zu bleiben“. Das Treffen habe „den Schulterschluss zwischen Automobilindustrie und Politik“ dokumentiert.

          BMW-Chef Harald Krüger sprach von einem „guten Meeting“. Staatsregierung, Autoindustrie und Arbeitnehmervertreter vereinbarten fünf Arbeitsgruppen zur Zukunft des Autos. Kritik kam von der Opposition. Der bayerische SPD-Umweltpolitiker Florian von Brunn sagte: „Jetzt wird eine Pseudo-Grenzwertdebatte aufgemacht, um vom eigenen Versagen abzulenken.“

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